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Abwehrinstanz gegen Internet-Attacken gefordert

dpa HANNOVER/MÜNCHEN. Eine der bislang größten bekannt gewordenen Pannen des Internet-Banking in Deutschland wird von Datenschützern als «sehr ernst zu nehmender Zwischenfall» bewertet. Am vergangenen Montag hatten durch einen Fehler im Zentralrechner der Datenverarbeitungsgesellschaft (dvg) der Sparkassen rund 230 Online- Kunden in Berlin und Niedersachen Einblick in fremde Konten. "Wir haben ein Kontrollverfahren eingeleitet", sagte Herbert Jelit, Referent beim Landesbeauftragten für Datenschutz in Hannover, der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Überweisungen oder andere Aktionen waren durch die Panne nicht möglich.

Unterdessen forderte der Bonner Informatik-Professor Hartmut Pohl eine staatliche Abwehrinstanz gegen Internet-Attacken. "Mit einem Angriff auf etwa zehn zentrale Internet-Rechner kann ein Aggressor die gesamte Online-Kommunikation in Deutschland unterbinden", warnte Pohl im Nachrichtenmagazin "Focus". Dies sei innerhalb weniger Tage zu schaffen und hätte fatale Auswirkungen - zum Beispiel auf die Energieversorgung oder das Bankensystem. Das Internet sei gegen Attacken "faktisch völlig ungeschützt", kritisierte der Computer- Spezialist von der Fachhochschule Bonn- Rhein-Sieg.

Bei der dvg gibt es nach Angaben von Jelit bisher keine Hinweise, dass die Überlastung der Rechner auf den Angriff eines Hackers zurückzuführen sei. "In Amerika ist das "Bombing", bei dem Systeme gezielt von Hackern mit E-Mails zur Überlastung gebracht werden, an der Tagesordnung," sagte er. Durch den Zusammenbruch wollen die Hacker tiefer in die ansonsten verschlüsselten Daten vordringen.

Deutsche Unternehmen seien grundsätzlich vor solchen Attacken ebenfalls nicht sicher. "Es ist daher wichtig, dass entsprechende Sicherungen eingebaut werden, die die Rechnersysteme bei Überlast rechtzeitig abschalten." Bei der dvg habe die Sicherung das System nach einer Stunde heruntergefahren. "Die Frage wird sein, ob das schnell genug ist," meinte der Referent.

Grundsätzlich sei das von den Sparkassen praktizierte System über Geheimzahl (Pin) und Transaktionsnummer (TAN) im Internet "relativ sicher". "Absolute Sicherheit gibt es aber nie. Es ist auch gefährlich, seinen Kontoauszug in den Papierkorb zu werfen."

Der bayerische Innenstaatssekretär Hermann Regensburger (CSU) beklagte in München, die Polizei könne Straftaten im Internet oft nicht verfolgen, weil die Anbieter (Provider) die Verbindungsdaten von Nutzern nicht aufzeichneten oder bereits nach kurzer Zeit löschten. Im vergangenen Jahr habe das Bayerische Landeskriminalamt rund 700 mutmaßliche Internetstraftaten ermittelt, in den meisten Fällen Pornografie- und Sexualdelikte.

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