Acht Wochen nach den Terroranschlägen gegen die USA
Die Krise im Luftverkehr spitzt sich zu

Die skandinavische SAS wird deutlich mehr Stellen streichen als bislang geplant. British Airways steht vor dem ersten Verlustjahr seit der Privatisierung 1987. Bei der niederländischen KLM haben die Terroranschläge zu einem Einbruch im Atlantikgeschäft geführt. Für die belgische Sabena gibt es kaum noch Chancen für eine Rettung vor der Pleite. Sie wollte spätestens am Mittwoch alle Flüge einstellen.

dpa HAMBURG. Die Bundesregierung hat die staatliche Deckung für Kriegs- und Terrorschäden in der Luftfahrt bis Ende Januar verlängert. Regierungskreise bestätigten am Dienstag einen Vorabbericht des "Handelsblatts" (Mittwochausgabe). Danach einigten sich Bundeskanzler Gerhard Schröder und die beteiligten Ministerien mit der Versicherungswirtschaft und der Lufthansa.

SAS wird nach Angaben des Konzernchefs Jörgen Lindegaard vom Dienstag angesichts sinkender Passagierzahlen weitere 2 500 der derzeit 31 000 Stellen streichen. Bisher war geplant, die Belegschaft um 1 000 Stellen zu reduzieren. Die schlimme Lage der Branche werde sich weiter verschlechtern, prognostizierte Lindegaard. SAS (Scandinavian Airlines Systems) machte im 3. Quartal einen Verlust von 213 Mill. Kronen (22,5 Mill. Euro) gegenüber einem Gewinn von 343 Mill. Kronen vor Jahresfrist. Die Passagierzahl ging um 9 % zurück.

Rote Zahlen bei British Airways

Vor dem ersten Verlustjahr seit der Privatisierung steht British Airways (BA). Die Fluggesellschaft schrammte im Sommer zwar knapp an einem weithin erwarteten Verlust vorbei. Der Gewinn brach in dem am 30. September beendeten Quartal auf nur noch 8 Mill. Euro von 320 Mill. Euro vor Jahresfrist ein und der Umsatz sank um zwölf Prozent auf 2,25 Mrd. Pfund. Für das gesamte Geschäftsjahr (bis Ende März) erwarten Analysten aber einen Verlust um die 1,2 Mrd Euro.

Der BA-Aufsichtsratsvorsitzende Lord Marshall sagte, man rechne "mit einem deutlich negativen Betriebsergebnis für das Jahr." Neben den Terroranschlägen und der allgemein schwachen Konjunktur leidet BA besonders auch unter dem Tourismus-Rückgang infolge der Maul- und Klauenseuche in Großbritannien. BA hat allerdings Reserven von 1,1 Mrd. Pfund (1,76 Mrd Euro) und kann im Ernstfall weitere 800 Mill. Pfund locker machen.

Sabena vor der Pleite

Unterdessen steht Sabena vor der Pleite. Spätestens am Mittwoch sollten nach Medienberichten alle Flüge gestoppt werden, die Mehrzahl schon am Dienstagabend. Damit solle eine Beschlagnahme der Flugzeuge im Ausland verhindert werden, berichtete die Brüsseler Tageszeitung "Le Soir" am Dienstag. "Dass Sabena Pleite geht, steht nahezu fest", schrieb die Zeitung "De Standaard". Sabena-Chef Christoph Müller habe noch den ganzen Montag mit möglichen Investoren über einen neuen Start für einen beschränkten Flugbetrieb verhandelt.

Die niederländische KLM hat im Oktober, dem ersten vollen Monat nach den Terroranschlägen, 34 % weniger Passagiere über den Atlantik geflogen als vor Jahresfrist. Nach KLM-Angaben blieben vor allem Sitze in der lukrativen Business-Klasse unbesetzt. Auf den transatlantischen Strecken hatte die KLM die Kapazität um 28 % eingeschränkt. Weltweit verzeichnete KLM im Oktober 2001 einen Rückgang des Passagierverkehrs um 18 % bei einer Verringerung der Beförderungskapazität von 8 %.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%