Archiv
Abstimmungstheater hat allen geschadet

Das "Bundesratstheater" um die Abstimmung zum Zuwanderungsgesetz hat Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und seinen Herausforderer Edmund Stoiber (CSU) gleichermaßen Image- Punkte gekostet.

dpa FRANKFURT/BERLIN. In einem vom Skandal geprägten Klima hätten alle Parteien mit Ausnahme der Grünen an Sympathie bei den Medien verloren, stellte das FAZ-Institut in seinem "Prime Politics Bulletin" für den Monat März fest (Untersuchungszeitraum 5. März bis 2. April). Die Grünen hätten vor allem wegen ihrer Standfestigkeit in der Frage der Airbus-Beschaffung ihr Image leicht verbessert.

Das Institut, eine Tochter der "Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH", veröffentlicht Länder- und Kapitalmarkt-Studien für die Wirtschaft, veranstaltet Seminare und Kongresse und bietet Marketing und Kommunikationsanalysen. Für eine politische Medienanalyse werden regelmäßig ausgewertet: "FAZ", "Süddeutsche Zeitung", "Welt", "Handelsblatt", "Frankfurter Rundschau", "Tageszeitung", "Bild"- Zeitung sowie ""Focus", "Spiegel", "Zeit", bis zu ihrer Einstellung die "Woche" sowie die Hauptnachrichtensendungen im Fernsehen. Dabei werden die Medienpräsenz der Spitzenpolitiker und Parteien sowie ihre Bewertung in Artikeln und Sendungen analysiert.

Danach hat sich Schröders seit Monaten negative Bewertung in den Medien wegen des Vorwurfs der "Trickserei im Bundesrat" am 22. März und des Streits um einen möglichen Verfassungsbruch weiter verschlechtert. Stoibers Image sei nach der Aufdeckung der inszenierten Empörung der Union im Bundesrat abgebröckelt. Vor allem den Druck auf den Bundespräsidenten in der Zuwanderungsfrage hätten ihm die Medien übel genommen.

Schröder war nach der Analyse im März fast doppelt so häufig in den Medien vertreten wie sein Unions-Konkurrent Stoiber. CDU-Chefin Angela Merkel habe sich im Schatten des "Bundesratstheaters" erholt. Der lange beliebteste Bundespolitiker, Außenminister Joschka Fischer (Grüne), habe wegen des Streits um europapolitische Kompetenzen mit Schröder an medialem Zuspruch verloren, heißt es in der Analyse.

Kritik an Schröder wegen des Kölner SPD-Spendenskandals habe SPD - Generalsekretär Franz Müntefering weitgehend abgefangen, stellte das FAZ-Institut fest. Die zunehmende Distanz der Gewerkschaften zum Kanzler und seine Rolle bei der Holzmann-Insolvenz hätten Schröder aber geschadet. Stoibers Image befinde sich seit seinem missglückten Auftritt in der ARD-Talkshow "Sabine Christiansen" auf Talfahrt.

Die moralisch aufgeladene Debatte um Lügen in Politik und Medien habe neben den großen Parteien auch die FDP negativ erfasst, schreibt das Institut. Das Image der PDS sei wegen ihrer Haltung zu Bundeswehr-Auslandseinsätzen schon länger abgestürzt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%