Abwanderung von Wissenschaftlern bremsen
Programm soll Spitzenforscher für Deutschland gewinnen

Die Bundesregierung will die Abwanderung von Wissenschaftlern bremsen und mit Sonderprogrammen internationale Spitzenkräfte für die deutsche Forschung gewinnen. Dafür würden 170 Mill. DM zur Verfügung gestellt, kündigte Bildungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) am Dienstag in Berlin an.

Reuters BERLIN. "Wir wollen die besten Köpfe für unser Land gewinnen." Ziel sei es, den Anteil ausländischer Wissenschaftler von derzeit knapp sieben Prozent in den nächsten drei Jahren auf zehn Prozent zu steigern. Zudem müsse im Rahmen eines Zuwanderungsgesetzes ausländischen Studenten ermöglicht werden, in Deutschland auch für den Berufseinstieg zu bleiben.

Bulmahn beklagte, dass von der hervorragenden Ausbildung an deutschen Hochschulen sehr stark Länder wie die USA oder Großbritannien profitierten. Ein Grund für die Abwanderung sei, dass junge Wissenschaftler in Deutschland kaum die Möglichkeit hätten, eigenständig zu forschen und zu lehren. Mit der Dienstrechtsreform und der Einführung einer Junior-Professur habe man hier schon Verbesserungen erreicht, sagte Bulmahn.

Man wolle mit den neuen Programmen sowohl abgewanderte deutsche Wissenschaftler als auch internationale Spitzenkräfte gewinnen, erklärte Bulmahn. Die deutsche Forschung brauche sich nicht hinter anderen Ländern zu verstecken, müsse ihre Spitzenleistungen aber besser darstellen. Neben den Sonderprogrammen solle daher auch eine Werbekampagne gestartet werden. Die insgesamt 170 Mill. DM für die Initiativen stünden durch die Zinsersparnisse des Bundes nach der Versteigerung der UMTS-Mobilfunklizenzen zur Verfügung.

Rechtsextremismus schadet



Der Präsident des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Theodor Berchem, beklagte, etwa 14 % der deutschen promovierten Forscher gingen ins Ausland. Rund ein Drittel blieben wiederum auf Dauer dort. Mit dem Programm könnten nun in einem vereinfachten Verfahren die deutschen Universitäten bis zu 250 Gastdozenten anwerben. Ferner sollen in den nächsten drei Jahren 50 gemeinsame Projekte zwischen deutschen und ausländischen Hochschulen mit jeweils rund 300 000 Mark gefördert werden. Deutsche Studiengänge etwa in den Natur- oder Ingenieurwissenschaften sollten zudem verstärkt im Ausland angeboten werden, was bis zur Gründung einer deutschen Auslandshochschule reichen könne.

Über die Alexander-von-Humboldt-Stiftung sollen zudem zehn bis 15 Spitzen-Forscher nach Deutschland geholt werden, sagte Stifungs-Präsident Wolfgang Frühwald. Für Forschung und Mitarbeiter stünden pro Stelle 4,5 Mill. DM zur Verfügung, das Gehalt der Forscher selbst werde jährlich 250 000 Mark betragen. Damit liege man immer noch 150 000 Mark unter dem, was Großbritannien biete, sagte Frühwald. Ein weiteres Programm solle für Nachwuchsforscher bis 35 Jahren aufgelegt werden.

Bulmahn und Frühwald betonten, dass der Rechtsextremismus in Deutschland dem Bemühen um ausländische Fachkräfte schade. Frühwald räumte zudem ein, dass es für die Partner von Spitzenkräfte aus Nicht-EU-Ländern keine Arbeitsgenehmigung geben werde. Er hoffe, dass die Bundesregierung hier bald Lösungen finden werde.

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