Abstieg in die zweite Liga
Deutsche Telekom am Scheideweg

Der Verzicht des Bonner Konzerns auf eine UMTS-Lizenz in Frankreich gibt Rätsel auf, klafft doch nun in weiten Teilen Süd- und Westeuropas eine riesige Lücke im Telekom-Mobilfunknetz.

ap BONN. Mit dem Verzicht auf eine UMTS-Lizenz in Frankreich steht die Deutsche Telekom am Scheideweg. Denn in weiten Teilen Süd- und Westeuropas klafft nun eine riesige Lücke im künftigen Mobilfunknetz des Bonner Telekommunikationsriesen. Im Gegensatz zu den großen Konkurrenten Vodafone und France Telecom werden die Bonner - nach dem gegenwärtigen Stand - weder in Frankreich, noch in Italien oder Spanien über ein eigenes Netz verfügen. Selbst Analysten stehen vor einem Rätsel: geht der Telekom angesichts der Milliardenkosten für UMTS die Puste aus, oder steckt dahinter eine Strategie.

Chris-Oliver Schickentanz, Telekommunikations-Analyst der Dresdner Bank, sieht im überraschenden Schritt der Telekom zumindest auf den ersten Blick eine Abkehr von der bisherigen Strategie Ron Sommers, T-Mobile zu einem paneuropäischen Mobilfunkanbieter im Stile von Vodafone zu machen. "Dieser Anspruch wäre ohne Frankreich hinfällig."

Wenn tatsächlich Kostengründe für den Rückzug aus dem Nachbarland ausschlaggebend seien, habe dies für die Deutsche Telekom gravierende Konsequenzen. "Dann wird T-Mobile zukünftig nur noch in der zweiten Liga im europäischen Mobilfunk mitspielen. Dann wird der europäische Markt ganz klar von Vodafone oder der Telecom France Mobilfunk-Tochter Orange dominiert", urteilt der Analyst. Auch die bisherigen Akquisitionen in den Niederlanden und Großbritannien müssten dann neu bewertet werden.





T-Aktie büßte weiter an Wert ein

Für wahrscheinlicher hält er allerdings, das die Telekom längst ein Auge auf einen externen Partner geworfen hat, der die Lücken der Bonner in Süd- und Westeuropa schließen könnte. In Frage käme etwa die Telecom Italia Mobile (TIM), die in Frankreich und Spanien vertreten ist.

Ähnlich bewertet der Telekommunikationsexperte der WGZ-Bank, Jörg Natrop, die Situation. "Strategisch ist die Entscheidung eher ein Rückschritt", meint er. Die Deutsche Telekom sei zwar in Ost- und Kerneuropa stark. "Aber der Rest sind weiße Flecken." Doch spiele die Telekom möglicherweise auf Zeit und setze auf künftige Kooperationen. "Das hängt mit Sicherheit damit zusammen, dass der T-Mobile Börsengang verschoben werden musste", glaubt Natrop. Denn damit fehle der Telekom vorläufig eine Akquisitionswährung, die Übernahmen und Partnerschaften erleichtere.

Das das letzte Wort noch nicht gesprochen ist, dafür spricht eine Äußerung von T-Mobile-Chef Kai-Uwe Ricke in der Mittwochsausgabe der französischen Wirtschaftszeitung "Les Echos". Dort räumte der Mobilfunkmanager selbst ein: "Wenn wir ein weltweiter Anbieter der dritten Mobilfunkgeneration sein wollen, können wir uns nicht erlauben, in Spanien, Italien und Frankreich nicht dabei zu sein. Wir warten ab. Wir sind davon überzeugt, dass wir in Zukunft viele Möglichkeiten haben werden, dort Fuß zu fassen. Viele Wege führen zum Ziel."

Der Börse war das am Mittwoch allerdings zu wenig. Bis zum frühen Nachmittag büßte die T-Aktie mehr als drei Prozent an Wert ein und verlor damit noch stärker als der DAX.



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