Absoluten Schutz gibt es nicht
Filtersoftware zeigt in der Praxis Mängel

Juristen ist das ungefilterte Angebot im weltweiten Datennetz schon seit langem ein Dorn im Auge. Für die Rechtsvertreter stellt sich die Frage: Wie lässt sich verhindern, dass ungesetzliche Angebote und Inhalte auf die Rechner der Nutzer gelangen?

DÜSSELDORF. Nicht nur Kinder sollen vor jugendgefährdenden Inhalten aus dem Web geschützt werden, sondern auch Erwachsene - wie jetzt in Frankreich - vor rechtsextremer Propaganda aus dem Netz. Die Lösung scheint einfach: Anbieter wie Yahoo errichten mit ihren Netzwerkrechnern virtuelle Grenzkontrollen. Ein Softwareprogramm sperrt alle Zugänge im Internet, auf denen sich gebrandmarkte Angebote und Inhalte befinden. Dazu müssen nur die entsprechenden Stichworte eingeben werden. Alle Seiten auf denen diese Begriffe auftauchen, sind dann nicht mehr abrufbar.

Was sich einfach anhört, ist in der Praxis jedoch schwieriger. "Die Software ist nur ein Hilfsmittel, mit dem Inhalte aussortiert werden können", erläutert Hans Krogull, Spezialist für Sicherheitssysteme beim amerikanischen Softwareanbieter Novell. "Es kommt ganz wesentlich auf den Menschen an, der definieren muss, was noch legal ist und was nicht."

Die Installation einer solchen Filtersoftware in das Rechnersystem von Unternehmen ist noch recht einfach. Sollen aber alle Nutzer in einem Land wie Frankreich vor speziellen Inhalten geschützt werden, ist diese Aufgabe viel komplexer. "Da alle Rechner im Netz miteinander verknüpft sind, müssen alle Netzcomputer diese Filtersoftware einsetzen", erläutert Krogoll.

Einen 100-prozentigen Schutz gibt es nicht. "Findige Surfer, die unbedingt auf das verbotenen Angebot kommen wollen, finden einen Weg", gibt Harald Summa von Verband der deutschen Internet-Wirtschaft Eco zu bedenken. Oft sei es so, dass wenn Angebote für ungesetzlich erklärt würden, dass sie dadurch umso interessanter seien.

Ein anderes Problem kommt hinzu. Mit einer Negativliste in Form von Schlagworten, werden nicht nur unerwünschte Angebote herausgefiltert, sondern oft auch durchaus nützliche. Mit dem Stichwort "Nazi" würde nicht nur Nazipropaganda abgeblockt, sondern auch geschichtliche und aufklärende Schriften über die NS-Zeit.

"Die Erfahrung hat zeigt, dass entweder zu viel oder zu wenig herausgefiltert wird", sagt Dörte Neundorf von Secorvo Security Consulting in Karlsruhe, die Anfang des Jahres im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie eine Studie zum Jugendschutz im Web betreut hat.

Die Untersuchung hatte ergeben, dass keines der derzeit erhältlichen Filterprodukte in der Lage ist, einen zufriedenstellenden Schutz für junge Menschen zu gewährleisten. Die größten Mängel waren fehlende Mehrsprachigkeit und mangelnde Transparenz der Filterkriterien. "Die verfügbaren Filterprogramme sind überwiegend amerikanischer Herkunft und passen nicht auf den deutschsprachigen oder europäischen Kulturraum", erläutert Neundorf.

Um ein für Europa verwendbares System zu schaffen, sei die Übertragung der Programme in die jeweilige Landessprache erforderlich. Dabei geht es aber nicht nur um eine reine Übersetzung, sondern auch um die Berücksichtigung der jeweiligen Kulturvorstellungen. So sucht die in Amerika entwickelte Filtersoftware hauptsächlich nach pornografischen Inhalten. Rechtsextreme Inhalte dagegen werden von ihr durchgelassen, wie ein Test gezeigt hat.

Um dem grenzübergreifenden Charakter des Internets Rechnung zu tragen, sei ein mehrsprachiges und auch multikulturelles System erforderlich, so die Empfehlung der Internet-Expertin.

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