Achtelfinale gegen Paraguay
Völler will mehr

Rudi Völler zeigt sich von der Leistung des Achtelfinalgegners Paraguay im letzten Vorrundenspiel beeindruckt. Das Team von Trainer Cesare Maldini habe nach dem 0:1 Rückstand Moral bewiesen. Unterdessen bastelt der Teamchef an der Aufstellung für das Spiel gegen die Südamerikaner am Samstag.

dpa SEOGWIPO. Nach dem vorläufigen Happy End in Japan machte sich beim ersehnten Umzug der deutschen Fußballer nach Südkorea eine kämpferische Aufbruchstimmung breit. "Jetzt haben wir ein bischen Blut geleckt, jetzt wollen wir natürlich auch noch ein bischen bleiben", gab Rudi Völler vor dem Achtelfinale am Samstag gegen Paraguay als Parole aus. Am Abend sah Völler den Achtelfinal- Gegner in Seogwipo live beim 3:1 gegen Slowenien im Cheju World Cup Stadium. "Paraguay hat eine tolle Moral bewiesen und das Spiel mit 10 Mann noch umgebogen", meinte der Teamchef. Beeindruckt war er von den starken Stürmern des Gegners. Paraguays Coach Cesare Maldini sagte: "Das Spiel gegen Deutschland wird wie alle Spiele bei einer WM sehr schwierig. Wir werden nun entspannen und haben Zeit zum Nachdenken."

DFB-Chef Gerhard Mayer-Vorfelder hatte schon wenige Stunden nach der Erleichterung über den vermiedenen Vorrunden-K.o. der Deutschen das neue Nahziel formulierte: "Das Viertelfinale müsste jetzt schon drin sein." Von Befriedigung war am Mittwoch auch bei den Spielern, die mit dem Erreichen des Minimalziels Achtelfinale je 25 000 Euro als Prämie sicher haben, nichts mehr zu spüren. "Es gibt nichts zu feiern, für uns geht die Weltmeisterschaft jetzt erst richtig los", verkündete Kapitän Oliver Kahn.

Nach einer kurzen Nacht, dem 90-minütigen Charter-Flug von Nagoya nach Cheju-Island und dem Bezug des neuen Quartiers eröffnete Völler ohne weitere Zeitverschwendung den Countdown für das "Heimspiel" am kommenden Samstag in Seogwipo gegen den Zweiten der Gruppe B. "Den ersten Tag ist man vielleicht etwas gelöster. Aber dann hat man schon wieder andere Dinge im Kopf", sagte Völler, nachdem er in der ersten Übungseinheit in Südkorea gleich wieder erste Reize gesetzt hatte. Arbeit statt Final-Träume: "Da gibt es überhaupt keine Befürchtungen, dass jemand abhebt", betonte der 42-Jährige.

Die Zeit drängt, weil der Teamchef praktisch wieder bei Null beginnen muss. Durch die Gelb-Rote Karte für Carsten Ramelow sowie die Gelb-Sperren von Dietmar Hamann und Christian Ziege muss er seine in der Vorrunde drei Mal identische Startelf gleich auf drei Positionen neu besetzen und auch taktisch neu ausrichten. Nervosität oder Aktionismus löste das aber nicht aus - im Gegenteil: "Ich sehe das nicht als Nachteil an. Die Reservisten sehen eine Chance, sonst würde die Stimmung schlechter", kommentierte Mayer-Vorfelder die Sperren gelassen.

Kein großes Aufheben wurde auch um das überraschende WM-Aus von Jörg Böhme gemacht. Der Schalker Edelreservist flog am Mittwoch zurück nach Deutschland, nachdem er sich kurioser Weise beim Aufwärmen für das Kamerun-Spiel einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zugezogen hatte. Ohne Böhme eröffnete Völler mit deutlichen Fingerzeigen den Konkurrenzkampf um die drei freien Plätze. Während die Stammspieler in Turnschuhen nur locker ausliefen, ließ der 42-Jährige beim Training die Reservisten gegeneinander spielen, wobei alle aussichtsreichen Kandidaten in der "2A"-Formation standen. Jens Jeremies gilt als programmierter Ersatzmann für Hamann auf der Abräumerposition, Kamerun-Torschütze Marco Bode dürfte die logische und nach dem Böhme-Aus einzige Alternative für Ziege auf links sein. Die dritte Umbesetzung hängt vom Abwehrsystem mit Dreier- oder Viererkette ab.

Der mit zehn Mann hart erkämpfte 2:0-Erfolg gegen Kamerun war schon kurz nach dem Spiel abgehakt worden. "Wir haben einen Schluck Bier oder ein Glas Wein getrunken", berichtete Carsten Jancker vom kurzen Beisammensein im Mannschaftshotel in Shizuoka, bei dem auch Bundesinnenminister Otto Schily noch einmal vorbeigeschaut hatte. In einer kurzen Ansprache berichtete der Politiker, dass er vor dem Spiel in einem Shinto-Schrein seinen Wunschzettel für einen Sieg der deutschen Elf aufgehängt hatte.

Der japanische Brauch half - aber auch die Mannschaft glaubt wieder an sich. "Den Mythos der Unbesiegbarkeit hatten wir schon verloren, aber nun gewinnen wir ihn langsam wieder. Ich denke schon, dass das unsere Gegner notieren werden", bemerkte Bierhoff. "Da wächst etwas zusammen", wertete Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge die gemeisterte Drucksituation als eine mögliche Initialzündung für den weiteren Turnierverlauf: "Das Spiel hatte eine große Bedeutung für den deutschen Fußball. Bei den letzten Weltmeisterschaften hat sich Deutschland nicht besonders gut verkauft. Nun kann die Mannschaft positiv überraschen", meinte der Chefbegleiter aus der Bundesliga.

Als Gruppenerster mit zwei Siegen, einem Unentschieden und 11:1 Toren überstand die DFB-Auswahl anders als gestrauchelte Favoriten wie Titelverteidiger Frankreich oder Argentinien die Vorrunde rein rechnerisch souverän. Die Wahrheit auf dem Platz sah jedoch nicht so rosig aus, die Mannschaft ist weitergekommen, aber im Turnierverlauf kaum besser geworden. Ausschlaggebend waren in erster Linie zwei Mann - der schier unbezwingbar wirkende Kahn im Tor und Shooting Star Miroslav Klose als fünffacher Torschütze im Angriff. "Ganz vorne und ganz hinten haben wir die größten Stabilisatoren. Klose ist in jedem Spiel für ein Tor gut. Und dann hat Deutschland immer eine gute Chance, weil ein Gegner erst einmal gegen Olli Kahn ein Tor machen muss", strich Rummenigge den Stellenwert des Duos heraus.

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