Abwartende Haltung
Fed lässt Zinsen unverändert

Die US-Notenbank (Fed) hat am Dienstag die Leitzinsen wie erwartet unverändert auf dem niedrigsten Niveau seit mehr als 40 Jahren gelassen. Die Währungshüter bekräftigten zugleich ihre neutrale geldpolitische Haltung, die Analysten zufolge keine baldigen Zinsschritte erwarten lässt.

Reuters WASHINGTON. Volkswirte sehen die Fed in einer Wartestellung angesichts des geplanten Konjunkturprogramms von US-Präsident George W. Bush und der anhaltenden Kriegsgefahr im Nahen Osten. An den Finanzmärkten kam es zu keinen nennenswerten Reaktionen auf den Fed-Beschluss.

Wie die Notenbank nach dem letzten geldpolitischen Treffen ihres Offenmarktausschusses (FOMC) in diesem Jahr am Abend (MEZ) mitteilte, bleibt der als Schlüsselzins geltende Zielsatz für Tagesgeld bei 1,25 %. Die Entscheidung der Währungshüter fiel einstimmig. Sie war an den Finanzmärkten auch allgemein erwartet worden.

Uneinheitliche Konjunkturdaten

Nach Ansicht der Fed hat sich das konjunkturelle Umfeld seit dem letzten FOMC-Treffen Anfang November nicht entscheidend geändert. Die wenigen neuen Wirtschaftsdaten stimmten durchaus überein mit der Einschätzung, "dass die Wirtschaft ihren Weg aus der aktuellen Schwächephase bahnt", hieß es in der Erklärung der Notenbank. Die jüngsten Konjunkturdaten hatten ein uneinheitliches Bild der US-Wirtschaft gezeichnet. So stand etwa ein überraschend starker Anstieg der Arbeitslosenquote einem Rückgang der Lagerbestände im Großhandel gegenüber, der ein Vorzeichen anziehender Auftragseingänge sein könnte.

Die Risiken steigender Preise einerseits und eines erneuten wirtschaftlichen Abschwungs andererseits betrachtet die Notenbank nach eigenen Angaben als ausgeglichen. Diese erstmals wieder seit dem letzten FOMC-Treffen vertretene Einschätzung gilt an den Märkten als Anzeichen dafür, dass die Fed weder die Notwendigkeit einer Zinssenkung noch einer-erhöhung sieht.

Kein rascher Zinsschritt erwartet

Analysten sprachen von einer angemessenen Entscheidung der Notenbank. "Die Entscheidungsträger der Fed warten zunächst ab", sagte Gary Thayer, Chef-Volkswirt bei A.G. Edwards & Sons. Er verwies auf das von US-Präsident George W. Bush geplante milliardenschwere Paket zur Stimulierung der Wirtschaft, das weitere Steuersenkungen enthalten und voraussichtlich im Januar vorgestellt werden soll. Um seinen Plänen Nachdruck zu verleihen, hatte Bush Finanzminister Paul O'Neill, der nicht als Verfechter von Steuersenkungen gilt, vergangene Woche aus dem Amt gedrängt und den Bahnmanager John Snow zu dessen Nachfolger berufen. Als weiteren Grund für eine abwartende Haltung der Fed sehen Experten die anhaltende Gefahr eines Irak-Kriegs, die in den letzten Monaten die Stimmung von Unternehmen und Verbrauchern belastet hatte.

Vergangenen Monat hatten die US-Währungshüter die Leitzinsen überraschend deutlich um 50 Basispunkte gesenkt, um einen drohenden Stillstand der Konjunkturerholung in der weltgrößten Volkswirtschaft zu verhindern. Zugleich hatte die Fed allerdings signalisiert, dass baldige weitere Zinssenkungen nicht zu erwarten sind. Alle 21 von Reuters befragte Primärhändler von US-Staatsanleihen gingen davon aus, dass die Fed auch beim nächsten FOMC-Treffen am 28. und 29. Januar keinen Zinsschritt beschließen wird. 15 der 21 Händler erwarten sogar im gesamten ersten Halbjahr 2003 unveränderte Leitzinsen.

Kurt Karl, Chef-Volkswirt von Swiss Re America, sagte am Dienstag: "Ich erwarte keine Änderung der Fed-Politik vor nächsten Jahr." Er rechne vielmehr damit, dass die Wachstumsraten der US-Wirtschaft 2003 eine Zinsanhebung erst Mitte des Jahres wahrscheinlich machen.

Vergangene Woche hatte die Europäische Zentralbank (EZB) angesichts rückläufiger Inflationsgefahren und anhaltend trüber Wachstumsaussichten den Schlüsselzins in der Euro-Zone um 50 Basispunkte auf 2,75 % reduziert.

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