Abschreibungen prägten 2002: Rentenanstalt erwartet Milliarden-Verlust

Abschreibungen prägten 2002
Rentenanstalt erwartet Milliarden-Verlust

Der Schweizer Lebensversicherer Rentenanstalt/Swiss Life rechnet für das Jahr 2002 mit einem Rekordverlust von rund 1,7 Milliarden Franken. Ein sehr tiefes Finanzergebnis, ein negatives Ergebnis im Schweizer Geschäft und ausserordentliche Abschreibungen prägten das Geschäftsjahr, teilte die Gesellschaft am Donnerstag mit.

Reuters ZÜRICH. Im laufenden Jahr will Swiss Life den Angaben zufolge wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Das Unternehmen verfügt weiterhin über eine ausreichende Eigenkapitalbasis, hiess es. Per Ende Jahr werde das Eigenkapital etwa vier Milliarden Franken betragen. Die Umsetzung der neuen Strategie verlaufe planmässig, so Rentenanstalt. Das bis Ende 2002 angestrebte Kostensenkungsziel von 170 Millionen Franken wurde erreicht. Bis Ende 2004 sollen insgesamt 515 Millionen Franken eingespart werden.

An der Börse brachen die Swiss Life-Aktien bei Handelsstart um 8,6 Prozent auf 62,25 Franken ein.

Mehrere Faktoren belasteten das Ergebnis 2002, so Swiss Life. Die zum Schutz der Kapitalbasis vorgenommene Reduktion der Aktienquote auf unter zwei Prozent per Ende 2002 von 16 Prozent zu Jahresanfang war mit der Realisierung von Verlusten verbunden. Im Schweizer Geschäft resultierte wegen der durch die fallenden Zinsen verschlechterten Rahmenbedingungen ein Verlust. Die Privatbanktochter Banca del Gottardo verzeichnete nach ausserordentlichen Wertberichtigungen und Rückstellungen in Höhe von 200 Millionen Franken einen Verlust von 160 Millionen Franken. In der konsolidierten Bilanz reduzierte Swiss Life den Wert der Gotthardbank auf noch 1,4 Milliarden Franken. Und schliesslich schlugen Restrukturierungskosten in Höhe von rund 130 Millionen Franken zu Buche, hiess es.

Rentenanstalt hatte bereits im ersten Halbjahr 2002 einen Verlust von 578 Millionen Franken verzeichnet. Der grösste Schweizer Lebensversicherer musste dabei innerhalb Monatsfrist zwei Buchungsfehler einräumen und die Semesterausweise sowohl für 2002 als auch 2001 deutlich nach unten revidieren.

Swiss Life hat im vergangenen Jahr zudem zweimal den Konzernleiter ausgewechselt. Der vom Finanzkonzern Credit Suisse Group kommende Rolf Dörig übernahm Anfang November die operative Führung von Roland Chlapowski, der erst im Februar die Nachfolge von Manfred Zobl angetreten hatte. Zuvor war die Existenz einer Beteiligungsfirma unter dem Dach der Rentenanstalt mit Namen Long Term Strategy (LTS) bekannt geworden, an der sich Manager wie Chlapowski und Zobl mit eigenem Geld beteiligen und hohe Gewinne einstreichen konnten.

Anfang Dezember nahm Swiss Life über eine Kapitalerhöhung brutto 856 Millionen Franken und über eine Pflichtwandelanleihe weitere 250 Millionen Franken dringend benötigtes frisches Kapital auf. Mittelfristig strebt Rentenanstalt früheren Angaben zufolge eine Eigenkapitalrendite (ROE) von zehn Prozent an, dürfte diese allerdings nicht vor 2005 erreichen. Bis 2004 erwartet des Unternehmen nach eigener Einschätzung kein spürbares Wachstum. Als Ausschüttungsquote wurden anlässlich des Halbjahresabschlusses im vergangenen September 25 bis 30 Prozent in Aussicht gestellt. Die Bonitätseinstufung durch die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) soll demnach zumindest bei "A" oder höher liegen.

Rentenanstalt kündigte Mitte September die Konzentration auf das Lebensversicherungs-Geschäft in ausgesuchten europäischen Märkten an. Die Banca del Gottardo und die Schweizerische Treuhandgesellschaft STG sollen verkauft werden. Veräussert werden sollen auch das französische und das belgische Nichtleben-Geschäft. Nicht zum Kerngeschäft gehören künftig auch Grossbritannien, Italien und Spanien und die Versicherungstochter La Suisse. Bis wieder bessere Marktverhältnisse herrschen will Swiss Life diese Beteiligungen und Geschäfte aber weiterführen.

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