Abwehr von Abwertung
Venezuela: Chavez beschränkt Devisenhandel

Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat am Donnerstag den Devisenhandel seines Landes beschränkt, um die Devisenreserven des Landes und seine Währung Bolivar vor einer weiteren Abwertung zu bewahren.

Reuters CARACAS. Die Wirtschaft im weltweit fünftgrößten Ölförderland Venezuela leidet derzeit unter den Folgen des seit zwei Monaten andauernden Generalstreiks. Unternehmer und Volkswirte kritisierten die Regierungsmaßnahme.

Chavez setzte einen festen Wechselkurs von 1600 Bolivar je $ fest. Bevor die Regierung den Devisenhandel am 22. Januar ausgesetzt hatte, notierte ein $ noch mit 1853 Bolivar. Die erhöhte Dollar-Nachfrage hatte seit Jahresbeginn für einen 24-prozentigen Kursrutsch des Bolivars gesorgt. Mittlerweile hat sich auch ein Devisenschwarzmarkt gebildet, auf dem der $ bei 2200 bis 3000 Bolivar gehandelt wird.

"Heute haben wir die richtige Entscheidung getroffen, mit der wir die venezolanische Wirtschaft schützen", sagte Chavez in einer landesweit ausgestrahlten Fernsehsendung. Die fünf Mitglieder einer neuen Aufsichtskommission sollen nun den Devisenmarkt überwachen.

Chavez kündigte auch an, die Preise für bestimmte Güter zu kontrollieren. Die Zahlung ausländischer Schulden und der Import von wichtigen Lebensmitteln und Medikamenten erhalte höchste Priorität. "Ich garantiere den Venezolanern, dass es bei Lebensmitteln oder Medizin keine Engpässe geben wird", sagte Chavez.

Seit Anfang Dezember kämpfen Gewerkschaften, Oppositionsparteien und einflussreiche Privatunternehmer gegen die Politik von Chavez und fordern die Absetzung des Präsidenten. Vor allem der Streik beim staatlichen Ölkonzern PDVSA und die damit verbundene Kappung der Ölausfuhren hatte die Wirtschaft empfindlich getroffen.

Chavez wiederholte seine Drohung, den Dollar-Zugang für diejenigen zu behindern, die ihn aus dem Amt heben wollten. Mit der Devisenmarktkontrolle wolle er der "Sabotage" an der Wirtschaft entgegentreten, sagte der ehemalige Fallschirmjäger. Mitglieder der Opposition sagten, Chavez wolle mit den Kontrollen streikende Firmen bestrafen, indem er den Zugang zu Devisen einschränke. Mittlerweile hat die Opposition den Ausstand in den meisten Wirtschaftssektoren für beendet erklärt. Tausende PDVSA-Beschäftigte streiken jedoch weiter.

Die Devisenbeschränkungen könnten zwar kurzfristig eine Kapitalflucht verhindern, sagten Volkswirte und private Unternehmer. Auf lange Sicht werde aber die Rezession schlimmer, weil das Unternehmertum leiden, Importpreise steigen und ein Devisenschwarzmarkt entstehen werde. "Die Wirtschaft ist gelähmt, das wird Engpässe geben", sagte der unabhängige Volkswirte Alexander Guererro.

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