Abwehrstrategie
Piech will VW gegen Übernahmeversuche wappnen

VW-Chef Ferdinand Piech will den Wolfsburger Automobilhersteller in die Lage versetzen, aus eigener Kraft eine feindliche Übernahme durch einen Konkurrenten abwehren zu können.

Reuters HAMBURG. "Ich sehe es als meine Aufgabe an, vor meinem Ausscheiden hier noch dafür zu sorgen, dass - mit oder ohne VW-Gesetz - niemand den Konzern schlucken kann, ohne daran zu ersticken," sagte Piech der "Wirtschaftswoche". Er machte aber keine genauen Angaben über die Abwehrstrategie. Entgegen der Vorabmeldung des Magazins aus der am Donnerstag erscheinenden Ausgabe ist in der Reuters vorliegenden Rohfassung des Interviews nicht die Rede davon, dass VW selbst Konzernteile abspalten und an die Börse bringen wolle.

Piech sagte mit Blick auf den vergleichsweise niedrigen Aktienkurs von VW, der Autokonzern müsse sich dafür rüsten, von einem großen Konkurrenten nicht "als appetitlicher Wurm" geschluckt zu werden. "Wenn hier beispielsweise zehn Schlüsselleute weg sind, dann wäre VW für einen feindlichen Übernehmer ein schlimmerer Brocken, als es die deutschen Töchter großer Amerikaner heute schon sind." VW werde sich der Strategie von Seeigel bedienen. "Der schluckt sich schlecht." Spekulationen über ein angebliches Interesse des US-Autokonzerns Ford an einer Übernahme von VW hatten in den vergangenen Monaten vor allem beim Großaktionär, dem Land Niedersachsen, sowie Arbeitnehmervertretern im Aufsichtsrat für Unruhe gesorgt.

Als mögliche Abwehrstrategie wird von Analysten das Aktienrückkaufprogramm von VW gewertet. VW hatte kürzlich 10 % eigene Papiere zurückgekauft und will sich von der Hauptversammlung einen weiteren Rückkauf autorisieren lassen. Die Papiere könnten als Akquisitionswährung bei der Übernahme eines anderen Unternehmens eingesetzt werden. Andererseits halten Branchenexperten für möglich, dass VW durch die Rückkaufaktion den Gewinn je Aktie erhöhen will, wovon der Aktienkurs profitieren könnte und in dessen Folge der Preis für einen potenziellen Übernehmer höher würde. Volkswagen hatte Industriequellen zufolge kürzlich die Investmentbank Schroder Salomon Smith Barney damit beauftragt, eine Abwehrstrategie zu entwickeln.

Nach Reuters-Daten wird Ford an der Börse derzeit mit 50,75 Mrd. $ deutlich höher bewertet als Volkswagen, die an der Börse 19,34 Mrd. $ wert sind.

Als wirksamste Abwehr gegen feindliche Übernahmen gilt derzeit noch das so genannte VW-Gesetz, das dem mit rund 20 % an dem Wolfsburger Konzern beteiligten Land Niedersachsen auf Hauptversammlungen bestimmte Privilegien einräumt. Der staatliche Anteil hält seit längerem internationale Investoren davon ab, sich stärker an Volkswagen zu beteiligen. Die EU-Kommission prüft deshalb seit geraumer Zeit ob es einen zu großen staatlichen Einfluss auf Volkswagen gibt und andere Investoren dadurch behindert werden.

In dem Interview stellte Piech die Rechnung an, ein potenzieller Übernehmer könnte die zum Konzern gehörende Marke Audi und die Finanzdienstleistungssparte samt Versicherung und VW-Bank abspalten und verkaufen. Dann hätte er das, was der Konzern an der Börse kosten würde, rein rechnerisch wieder eingenommen und die Übernahme damit finanziert. Dagegen müsse sich VW wappnen.

Piech sagte weiter, es gebe zurzeit keine konkreten Pläne für die von der Hauptversammlung beantrage Ermächtigung, das Kapital um 130 Mill. Euro zu erhöhen. Man wolle die Kasse aber bereit haben. Mit seinem derzeitigen Anteil bei dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania sei Volkswagen "durchaus glücklich". Auf die Frage des Magazin, ob eine Übernahme des deutschen Lkw-Bauers MAN in Frage käme antwortete Piech, dafür sei wegen dessen stillen Reserven 2001 ein schlechtes Jahr. Ohne die durch die Steuerreform ab 2002 begünstigten Verkauf von Unternehmensbeteiligungen zu erwähnen, sagte Piech: "Das könnte sich im nächsten Jahr ändern."

Die VW-Aktie profitierte von der Diskussion ein wenig. In einem schwachen Umfeld legte der Titel bis Mittwochnachmittag in Frankfurt auf 58,37 Euro leicht zu.

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