Abstimmung vertagt: ZDF findet keinen neuen Intendanten

Abstimmung vertagt
ZDF findet keinen neuen Intendanten

Bei der Abstimmung über den Nachfolger für ZDF-Intendant Dieter Stolte ist der erste Wahlgang ohne Sieger zu Ende gegangen.

Reuters/dpa/ap MAINZ. Zur Wahl gestanden habe allein der ZDF-Direktor für Arte und 3-Sat, Gottfried Langenstein, teilte das ZDF mit. Von 72 anwesenden Fernsehräten hätten 36 für und 30 gegen Langenstein gestimmt. Sechs hätten sich enthalten, fünf waren nicht anwesend. Zur Wahl ist eine Drei-Fünftel-Mehrheit notwendig, das entspricht mindestens 47 Stimmen. Der Fernsehrat vertagte die Abstimmung auf den 9. März, berichtete die Nachrichtenagentur ap. Der bisherige ZDF-Intendant Dieter Stolte (67) scheidet am 14. März nach 20 Jahren aus Altersgründen aus dem Amt.

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) sagte, der 47-jährige Langenstein sei von seinen eigenen Leuten "verbrannt" worden. "So stelle ich mir eine feindliche Übernahme vor", fügte Beck hinzu, der auch Vorsitzender des zweiten ZDF-Kontrollgremiums, des ZDF-Verwaltungsrates, ist. "Die K-Frage ist entschieden, jetzt geht es um die I-Frage." Der für die europäischen Satelliten-Programme zuständige Langenstein gilt als Vertrauter des CSU-Vorsitzenden und Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU).

Falsch bedruckte Wahlzettel

Nach Angaben des ZDF war der erste Wahlgang am Freitag wegen formaler Schwierigkeiten erst bei einem zweiten Anlauf gültig. Das Verfahren habe wiederholt werden müssen, weil die Wahlzettel falsch bedruckt gewesen seien.

Der Fernsehrat, der den öffentlich-rechtlichen Sender kontrolliert, besteht aus Vertretern der wichtigsten politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kirchlichen Gruppen in Deutschland. Die meisten Mitglieder sind aber entweder mit der SPD oder mit der CDU assoziiert, so dass eine Wahl eines von beiden Seiten akzeptierten Kandidaten schwierig ist.

Struve zog sich offenbar zurück

Unmittelbar vor der Abstimmung am Freitag hatte es beim ZDF geheißen, es sei noch alles offen. Medienberichten zufolge waren neben Langenstein auch ZDF-Programmdirektor Markus Schächter und ARD-Programmdirektor Günter Struve als Kandidaten gehandelt worden. Struve habe aber auf eine Kandidatur verzichtet. Schon vor der Wahl hatte er angekündigt, nur dann zur Verfügung zu stehen, wenn beide Freundeskreise ihn unterstützten.

Am Donnerstagabend hatten die den Parteien zugeordneten "Freundeskreise" versucht, eine Mehrheit zu finden. Sie wollten eine Kampfabstimmung wie Anfang Dezember verhindern. Damals hatte der Fernsehrat die Wahl nach zwei Durchgängen ohne klaren Sieger verschoben. Zur Wahl hatten der stellvertretende ZDF-Chefredakteur und "heute-journal"-Moderator Helmut Reitze sowie die NDR-Funkhaus-Chefin Dagmar Reim gestanden.

Clement will ZDF-Staatsvertrag ändern

Aus Ärger über das politische Gezerre um die Intendantenwahl will Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) eine Änderung des ZDF-Staatsvertrags vorschlagen. Die Anzahl von Parteipolitikern in den Gremien müsse reduziert werden, sagte Clement am Freitag in Mainz.

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