Abstand zur Weltspitze
Deutsche Ruderer sehen sich als Außenseiter

Die deutschen Ruderer sehen sich in Peking nicht in der Favoritenrolle und befürchten sogar erstmals seit 52 Jahren Olympische Spiele ohne Goldmedaille.

Die erfolgverwöhnten deutschen Ruderer stapeln vor dem Beginn der Sommerspiele bewusst tief und rechnen sogar mit der Möglichkeit, erstmals seit 52 Jahren bei Olympia keine Goldmedaille zu erringen. "Wir haben kein klares Siegboot und keinen Favoriten", sagte Michael Müller dem Sport-Informations-Dienst (sid). Der Sportdirektor des Deutschen Ruderverbandes (DRV) hofft allerdings auf "vier bis sechs" Medaillen in den 14 olympischen Klassen.

Bedenklicher Abstand zur Weltspitze

Schon die Heim-WM im vergangenen Jahr in München geriet für den DRV ohne Titelgewinn zu einer großen Enttäuschung. Auch bei den drei Weltcups im bisherigen Saisonverlauf ruderten die meisten DRV-Boote der Weltspitze bedenklich hinterher, daher befürchtet man in Peking ein Fiasko. Ohne Olympia-Gold war die deutsche Flotte zuletzt 1956 in Melbourne geblieben.

Bei den Olympischen Spielen gibt es seit 1992 in Barcelona (4 Gold, drei Silber, drei Bronze) einen deutlichen Abwärtstrend. In Athen standen immerhin noch zwei Olympiasiege zu Buche, für alle vier Medaillen in Griechenland sorgten die Frauen. Das letzte Männer-Gold holte der Doppelvierer 1996 in Atlanta.

"Für viele etablierte Nationen ist es schwerer geworden. Die Weltspitze ist enger zusammengerückt", meinte Müller. Der DRV habe seine Boote seit den Weltcups aber weiterentwickelt, und in Peking entscheide in vielen Klassen die Tagesform, so der in der Kritik stehende Sportdirektor weiter.

Achter als Medaillenhoffnung

Im Blickpunkt steht der Deutschland-Achter, der in einer bisher beispiellosen Aktion 65 Tage vor Beginn der Sommerspiele fast komplett ausgetauscht wurde. "Kanada ist klarer Favorit. Dahinter geht es sehr eng zu. Wir können um die Medaillen mitfahren", erklärte Schlagmann Andreas Penkner.

Die Auslosung am Donnerstag ergab, dass das DRV-Flaggschiff im Vorlauf am Sonntag auf Olympiasieger USA, den WM-Dritten Großbritannien und Gastgeber China trifft. Nur der Sieger erreicht das Finale ohne den Umweg Hoffnungslauf.

Der deutsche Einer-Meister Marcel Hacker greift unterdessen schon zum Auftakt der Wettbewerbe am Samstag ins Geschehen ein. "Mein Ziel ist es erst einmal, den Endlauf zu erreichen. Dann sehen wir weiter", sagte der WM-Fünfte.

Doch alleine Endlaufteilnahmen werden den DRV, der in 13 Klassen vertreten sein wird, nicht befriedigen. Zwei Urlaubssemester musste jeder studierende Olympia-Starter zur Peking-Vorbereitung nehmen. Doch die Fehler der Vergangenheit liegen nicht nur bei den Athleten. So findet beispielsweise unter den einzelnen Stützpunkten kaum ein Austausch statt. Als Konsequenz wird nach Peking der Posten des Cheftrainers eingeführt. Der Name des neuen starken Mannes ist bisher aber noch nicht bekannt.

Während der DRV mit großer Ungewissheit in die Wettbewerbe geht, blickt die Ruderwelt gespannt auf den Auftritt der Gastgeberboote. Beim traditionsreichen Weltcup auf dem Luzerner Rotsee glänzte China in dieser Saison mit fünf Siegen. Davon ist der DRV derzeit etliche Bootslängen entfernt.

© SID

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