Abwehr erwies sich als Bollwerk
Zerstörerische Bayern feiern ihre Unbesiegbarkeit

Franz Beckenbauer animierte die Edelfans beim Mitternachts-Bankett zu "einem großen Applaus für die hervorragende Leistung". Karl-Heinz Rummenigge war ebenfalls "total zufrieden", und Uli Hoeneß schwärmte nach 90 Minuten "Rasenschach" sogar vom "besten Spiel der letzten Wochen": Selten zuvor hat ein torloses Remis beim FC Bayern München eine derart große Zufriedenheit ausgelöst, wie der abgeklärte Auftritt beim Dauerrivalen Manchester United.

dpa MANCHESTER. Er stärkte beim Fußball-Weltpokalsieger den Glauben an den erneuten Triumph in der Champions League. "Klar kann man den Titel verteidigen, wenn man hier 0:0 spielt", bestätigte Vereinspräsident Beckenbauer: "Die Einstellung stimmt, die Motivation ist da, jeder ist topfit. Wenn man das so fortsetzen kann, werden die Erfolge nicht ausbleiben."

Vor allem die zerstörerische Wirkung des wieder völlig intakten Abwehrbollwerks, das im Vorjahr Garant des Titelgewinns gewesen war, lässt die Bayern auf weitere Großtaten hoffen. "Wir sind wieder so weit, dass wir sehr schwer zu schlagen sind", hob Stefan Effenberg die wichtigst Erkenntnis des Abends hervor und rief sein Team zum Endspurt auf: "Jetzt zählen nur noch die nächsten sieben Wochen."

Seit 17 Spielen sind die Bayern in der "Königsklasse" unbesiegt. Nach 1998, 1999, 2000 und 2001 steht Deutschlands Vorzeigeclub zum fünften Mal hintereinander im Viertelfinale. "Das ist ein Zeichen von Konstanz", stellte der Vorstandsvorsitzende Rummenigge stolz fest. Der Nimbus der Unbesiegbarkeit verfehlt seine Wirkung gerade bei der namhaften Konkurrenz nicht, glaubt Oliver Kahn: "Wir können auch in diesem Jahr wieder ins Finale kommen, denn wir haben uns auch den Respekt der Gegner erarbeitet", kommentierte der Nationaltorhüter.

Gegen das defensiv sehr diszipliniert und laufstark arbeitende Münchner Kollektiv waren vor 67 000 Zuschauern im ausverkauften Stadion "Old Trafford" auch Manchesters Torschütze vom Dienst, Ruud van Nistelrooy, oder Superstar David Beckham geradezu hilflos. Allein Ryan Giggs brachte die "bombenfeste Abwehr" (Rummenigge) der Bayern mit seinen famosen Dribblings in Verlegenheit. Nur ein Gegentor ließ Kahn, der gegen Giggs (48.) und van Nistelrooy (61.) zwei Mal phantastisch reagierte, in fünf Partien der Zwischenrunde zu.

"Gegen einen starken Gegner wie Manchester sieht man, wie stark wir wirklich sind", erklärte Weltmeister Bixente Lizarazu, der Beckham erneut zum Statisten degradierte. "Ich glaube, Lizarazu ist nicht Beckhams Lieblings-Gegenspieler", meinte Rummenigge süffisant. Der Chef der FC Bayern AG fand ausschließlich positive Aspekte: "Die Abwehr steht bombenfest, das ist der Grundstein. Die Mannschaft wird von Woche zu Woche besser und stabiler. Alles ist möglich."

"Die Mannschaft hat zu 100 % die Marschroute des Trainers befolgt", lobte Hoeneß demonstrativ den angeblich amtsmüden Ottmar Hitzfeld. Kleine Schönheitsfehler hatte das Unentschieden allerdings schon. "Wir haben Platz eins nicht mehr in der Hand", bemerkte Beckenbauer. Nur dann, wenn Manchester am letzten Spieltag nicht bei Boavista Porto gewinnt, können die Bayern mit einem Heimsieg gegen den Tabellenletzten FC Nantes doch noch den Gruppensieg einfahren und im Viertelfinale wie erhofft zunächst auswärts antreten. "Wir haben leichte Vorteile", meinte Hoeneß optmistisch: "Wir werden volle Pulle gegen Nantes spielen, denn wir wollen Erster werden."

Auch die Angriffsleistung ließ erneut viele Wünsche offen. Drei Treffer in der Zwischenrunde seien "nicht im Sinne des Erfinders", kritisierte Beckenbauer. "Wir könnten im Sturm noch zielstrebiger agieren", forderte Hoeneß. Denn schon im Bundesliga-Hit am Samstag beim 1. FC Kaiserslautern würde ein Remis keine neuen Jubelarien auslösen, wie Beckenbauers Schlusswort in Manchester bestätigte: "Wenn wir auf dem Betzenberg gewinnen, sind wir weiter dabei im Kampf um die Meisterschaft. Sollten wir Punkte abgeben, wird es schwer."

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