Absichtserklärung von Boeing
Cargolifter bekommt Unterstützung

Der deutsche Luftschiffbauer Cargolifter und der US-Luftfahrtkonzern Boeing wollen gemeinsam neue Einsatzmöglichkeiten für Luftschiffe insbesondere im militärischen Bereich untersuchen.

Reuters BERLIN/CHICAGO. Eine finanzielle Beteiligung von Boeing an Cargolifter werde dabei nicht ausgeschlossen, teilte Cargolifter am Donnerstag mit. Die im MDax notierten Papiere des finanziell angeschlagenen Unternehmens reagierten mit deutlichen Kurssprüngen auf die Nachricht. Zeitweise verzeichneten sei ein Plus von fast 30 Prozent.

Militärische Anwendungen möglich

Cargolifter gab bekannt, mit Boeing eine Absichtserklärung (Letter of Intent) unterzeichnet zu haben, um die geschäftlichen Möglichkeiten für die Entwicklung und Nutzung von Flugsystemen zu untersuchen, die auf dem Prinzip "Leichter als Luft" basierten. Dabei würden auch militärische Verwendungszwecke ins Auge gefasst.

Finanzvorstand Karl Bangert sagte der Nachrichtenagentur Reuters, bei den seit rund einem Jahr laufenden Gesprächen sei auch die Möglichkeit einer Beteiligung von Boeing an dem deutschen Unternehmen zur Sprache gekommen. "Das ist mit drin", sagte Bangert auf die Frage, ob sich Boeing im Falle einer technologischen Kooperation auch finanziell beteiligen werde.

Bisher entwickelt Cargolifter Luftschiffe ausschließlich für zivile Einsatzbereiche. 71 Prozent des Cargolilfter-Kapitals befindet sich in Händen von Kleinanlegern.

Luftraumüberwachung ist "starkes Thema"

Cargolifter erklärte, die Kooperation mit Boeing sei auf Einsatzmöglichkeiten gerichtet, die "jenseits des derzeitigen Fokus von Cargolifter liegen." Denkbar sei etwa die Entwicklung eines Stratosphären-Luftschiffes für den zivilen und militärischen Einsatz. Der Leiter der Entwicklungsabteilung bei Cargolifter, Christian von Tümpling, sagte Reuters, seit den Anschlägen vom 11. September sei das Thema Luftraumüberwachung in den USA ein "starkes Thema". Möglich seien unbemannte Fluggeräte, die in Höhen von bis zu 20 Kilometern stationär verweilen könnten. Ähnliche Fluggeräte könnten aber auch zivile Aufgaben etwa im Bereich Telekommunikation übernehmen.

Der Präsident der Boeing-Entwicklungsabteilung Phantom Works, George Muellner, sagte zu der Absichtserklärung, die Gespräche hätten eine "ganze Reihe möglicher Synergien und geschäftlicher Möglichkeiten zwischen beiden Unternehmen zu Tage gebracht". Die Absichtserklärung sei Grundlage für die Entscheidung, "ob eine langfristige Zusammenarbeit im beiderseitigen Interesse ist".

Finanzielle Unsicherheiten

Ein Frankfurter Aktienhändler zeigte sich indes trotz des Kursanstiegs skeptisch zu den Aussichten auf eine Kooperation mit Boeing. "Ich würde nicht zu sehr darauf hoffen, da sie ihre Probleme immer noch nicht gelöst haben."

Anfang April hatte Cargolifter eine Wandelanleihe ausgegeben, die den ersten Schritt eines umfassenden Finanzierungskonzeptes darstellen soll. Insgesamt benötigt das Unternehmen bis zu Aufnahme der Serienproduktion für sein Transport-Luftschiff CL 160 im Jahr 2005/06 noch rund 420 Millionen Euro. Bislang hat das Unternehmen noch keine nennenswerten Umsätze mit seinen Produkten erzielt.

Finanzvorstand Bangert hielt sich mit Äußerungen zur Zeichnung der Wandelanleihe mit einem Emissionsvolumen von 49,8 Millionen Euro zurück. Er hoffe, dass die Aussicht auf eine Kooperation mit Boeing die Zeichnung nochmals beflügle, sagte er am Donnerstag. Die Zeichnungsfrist läuft am Freitag aus. Die nächste von der Hauptversammlung bereits genehmigte Kapitalerhöhung werde es noch im Verlauf dieses Sommers geben, fügte Bangert hinzu. Eine Kapitalerhöhung im vergangenen November war zu 91,8 Prozent gezeichnet worden und hatte 33,3 Millionen Euro eingebracht.

Im abgelaufenen zweiten Geschäftsquartal 2001/02 (zum 28. Februar) hatte Cargolifter eigenen Angaben zufolge einen Konzernverlust von 25,5 Millionen Euro verbucht nach einem Verlust von 22,6 Millionen Euro im ersten Quartal. Die Barreserven betrugen Ende Februar noch 21,3 Millionen Euro.

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