Abwehr ist die Achillesferse
Spanier zwischen Titeltraum und Trauma

Der Kontrast schmerzt: Spaniens Fußballklubs füllten ihre Vitrinen in den vergangenen Jahrzehnten mit Pokalen aus den Europacup-Wettbewerben en masse, aber die Nationalmannschaft musste sich in ihrer 93-jährigen Geschichte mit der mageren Ausbeute eines EM-Titels begnügen - und der liegt bereits 38 Jahre zurück.

sid MADRID. Auf dem schmalen Grat zwischen Titeltraum und Trauma peilt die "Seleccion" in Japan und Südkorea trotzdem mit altem Selbstbewusstsein und neuem Wir-Gefühl erneut ihren ersten WM-Triumph an. "1998 in Frankreich haben uns Kampfgeist und Moral gefehlt. Diesmal können wir es schaffen", glaubt Stürmerstar Raul von Rekordmeister Real Madrid vor Spaniens elfter WM-Teilnahme an das ersehnte Happyend: "Auf spielerischem und technischem Niveau sind wir sicher eines der besten Teams."

Die Einschätzung von Raul, der bei der Euro 2000 in Belgien und den Niederlanden durch seinen verschossenen Elfmeter im Viertelfinale gegen den Weltmeister und späteren EM-Titelgewinner Frankreich zum Unglücksraben avancierte, teilt kein geringerer als Deutschlands Weltmeister Andreas Brehme: "Spanien holt den Titel. Ich sehe das Team noch vor Argentinien, Frankreich und Italien", erklärt der einstmals bei Real Saragossa in der Primera Division spielende Teamchef von Bundesligist 1. FC Kaiserslautern und liefert auch eine einleuchtende Begründung für seinen Tipp: "Spanien hat rund 40 Top-Spieler, um eine erstklassige Mannschaft zusammenzustellen."

Für die notwendige Geschlossenheit seiner unbestritten weltmeisterlich ambitionierten Individualisten will zudem Trainer Jose Antonio Camacho sorgen. "Wir sind nicht die Besten, aber wir wollen es werden", formuliert der Ex-Nationalspieler von Real Madrid ohne falsche Bescheidenheit sein Ziel. Der Coach warnt aber auch vor den WM-Gruppenspielen gegen Neuling Slowenien, Paraguay und Südafrika: "Vielleicht wäre eine Vorrundengruppe mit großen Namen besser gewesen. Denn die Papierform zählt auf dem Platz nichts. Wir wollen immer Schritt für Schritt gehen. Unser Ziel ist es zunächst, Gruppenerster zu werden."

Die Chancen dazu stehen gut: Für die Vorrunde gilt der Sechste der Fifa-Setzliste, der die Qualifikation in der Europa-Gruppe 7 vor Österreich und Israel souverän als Erster abschloss, als klarer Favorit. Dennoch sind die Iberer gewarnt: Bei der WM 1998 in Frankreich scheiterte Spanien, das bislang als beste WM-Platzierung lediglich einen vierten Platz 1950 in Brasilien vorweisen kann, in der Vorrunde ausgerechnet durch ein 0:0 an Paraguay.

Während Camacho im Angriff bei Raul, Real-Stürmer Fernando Morientes und Diego Tristan von Deportivo La Coruna die Qual der Wahl hat, könnte die veralterte Abwehr um Routinier Fernando Hierro zur Achillesferse werden. Zudem beklagt Camacho die hohe Belastung seiner Spieler: "Bis zur WM haben die Jungs in dieser Saison 60 bis 70 Spiele in den Knochen. Da besteht die Gefahr, dass sich der ein oder andere nicht in bestmöglicher Verfassung befindet."

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