Achterbahn-Karriere
Scharpings Aufstiege und Talfahrten

Rudolf Scharpings Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt. Als sozialdemokratischer Politiker machte er einen steilen Aufstieg bis zum Kanzlerkandidaten und Parteichef, stürzte auf dieser Höhe, nahm erfolgreich einen neuen Anlauf als Verteidigungsminister und rutschte nun doch wieder ins Tal.

dpa BERLIN. Als schlimmsten Rückschlag hat der heute 54-Jährige einmal seine Abwahl als SPD-Chef beim Mannheimer Parteitag 1995 bezeichnet. Der damalige saarländische Ministerpräsident Oskar Lafontaine lieferte ihm eine Kampfkandidatur und gewann. Ein erzwungenes Ende als Bundesminister dürfte für ihn nicht minder schmerzhaft sein.

Mit 19 Jahren trat Scharping in die SPD ein. Während seines Jura-, Soziologie- und Politologiestudiums in Bonn arbeitete er als Assistent von SPD-Bundestagsabgeordneten. Der rheinland-pfälzische SPD-Chef Wilhelm Dröscher wurde sein Förderer und Willy Brandt mahnte einmal die Partei, sie solle den "Mainzer" nicht vergessen. Scharping betonte häufig sein enges Verhältnis zu Brandt.

Scharping wurde Vorsitzender der SPD-Nachwuchsorganisation Jungsozialisten (Jusos), SPD-Regionalchef von Rheinland-Pfalz und 1991 dort nach 44 Jahren CDU-Herrschaft erster SPD-Ministerpräsident. 1993 wurde Scharping SPD-Bundesparteichef und 1994 Kanzlerkandidat. Dann kamen die ersten Schlappen. Scharping konnte den langjährigen Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) nicht besiegen.

Auch in seiner Rolle als SPD-Oppositionsführer gelang ihm kein klares Kontrastprogramm zur konservativ-liberalen Regierungskoalition. Nach parteiinterner Kritik, er sei als Parteichef zu farblos, eigenmächtig und auch führungsschwach, verlor Scharping 1995 in Mannheim dann die Kampfabstimmung gegen Lafontaine. Trotz seiner Abwahl ließ er sich zu einem der Stellvertreter wählen.

Nach dem Regierungswechsel in Bonn 1998 drängte der neue Bundeskanzler Gerhard Schröder seinen Parteifreund aus der Position des Fraktionschefs. Scharping wurde gegen seinen Willen Verteidigungsminister, arbeitete sich dann aber mit dem bei ihm bekannten Fleiß ein und brachte die historische Reform der Bundeswehr auf den Weg. Anfangs wurde ihm dafür hoher Respekt gezollt.

Dann brachte er sich allerdings beim Einsatz im Kosovo schon ins Gerede, als er Strategien für den Krieg entwickelte. Zunehmend machte er sich auch in der SPD unbeliebt. Die Genossen nannten ihn arrogant. Er trennte er sich von seiner Frau Jutta, lernte Kristina Gräfin Pilati kennen – und zeigte seine Liebe auch nach außen. In der Koalition stieß dies auf Kopfschütteln und Befremden. Scharping ließ sich aber nicht abbringen: "Fröhlich, unbeschwert und glücklich" wolle er auch weiter in der Öffentlichkeit auftreten.

Am meisten schadete er sich dabei im vorigen Sommer mit Badefotos auf Mallorca. Kurz danach, im September, kochte die so genannte Flugaffäre hoch, die Scharping als "Verleumdung" empfand. Dabei ging es um Flüge von Berlin nach Frankfurt, wo Pilati wohnt. Nach den Anschlägen auf die USA am 11. September war die Diskussion zu Ende. Die Welt hatte andere Sorgen.

Im Oktober zog Scharping sich den Zorn anderer Politiker zu, weil er zu einem Zeitpunkt die Ausrufung des Bündnisfalls ankündigte, als das zuständige NATO-Gremium noch gar nicht getagt hatte. Danach plauderte er aus, Somalia sei eines der nächsten Ziele im Anti-Terror-Kampf. Das rügte US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld.

Die nun bekannt gewordenen finanziellen Verbindungen zum Frankfurter PR-Unternehmer Moritz Hunzinger wurden am Donnerstag in der SPD für sich allein genommen nicht als Rücktrittsgrund, sondern als der berühmte Tropfen gesehen, der das Fass zum Überlaufen gebracht haben könnte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%