"Absolut zukunftsorientiertes" Paar soll mit "denkenden Kühlschränken" leben
Metro-Gründer sucht Internetfamilie

Der deutsche Milliardär Otto Beisheim will in einem Internet-Reihenhaus ein Paar beim Umgang mit Zukunftstechniken ausspionieren. Derzeit werden Freiwillige gesucht.

dpa ZÜRICH/BAAR. Der deutsche Milliardär Otto Beisheim (76) hat im schweizerischen Hünenberg ein Doppelhaus gekauft, in das demnächst Europas erste Internet-Familie einziehen soll. Gesucht wird ein "absolut zukunftsorientiertes" Paar im Alter zwischen 35 und 45 Jahren mit zwei etwa zehnjährigen Kindern. "Kurz nachdem wir das Angebot bekannt gemacht hatten, haben sich schon vier Familien gemeldet, die gerne in das Internet-Haus einziehen wollen", sagt Beat Schertenleib, der sich bei der Contract Media AG in Zürich um das Projekt kümmert.

Die Familienmitglieder müssen bereit sein, im Haus Zukunftstechnologien wie etwa "denkende Kühlschränke" oder "Toiletten, die ihre Ausscheidungen automatisch auf Krankheitskeime hin untersuchen" anzuwenden, erklärt Schertenleib. Außerdem soll der Alltag der Familie an fünf Tagen die Woche live im Internet zu beobachten sein. Das Internet-Haus, das im Kanton Zug in einer bürgerlichen Reihenhaus-Siedlung steht, existiert bisher nur im Rohbau. Die letzten Kabel müssen noch verlegt werden.

Mit der umstrittenen Reality-Show "Big Brother", bei der eine Gruppe von Kandidaten 100 Tage lang in einen Wohncontainer eingesperrt worden war, habe das Projekt www-Familie nichts gemeinsam, betont Schertenleib. "Die Familienmitglieder können sich, wenn sie nicht gefilmt werden wollen, jederzeit in eine Hälfte des Doppelhauses zurückziehen, in der keine Kameras installiert sind. Allerdings sollen sie sich am Tag möglichst im vernetzten Teil des Hauses aufhalten. Gelegentlich sollen in der "öffentlichen" Hälfte des Doppelhauses auch Führungen für Schulklassen stattfinden.

Auch Cisco mischt mit

Mit im Boot bei dem Projekt ist die Internet-Firma Cisco Systems. Die Idee, den Alltag einer Familie zu filmen, die in einem Haus mit modernsten Möbeln und neuester Technik lebt, stammt jedoch von Otto Beisheim selbst. Mit seinen 76 Jahren ist der Gründer des Metro-Konzerns zwar selbst kein Kind der Internet-Generation. Neue Technologien haben den Milliardär, der selbst unweit des Internet-Hauses im Steuerparadies Zug lebt, jedoch immer schon fasziniert. "Ich denke auch, dass Herr Beisheim auch einmal persönlich bei dem Haus vorbeigehen wird", meint Schertenleib.

Beisheim, einer der reichsten Privatmänner der Schweiz, verfolgt mit dem Internet-Haus direkt keine kommerziellen Interessen, auch wenn die Familie gelegentlich im öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehen zu sehen sein soll. Dem Gründer des Metro-Konzerns, zu dem auch die Media-Markt-Gruppe und Technologie-Töchter gehören, geht es vielmehr darum zu zeigen, wie das Leben einer normalen Familie in einigen Jahren aussehen könnte. Denn die meisten Anwendungen, die im Hünenberger Internet-Haus installiert werden sollen, kann man heute noch nicht im Geschäft kaufen.

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