Abu Sayyaf als Ziel
„Zweite Terror-Front“ - Südostasien im Visier Amerikas

Es dauerte gerade einmal drei Monate, da eröffneten die USA nach Beginn der Militärschläge gegen Afghanistan schon ihre "zweite Front" gegen den Terror. Doch verlief sie diesmal nicht nahe des Hindukuschs, sondern mitten durch den Dschungel der Südphilippinen. Das Ziel hieß Abu Sayyaf, die militante Moslemgruppe mit angeblichen Verbindungen zum El-Kaida-Netzwerk Osama bin Ladens.

dpa SINGAPUR. Schnell war Südostasien nach den Attacken vom 11. September ins Visier der Anti-Terror-Kampagne gerückt: Der Flickenteppich aus zehntausenden Inseln gilt Strategen als ideales Rückzugsgebiet für Terroristen. Zudem tummeln sich in mehrheitlich islamischen Gegenden in der Tat eine ganze Zahl extremistischer Gruppierungen.

Inzwischen wundert sich mancher über die große Aufmerksamkeit, die dem Weltteil rund um das Südchinesische Meer im Kampf gegen den Terror zuteil wird. "Nach allen bekannten Beweisen (...) ist die Region nicht besser als Basis für den Terrorismus geeignet als etwa Hamburg oder Boca Raton", befindet etwa der britische "Economist". Jedoch: Dass das verästelte Terrornetzwerk Bin Ladens in zahlreiche südostasiatische Länder vorgedrungen ist, bestreitet niemand.

Abu Sayyaf mit Kontakten zu El Kaida?


Beispiel Abu Sayyaf, die durch die Entführung westlicher Touristen vor zwei Jahren, darunter die Göttinger Familie Wallert, weltweit bekannt wurde: Nach Erkenntnissen amerikanischer Ermittler finanzierte der saudische Geschäftsmann Mohammad Jamal Khalifa, ein Schwiegerbruder Bin Ladens, zwischen 1989 und 1994 den Aufbau der Gruppe. Der Gründer der Organisation, der islamische Gelehrte Abdurajak Abubakar Janjalani, wurde in Libyen militärisch ausgebildet und kämpfte auch in Afghanistan. Ob es in der zweiten Hälfte der 90er Jahre noch Kontakte zu El Kaida gab, wird allerdings bezweifelt.

Anti-Terror-Fahnder sind sich inzwischen auch sicher, dass sich zwei Beteiligte der Anschläge von New York und Washington in Malaysia aufgehalten haben. Dort und in Singapur wurden inzwischen Dutzende Verdächtige festgenommen, die Verbindungen zu dem Terrornetzwerk unterhalten und Anschläge geplant haben sollen. Auch auf den Philippinen und in Indonesien schnappte die Falle der Ermittler zu.

Stärkere militärische Zusammenarbeit mit Manila


Schon im Januar entsandte Washington mehr als 1 000 Soldaten, um philippinische Truppen über Monate im Kampf gegen die Extremisten auszubilden. Das Manöver ist seit Juli vorüber, doch vereinbarten die USA erst vor wenigen Tagen eine stärkere militärische Zusammenarbeit mit Manila. Die Marschrichtung steht fest: Im kommenden Jahr sollen US-Berater laut "Washington Post" philippinische Elite-Kompanien und reguläre Infanteriebataillone trainieren. Beide Länder vereinbarten zudem eine gemeinsame Kommission für Verteidigungspolitik.

Während der Krieg gegen den Terrorismus in Afghanistan mit Truppenaufmärschen und Kampfgetöse einherging, kommt der Feldzug im rund 5 000 Kilometer entfernten Südostasien ansonsten eher auf leisen Sohlen daher. So spricht die "International Herald Tribune" von einem "neuen Geheimdienst-Netz", das die USA derzeit in der Region knüpft.

Finanzströme mutmaßlicher Terrorgruppen trockenlegen


"Dieses Netzwerk hat inzwischen Hinweise erbracht, die hilfreich sind", zitiert das Blatt einen Beamten aus dem US-Pentagon. Kürzlich sicherten sich zudem die Vereinigten Staaten mit einem gemeinsamen Anti-Terror-Pakt die Unterstützung der zehn im Verband Südostasiatischer Staaten (ASEAN) organisierten Länder. Die Ziele: Geheimdienst-Erkenntnisse sollen verstärkt ausgetauscht und Finanzströme mutmaßlicher Terrorgruppen trocken gelegt werden. Ohne Eigennutz scheinen unterdessen manche Länder nicht auf den Kurs der USA eingeschwenkt zu sein. In Malaysia etwa kommt Premier Mahathir Mohamad nach Ansicht von Beobachtern der Feldzug gegen militante Moslems durchaus zupass, wenn er wieder gegen die radikal-islamische PAS-Partei Front macht, die größte Oppositionspartei des Landes. Auch andernorts werden inzwischen lokale militante Gruppen gerne als Mosaiksteine des internationalen Terrorismus bezeichnet-und entsprechend bekämpft.

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