Abtreibungsgegner warnen vor "Farm für menschliche Embryos"
Klon-Experiment löst in den USA Ängste aus

Das Biotech-Unternehmen ACT aus Massachusetts hat menschliche Embryos geklont. Politiker und Abtreibungsgegner protestieren. Das Unternehmen agiert in einem gesetzlichen Vakuum.

NEW YORK. Die Ankündigung des Biotech-Unternehmens Advanced Cell Technology (ACT), erfolgreich menschliche Embryos geklont zu haben, löst in den USA starke Proteste aus. Das Unternehmen aus Worcester im Bundesstaat Massachusetts betont indessen, es beabsichtige nicht, geklonte Babys herzustellen. "Wir wollen nur Zellen herstellen, keine Menschen", sagte ACT-Chef Michael West. Die Zellen sollten für medizinische Zwecke genutzt werden, um Krankheiten wie Parkinson und Diabetes zu behandeln. Körpereigene geklonte Zellen nehme der Körper besser an als Fremdzellen, die er häufig abstoße, erklärte West.

US-Präsident George W. Bush bekräftigte gestern im Rosengarten des Weißen Hauses, dass er jede Form menschlichen Klonens ablehne – sei es für reproduktive oder therapeutische Zwecke. Abtreibungsgegner kündigten an, sie würden den Kongress mobilisieren, um die Forschung zu stoppen. "Dieses Unternehmen schafft menschliche Embryos nur für den Zweck, sie zu töten und ihre Zellen zu vermehren", sagte der Vorsitzende des National Right to Life Committee, Douglas Johnson. "Wenn der Kongress nicht schnell reagiert, wird ACT eine Farm für menschliche Embryos eröffnen."

Bisher ist menschliches Klonen in den USA nur in einzelnen Bundesstaaten verboten. Ende Juli haben die Mitglieder des Repräsentantenhauses mit 265 zu 162 Stimmen einen Gesetzentwurf verabschiedet, der menschliches Klonen bundesweit unter Strafe stellt. Das Verbot soll für die öffentliche und die private Forschung gelten. Der Senat hat allerdings noch nicht über das Verbot entschieden – nach den Terroranschlägen vom 11. September wurde die Angelegenheit zurückgestellt.

Senatoren fordern sofortiges Moratorium

Doch jetzt wächst der Druck, Klonen so schnell wie möglich zu verbieten. So will der republikanische Senator Sam Brownback aus Kansas ein sechsmonatiges Klon-Moratorium durchsetzen. Andere Senatoren und auch Carl Feldbaum, der Vorsitzende der Biotech-Industrievereinigung BIO, gehen jedoch davon aus, dass die Gesetzgeber letztlich Klonen für therapeutische Zwecke erlauben werden.

Der wissenschaftliche Wert der jüngsten Veröffentlichung ist umstritten. Ein ehemaliges Mitglied des Ethikrats von ACT, der Bioethiker der University of Pennsylvania, Glenn McGee, kritisiert die Ankündigung als verfrüht, menschliche Embryos durch Klonen hergestellt zu haben. So sei beispielsweise unklar, welche Zellen die Forscher aus den Embryos züchten können. "Die machen Wissenschaft per Pressemitteilung", sagte McGee.

In seiner Veröffentlichung in der Online-Ausgabe von "The Journal of Regenerative Medicine", schreibt ACT, es habe Embryos im Drei-Tage-Stadium hergestellt. Die Forscher waren nicht in der Lage, Stammzellen aus den Embryos zu gewinnen. Stammzellen werden normalerweise isoliert, wenn Embryos fünf Tage alt sind und aus 100 bis 150 Zellen bestehen. Da sich Stammzellen in jeder Form von Gewebe entwickeln können, hoffen Forscher, damit Ersatzgewebe herstellen zu können, um verschiedene Krankheiten bekämpfen zu können.

Ein zweites Unternehmen, Clonaid, erklärte unterdessen, dass es ebenfalls menschliche Embryos geklont habe. "Wir stellen jeden Tag Embryos her", sagte die Direktorin Brigitte Boisselier. Clonaid, das von Anhängern der berüchtigten Raelian-Sekte gegründet wurde und dessen Ziel es ist, Menschen zu klonen, hat seine Forschungsergebnisse aber bisher nicht veröffentlicht. Der Unternehmenssitz von Clonaid ist aus Sicherheitsgründen unbekannt.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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