Abwärtsbewegung bei Gewinnen scheint gestoppt
Hoffnung für den Dax

Die Börse bleibt wackelig, aber bei den Unternehmensgewinnen deutet sich eine Trendwende an. Damit wird der Unterbau der der Kurse wieder stabiler.

DÜSSELDORF. Ohne Gewinne kein Kursgewinn: Die Börse lebt zwar von Hoffnungen und Stimmungen, aber irgendwann müssen die Aktiengesellschaften tatsächlich Gewinne abliefern, die ihre Kurse rechtfertigen. Genau daran hat es lange Zeit gehapert - die Gewinne sind eingebrochen. Ja, sogar die Schätzungen der Wertpapieranalysten für die Gewinne zeigten einen starken Trend nach unten. Im ersten Quartal 2002 sind im Durchschnitt die Gewinnschätzungen für nur acht von insgesamt 30 Dax-Unternehmen angehoben worden. Bei den übrigen Gesellschaften des Deutschen Aktienindex ging es überwiegend weiter bergab.

Doch in jüngster Zeit scheint die Abwärtsbewegung gestoppt. Ergebnisrevisionen nach unten und nach oben haben jetzt in etwa einen Gleichstand erreicht. "Das negative Momentum ist vorbei", sagt Ingo Schmitz, Analyst bei der Deutschen Bank. "Die Gewinnvorraussagen für Dax-Unternehmen haben nach der rasanten Talfahrt in 2001 seit Anfang des Jahres ihren Boden gefunden", erklärt er die Trendwende. Dies habe die leichte Erholung des Aktienmarktes seit Jahresanfang gestützt. Für das laufende Jahr zeigt sich Schmitz optimistisch. Er vergleicht die heutige Situation mit der vor der Konjunkturwende 1993: Damals seien die Gewinnschätzungen, als die Wende nach oben einmal erreicht war, deutlich angestiegen.

Viele Experten denken ähnlich. Nach Schätzungen der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) werden die Gewinne der Dax-Unternehmen im kommenden Jahr um 30 Prozent steigen. Der Grund sei die zyklische Struktur, also die starke Abhängigkeit von der Konjunktur, bei vielen deutschen Gesellschaften. Für den Euro Stoxx 50, der die europäischen Standardwerte abbildet, rechnet die LBBW mit nur 14 Prozent Gewinnzuwachs.

Der Markt sei trotz des kräftigen Anstiegs im vergangenem Monat moderat bewertet, sagen viele Analysten und Fondsmanager. Berndt Fernow von der LBBW meint sogar, dass der Dax mit Blick auf die Gewinnschätzungen für das Jahr 2003 unterbewertet sei - er sagt einen Anstieg auf 6 000 Punkte in den kommenden zwölf Monaten voraus. Da der Ausblick auf das laufende Jahr bei vielen Unternehmen noch von sehr großer Vorsicht geprägt sei, könnten im Jahresverlauf einige Firmen mit höheren Gewinnen überraschen.

Etwas vorsichtiger ist DIT-Fondsmanager Christoph Niesel. Er rechnet mit Kursrückschlägen, auf Jahressicht sieht er den Dax aber in der Region von 5 700 Zählern. Der jüngste Anstieg der deutschen Börse war hauptsächlich von der Liquidität getrieben, erklärt er. Nun, mit sich verbessernden Konjunkturdaten, schauen die Anleger verstärkt auf die Gewinnentwicklung der Unternehmen. Mit vollen Auftragsbüchern der Unternehmen rechnen Fondsmanager erst im zweiten Halbjahr. Der Aktienmarkt habe einen langen Vorlauf, sechs bis neun Monate nehme die Börse die Ereignisse vorweg, erläutert Hans-Joachim König, Fondsmanager von Union Investment. "Der Zeitraum der Konjunkturerholung von drei Monaten ist noch zu kurz, um die Auftragsbücher der Unternehmen zu füllen".

Pessimistischer sind die - traditionell vorsichtigen - Analysten vom amerikanischen Investmenthaus Merrill Lynch. "Bis zum Sommer sind zehn Prozent Anstieg drin", schätzt Peter Saacke, doch bis Ende des Jahres folge noch eine Korrektur auf 5 400 Zähler. Der Aktienstratege fürchtet ein Szenario, bei dem die Europäische Zentralbank im Sommer die Zinsen um einen halben Prozentpunkte anheben könnte, da die Kerninflation nicht zurückgehe. Außerdem sei es in der Vergangenheit immer wieder zu beobachten gewesen, dass zu Beginn einer Konjunkturerholung die Unternehmen die steigenden Kurse zu Kapitalerhöhungen genutzt hätten. Die Ratings der Unternehmen seien am Ende einer Rezession schlecht und deshalb die Refinanzierung über den Aktienmarkt günstiger als über Anleihen, erklärt Saacke.

Auch hält er es nicht für ausgemacht, ob die Phase der Ertragseinbrüche überwunden ist. In den USA zeigte zwar der Trend seit Anfang des Jahres bis vor kurzem dahin, dass die Analysten zunehmend ihre Gewinnerwartungen hochstuften. Doch seit vergangenem Monat drohe der Trend der Ergebnisrevisionen zu kippen, und dies könne auf Europa übergreifen.

Fazit: Es gibt Hoffnungen für den deutschen Aktienmarkt. Wer deutliche Rückschläge verkraften kann, findet jetzt Einstiegschancen.

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