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Achtung Businessschule - ein gefährliches Terrain für Journalisten in Spanien

Man sollte es nicht meinen, aber auch wenn Businessschulen immer wieder Ethik und soziales Verhalten in ihren Kursen predigen, so scheint das beim Kampf um die eigenen Marktanteile schnell vergessen zu sein.

Man sollte es nicht meinen, aber auch wenn Businessschulen immer wieder
Ethik und soziales Verhalten in ihren Kursen predigen, so scheint das beim
Kampf um die eigenen Marktanteile schnell vergessen zu sein. Das gilt
zumindest in Spanien, wo die drei größten Schulen Instituto de Empresa, Iese
und Esade und die vielen anderen, die in den Boomzeiten aus dem Boden
schossen, derzeit aufs Härteste um die MBA-Schüler werben, nicht immer mit
sauberen Methoden. Die Schüler werden weltweit immer weniger, das mag auch
daran liegen, dass die Titel immer teurer werden und der Nutzen für viele
nicht mehr im Verhältnis zu dem steht, was sie danach damit machen können.
In Spanien ist der Wettkampf derzeit so hart, dass auch Journalisten
aufpassen müssen, auf welche Seite sie sich schlagen. Das gilt vor allem für
die einheimischen. Sie werden wie Könige umworben und im Gegenzug von
einigen Schulen angerufen, wenn die MBA-Rankings ihrer Zeitung für sie nicht
günstig sind oder Artikel über sie in Bearbeitung sind. Da wird versucht, zu
beeinflussen, zu mauscheln. Hier ein bezahlter Kurs, da eine Einladung zum
Lunch. Wenn man auch noch über die von der katholischen Prälatur Opus Dei
gegründete MBA-Schmiede Iese schreiben muss, wird es ganz heiss. Dann muss
man schon vor der Veröffentlichung Telefonanrufe von allen Seiten
befürchten, denn der Opus mischt hierzulande überall mit und die Netzwerke
funktionieren super.
Ein grundsätzliches weiteres Problem: Niemand will in Spanien zitiert
werden, dass er eine MBA-Schule bevorzugt, er könnte es sich ja mit der
anderen verderben, vielleicht nicht mehr eingeladen werden oder ähnliches.
Selbst spanische Journalisten, die ihre Leser ja eigentlich orientieren
sollten, beziehen keine Stellung, kritische Artikel über einzelne Institute
sind kaum zu lesen, insofern gibt es auch wenig Nutzwert für den spanischen
Leser im MBA-Dschungel.
Aber das mit der Kritik ist auch ein grundsätzliches Problem der spanischen
Presse, die streckenweise wie ein Verlautbarungsorgan scheint, vor allem bei
den heimischen Unternehmen wird selten kritisch angesetzt - ob aus Angst vor
Repressalien, wegen mangelnder Analysefähigkeit oder auch einfach aus
Faulheit. Die Gerüchteküche oder wirklich investigative Geschichten findet
man meist nur in Internetmagazinen und dort werden Artikel wegen ihrer
Brisanz oft nicht firmiert. Vor den ausländischen Journalisten haben die
Unternehmen mehr Respekt, sie fürchten ihre kritischere Feder und wehren
ihre Fragen sehr professional ab. Rückrufe sind selten, Interviews mit CEO´s
fast unmöglich. Presseabteilungen haben hier meiner Meinung nach vor allem
die Aufgabe, dafür zu sorgen, keine Information rauszulassen - ganz anders
als in Deutschland, wo meist zumindest zurückgerufen oder ein offizielles
statement zu einer Frage angeboten wird. Diese Verschlossenheit der Konzerne
und die geringe Kritikfähigkeit der spanischen Journalisten ist für viele
ausländische Touristen, die Spanien nur aus dem Urlaub kennen, nicht
nachvollziehbar, sind die Spanier doch eigentlich so ein offenes und
temperamentvolles Volk....

--
Stefanie Claudia Müller
Corresponsal/Korrespondentin

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