Abu Abbas geht US-Soldaten ins Netz
Drahtzieher der Achille-Lauro-Entführung gefasst

Fast 20 Jahre nach der spektakulären Entführung des italienischen Kreuzfahrtschiffes "Achille Lauro" haben US-Spezialeinheiten in Bagdad den Drahtzieher gefasst. Das US-Zentralkommando bestätigte am Mittwoch, der frühere Chef der Palästinensischen Befreiungsfront (PLF), Mohammed Abu Abbas, sei im Süden Bagdads festgenommen worden. Er war in Italien in Abwesenheit als Planer der Entführung zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

HB/dpa BAGDAD/ATHEN. Der Irak-Krieg war unterdessen ein beherrschendes Thema auf dem Sondergipfel der Europäischen Union (EU) in Athen. Es wird erwartet, dass Gegner und Befürworter des Krieges den Gipfel nutzen werden, um ihren tief greifenden Streit beizulegen. UN-Generalsekretär Kofi Annan führte dort mit Spitzenpolitikern Gespräche über die Rolle der Vereinten Nationen beim Wiederaufbau des Iraks.

Vier palästinensische Terroristen hatten die "Achille Lauro" im Oktober 1985 vor der ägyptischen Küste in ihre Gewalt gebracht. Während der Entführung erschossen sie den amerikanischen Passagier Leon Klinghoffer wegen seiner jüdischen Herkunft und warfen den 69- Jährigen im Rollstuhl über Bord. Die Tat hatte international Entsetzen ausgelöst. 1990 wurde das Drama verfilmt.

Abbas lebte seit mehreren Jahren unter dem Schutz des - inzwischen entmachteten - irakischen Präsidenten Saddam Hussein in Bagdad. US- Präsident George W. Bush hatte dies im vergangenen Oktober als Beleg für die Kooperation des Iraks mit Terroristen angeführt.

Erekat: Abbas sofort freilassen

Nach Ansicht des palästinensischen Politikers Sajeb Erekat muss Abu Abbas "sofort frei gelassen werden". Erekat sagte am Mittwoch in Interviews mit arabischen und internationalen Medien, die USA hätten "kein Recht, ihn gefangen zu halten".

Erakat, langjähriger Chefunterhändler von Palästinenserführer Jassir Arafat, sagte, nach dem israelisch-palästinensischen Zwischen-Abkommen von Oslo 1993 seien alle Führungsmitglieder der PLO rückwirkend amnestiert worden. Damit seien die Verträge auch für Washington und Rom rechtlich verbindlich. Die USA und die EU gehören zu den Mit-Unterzeichnern der Oslo-Verträge. Das Büro von Palästinenserpräsident Jassir Arafat wollte zunächst keine Stellungnahme abgeben.

Abbas war in den vergangenen zehn Jahren mindestens zwei Mal in die palästinensischen Autonomiegebiete eingereist, ohne von den israelischen Behörden behelligt zu werden. Auch der - inzwischen von Israel liquidierte - Chef der "Volksfront für die Befreiung Palästinas" Abu Ali Mustafa konnte nach den Oslo-Verträgen nach Ramallah zurückkehren.

Sicherheitsrat soll in Syrien-Frage eingeschaltet werden

Der frühere Chef des irakischen Geheimdienstes Faruk Hidschasi soll sich laut US-Sender CNN nach Damaskus abgesetzt haben. Hidschasi sei von seinem letzten Posten als irakischer Botschafter in Tunis aus nach Syrien gereist. Der Iraker werde von den USA für den versuchten Mordanschlag auf den früheren Präsidenten George Bush senior 1993 verantwortlich gemacht.

Die arabischen Staaten wollen die US-Drohungen gegen Syrien vor den UN-Sicherheitsrat bringen. Das schlug die arabische Gruppe bei den Vereinten Nationen auf Bitten Syriens vor, wie der arabische TV- Sender El Arabija berichtete. Der syrische Präsident Baschar el Assad habe dem spanischen Regierungschef José María Aznar in einem Telefonat zugesichert, sein Land werde nichts unternehmen, was der Stabilität in der Region schaden könne, berichtet der spanische Rundfunk am Mittwoch. Nach Ansicht spanischer Diplomaten deutet dies darauf hin, dass Syrien der gestürzten Führung des Iraks keine Zuflucht gewähren will. Die US-Streitkräfte schlossen laut CNN eine Ölleitung vom Irak nach Syrien, die erst im Jahr 2000 in Betrieb genommen worden war und - unter Umgehung der UN-Sanktionen - dem Ölexport diente.

Unterdessen holte die US-Armee rund 120 Exil-Iraker nach Bagdad, die dort helfen sollen, Recht und Ordnung wiederherzustellen. Die Gruppe mit dem Namen "Freie Irakische Kräfte" werde in einem Vorort der irakischen Hauptstadt stationiert. Das US-Militär hatte die insgesamt mehrere hundert Mann starke Gruppe in Ungarn auf ihren Einsatz im Irak vorbereitet.

In der nordirakischen Stadt Mosul wurden nach Informationen des arabischen TV-Senders El Dschasira am Mittwoch vier Iraker von US- Soldaten erschossen. Die genauen Umstände waren zunächst unklar. Am Vormittag hatten sich rund 50 Menschen zu einer Protestkundgebung im Stadtzentrum versammelt. Am Vortag waren bei Protesten gegen die US- Truppen und den von ihnen eingesetzten Gouverneur Maschaan el Dschaburi nach Angaben von Ärzten bereits 20 Menschen in Mosul getötet worden.

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