Abstoßungsreaktion die größte Hürde: Schweine noch keine Organspender

Abstoßungsreaktion die größte Hürde
Schweine noch keine Organspender

Herzen, Nieren oder Leber von Schweinen könnten eines Tages kranke Organe bei Menschen ersetzen. Der Vision der Mediziner stehen jedoch noch viele Probleme im Weg: So müssen vor allem die Abstoßungsreaktionen überwunden werden. Die jüngsten Erfolge beim Klonen gentechnisch veränderter Schweine helfen zunächst nur der Forschung.

DÜSSELDORF. Glaubt man den Berichten in den Medien über den Forschungserfolg britischer und amerikanischer Biotechniker, dann ist bereits eine erste Hürde auf dem Weg zur Xenotransplation genommen - der Übertragung von Organen von Tieren auf den Menschen. Forscher des schottischen Unternehmens PPL Therapeutics sowie amerikanische Wissenschaftler der University of Missouri in Columbia hatten in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass es ihnen gelungen sei, Schweine zu klonen, denen zuvor eines der Gene entfernt wurde, das für eine Abstoßung von transplantierten Tierorganen verantwortlich gemacht wird.

"Das Klonen allein bringt jedoch keinen Erfolg bei der Bekämpfung der Abstoßungsreaktion", warnt Dr. Michael Schön vor zu großen Hoffnungen. Der Mediziner ist Experte für Organverpflanzungen an der Chirurgischen Klinik und Poliklinik II in Leipzig. Das Klonen der Schweine trage lediglich dazu bei, dass die Forschungslabors schneller über genveränderte Schweine verfügen können, bringt Schön den Erfolg der Gentechniker auf den Punkt.

Bis heute sei es nicht gelungen, die Abstoßungsreaktion des menschlichen Körpers derart zu beeinflussen, dass ein Mediziner den Versuch wagen würde, Organe eines Tieres an den Menschen zu verpflanzen. Es sei lediglich im Tiermodell gelungen, die so genannte "hyperakute Abstoßung", die Zerstörung eines zunächst gut durchbluteten Fremdorgans in den ersten Minuten bis wenigen Stunden zu verhindern. Dazu haben die Gentechniker - ähnlich wie die amerikanischen und britischen Forscher - das Erbgut von transgenen Schweinen derart verändert, dass die spontane Abwehrreaktion des Immunsystems ausbleibe. Spätestens nach einigen Stunden würde es nach dem heutigen Stand zu einer verzögerten Abstoßung des tierischen Spenderorgans kommen.

Für den zeitweisen Ersatz von Organen gibt es bereits Lösungen

Da es für den zeitweisen Ersatz eines kranken Herzens oder einer Niere inzwischen bewährte mechanische Verfahren gibt, werde es keinen Arzt geben, der hier auf ein Tierorgan zurückgreifen würde, so die Einschätzung des Oberarztes an der Leipziger Klinik. Schön selbst hat allerdings an der Berliner Charité eine transgene Schweineleber als zeitweises Ersatzorgan mit einem Patienten außerhalb des Körpers verknüpft, weil es hierfür keine Alternativen gab. "Da diese Verknüpfung außerhalb des Körpers stattfand, ist dies jedoch nicht mit einer Transplantation vergleichbar", gibt der Mediziner zu bedenken.

Die Ursache für die Abstoßungsreaktion gegen ein Transplantat aus Schweinen ist der Zucker Galaktose auf der Oberfläche der tierischen Zellen. Die Galaktose verursacht die Bildung von Antikörpern. Die amerikanischen Forscher eliminierten daher aus der DNA fötaler Schweinezellen eine der beiden Genversionen des Galaktose bildenden Enzyms Galactosyltransferase. Die genetisch veränderten Zellkerne wurden in kernlose Eizellen übertragen und in die Gebärmutter von Schweinen gesetzt. So entstanden geklonte Ferkel, die nicht mehr zwei Kopien, sondern nur noch eine Kopie des Gens besitzen.

Bei den Schweinen des US-Teams handelt es sich um Miniatur-Schweine, deren innere Organe ebenso groß sind wie die des Menschen. Die geklonten Schweine der britischen Firma PPL Therapeutics sind dagegen Tiere normaler Größe. "Die für die Forschung verwendeten Mini-Schweine sind auf Grund der Größe ihrer Organe als Organspender besonders geeignet", erläutert Julia Greenstein von dem amerikanischen Biotech-Unternehmen Immerge Bio-Therapeutics.

Die Minischweine haben so kleine Organe wie Menschen

Bei dieser speziellen Zucht bestehe außerdem keine Gefahr, im Fall einer Transplantation virale Krankheitserreger, insbesondere Retroviren, auf den Menschen zu übertragen. Im Erbmaterial aller Schweinestämme haben sich bestimmte Virenformen, so genannte Retroviren, eingenistet, die bei einer Transplantation auf den Menschen übertragen werden und Krankheiten verursachen könnten. Dies könne mit diesen speziell für die Transplantation gezüchteten Mini-Schweinen jedoch nicht passieren, versichern die amerikanischen Forscher.

Die Gefahr der Übertragung von Retroviren wird auch von anderen Wissenschaftlern eher als gering eingeschätzt: "Von 160 Patienten, die in den letzten Jahren mit Schweinezellen behandelt wurden, hat keiner Retroviren übernommen", berichteten übereinstimmend Claus Hammer, Prof. am Institut für chirurgische Forschung, und Michael Schmoekel, Privatdozent an der herzchirurgischen Klinik des Münchener Universitätsklinikums Großhadern.

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