Abwärts nach sechs Rekordjahren
Rekordfahrt von Audi ist vorläufig beendet

Die Rekordfahrt von Audi ist ins Stocken geraten. Im ersten Halbjahr ging der Gewinn deutlich zurück, erstmals verringerte sich auch der Umsatz. Nur weil der Markt noch stärker zurückging, konnte die Volkswagen-Tochter ihren Marktanteil in Deutschland ausbauen. Auch in den USA muss das Ingolstädter Unternehmen Einbußen hinnehmen.

mwb MÜNCHEN. Schwieriger Start für den neuen Audi-Vorstandschef Martin Winterkorn: Er will den Ingolstädter Autohersteller auf noch mehr Sportlichkeit trimmen und damit an die Konkurrenten Mercedes und BMW heranrücken. Doch zunächst muss der ehrgeizige Schwabe an der Audi-Spitze ein schwaches erstes Halbjahr hinnehmen.

Erstmals nach sechs Rekordjahren musste die Volkswagen-Tochter in den ersten sechs Monaten von 2002 einen Umsatzrückgang von 1,6 % auf 11,2 Mrd. Euro hinnehmen-vor allem wegen Einbußen bei der italienischen Vertriebstochter Autogerma, die auch andere Marken des VW-Konzerns in Italien vertreibt. Das Ergebnis vor Steuern brach um 17 % auf 565 Mill. Euro ein. Winterkorn begründete dies mit höheren Kosten im Entwicklungsbereich - vor allem für das neue Spitzenmodell A 8 - und beim Vertrieb sowie einem niedrigeren Beteiligungsergebnis. Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler bezeichnete die Zahlen als "leicht enttäuschend".

"Die Leistungsfähigkeit unseres Unternehmens wird in diesem Jahr erstmals seit langem wieder auf eine besondere Probe gestellt", sagte Winterkorn. Audi habe aber in den wichtigsten Märkten besser als die meisten Konkurrenten abgeschnitten, wertete der Vorstandschef das Ergebnis dennoch als Erfolg. Insgesamt verbesserte sich der Absatz von Audi-Fahrzeugen im Halbjahr noch einmal um knapp 4 % auf 382 647 verkaufte Autos. In Deutschland erhöhte sich der Marktanteil auf 7,5 %, obwohl die Zahl der Fahrzeugauslieferungen um 2,6 % auf 126 270 zurückfiel. Im wichtigsten Exportmarkt USA konnte Audi noch 42 195 Fahrzeuge verkaufen - ein Rückgang um 2,6 %. Allein im Juni brach der US-Absatz ein Fünftel weg. "Wir legen nach dem starken Wachstum der vergangenen Jahre in den USA eine Verschnaufpause ein", ergänzte ein Audi-Sprecher.

Deutlicher wird da schon Analyst Pieper: "Das US-Geschäft ist eines der größten Probleme von Audi. Die Marke hat in den USA ein echtes Imageproblem." Während die Autos mit den vier Ringen in Europa bereits in einem Atemzug mit BMW und Mercedes genannt würden, sei der Abstand zu den beiden deutschen Premiumherstellern in Nordamerika noch gewaltig.

Winterkorn möchte vor allem mit dem neuen Flaggschiff A 8 die Reputation bei den amerikanischen Autofahrern aufpolieren (Gegner: Mercedes S-Klasse und 5er-BMW). Darüber hinaus soll ein so genanntes Crossover-Modell, das die Merkmale eines Coupé mit einem Geländewagen vereint, eine Lücke im Audi-Angebot schließen.

Für das Gesamtjahr bekräftigte Finanzvorstand Peter Abele die zuletzt auf der Hauptversammlung im Juni genannte Prognose, bei Absatz, Umsatz und Ertrag die Vorjahreswerte wieder erreichen zu wollen. Vor allem mit dem neuen A 8, der im Herbst auf den Markt kommt, und auch durch das sportliche Top-Modell RS 6 soll der verlorene Boden im zweiten Halbjahr wieder gut gemacht werden. Von der Gesamtkonjunktur erwartet Vorstandschef Winterkorn keine Entlastung.

Für Analysten kommt der direkte Konkurrent BMW wesentlich besser mit der schwierigen Konjunktur zurecht als die VW-Tochter. "Die Modellpalette mit dem kleinen A 2 und dem A 3 ist konjunkturanfälliger als bei BMW", bestätigte Pieper. Entsprechend kritisch sieht er den geplanten Vorstoß des Münchener Konkurrenten in das untere Marktsegment mit der neuen 1er-Reihe, der BMW ähnlich wie Audi anfällig machen könnte. Der BMW-Konzern wird morgen seine Halbjahreszahlen bekannt geben.

Als Schwäche von Audi gelten immer noch konzerninterne Kannibalisierungseffekte. Der neue A8, der mit seiner Leichtbauweise und Vierradantrieb Maßstäbe in der Oberklasse setzen soll, kommt nur wenige Monate nach dem VW-Spitzenmodell Phaeton auf den Markt. Auch beim Hauptumsatzträger A 4 gibt es Überschneidungen mit dem VW Passat. VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder will das Manko in den nächsten Jahren abstellen.

Pischetsrieder hat Winterkorn bei seinem Start vor drei Monaten mit einem großzügigen Investitionsbudget ausgestattet, um gegen BMW anzutreten. Dieses Budget bleibt trotz Konjunkturflaute unangetastet. "Die Investitionen des Audi-Konzerns werden auch weiterhin auf dem jetzigen hohen Niveau bleiben, um Voraussetzungen für langfristiges Wachstum zu schaffen", hieß es. Die Ertragskraft soll zudem durch ein breites Kostensenkungsprogramm verbessert werden. Ein Personalabbau sei nicht geplant, sagte ein Sprecher. Audi beschäftigt derzeit knapp 51 000 Beschäftigte.

Quelle: Handelsblatt

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