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Achtung Gewinnwarnungen

Die Ertragswarnungssaison hinterlässt negative Spuren an den New Yorker Börsen. Beide Indizes enden heute im Minus, der Nadaq zum vierten Mal in Folge. Der High Tech Index endet bei 3689 Punkten mit einem Verlust von 52 Punkten. Der Blue Chip Index landet mit einem Verlust von 1,64 Prozent bei 10631 Punkten im Minus. Von den Unternehmen, die bisher einen Ausblick auf den Geschäftsverlauf des dritten Quartals gaben, haben 64 Prozent die Erwartungen nach unten geschraubt. Das ist ein höherer Anteil als noch im vergangenen Quartal.

Eastman Kodak führte die Verliererposition unter den 30 Standardwerten an. Grund: das Management warnte die Anleger, dass das laufende dritte und auch das vierte Quartal schwächer ausfallen werden als ursprünglich erwartet. Schuld daran seien unter anderem der Euro - in diesem Punkte hatte der Konzern schon im Frühjahr gewarnt - da ein Großteil der Umsätze in Europa erzielt werden. Außerdem belasten höhere Rohstoffkosten und die Investitionen im boomenden Digitalbereich die Unternehmenszahlen. Der September verlief nicht gerade berauschend, dabei hatte man auf diesen Monat besonders gehofft. Das größte Fotounternehmen musste am Dienstag den größten Kursverfall seit dem Börsenschock von 1987 einstecken - die Aktie verlor fast 26 Prozent.



Noch heftiger war der Verlust für das Lexmark Papier. Das Unternehmen ist die Nummer Zwei bei der Produktion von Laserdruckern. Hier machten sich die starke Konkurrenz, beispielsweise zu IBM, und auch der Euro bemerkbar. Zudem ist der Umsatz bei Druckerpatronen stark zurückgegangen. Die Aktie steht unter keinem günstigen Stern: bereits im letzten Quartal hatte Lexmark seine Anleger mit einer Gewinnwarnung negativ überrascht. Jetzt scheinen auch die hartgesottenen Investoren die Laune an dem Papier zu verlieren. Auch Schnäppchenjäger ließen es am Montag links liegen. PaineWebber stuft die Aktie von "kaufen" auf "neutral" ab, ebenso senkt Bear Stearns die Empfehlung nur noch auf neutral. Lehman Brothers bleibt zwar bei "kaufen", aber die Analysten reduzieren das Kursziel von 100 auf 80 Dollar pro Aktie.



Microsoft

sorgte dafür, dass die Nasdaq nicht ganz ins Bodenlose stürzt. Der Softwaregigant konnte im laufenden Kartellrechtsverfahren einen Erfolg für sich verbuchen: nicht das oberste Gericht, der Supreme Court, sondern ein Berufungsgericht wird den Fall nun weiter verhandeln. Dieses hatte schon vor zwei Jahren zu Gunsten Microsofts entschieden. Die Aktie notiert nahe einem Zweijahrestief, verbesserte sich am Donnerstag aber um rund sechs Prozent. Für Anleger wird das Papier dennoch auch in Zukunft Unsicherheiten mit sich bringen. Schließlich tauchen in laufenden Gerichtsverfahren auch unangenehme Überraschungen auf. In diesem Fall wird sich ein endgültiges Urteil wohl um sechs bis zwölf Monate verzögern.



Die gestern veröffentlichten Quartalszahlen von Palm ließen die Aktie hochklettern. Die Börse honorierte, dass der Gewinn um 79 Prozent gestiegen ist. Die Verkäufe haben sich verdoppelt. Mit dazu beigetragen haben zahlreiche jüngst geschlossene Kooperationen, beispielsweise mit Motorola oder der japanischen NTT Docomo. Ganz ungetrübt sind die Daten allerdings auch nicht: die Gewinnmargen sind gesunken. Das heißt, Palm verdient pro Gerät etwas weniger. Außerdem konnte die Nachfrage wegen Lieferengpässen bei Zulieferern nicht befriedigt werden. Andere Organizer-Produzenten wie Microsoft, Sony und nicht zuletzt Handspring könnten den Marktführer in Bedrängnis bringen.



Nach Börsenschluss meldete Palms Mutterhaus 3Com Quartalszahlen. Die von den Analysten erwarteten 33 Cents Verlust konnten von 3Com mit 12 Cents unterboten werden. Der Titel hat in diesem Jahr bereits eine Berg- und Talfahrt hinter sich. Kurz vor der Abspaltung der Palm-Sparte war der Titel ins Plus geschossen, anschließend jedoch wieder ins Minus gefallen und erholt sich erst langsam wieder von der mehrmonatigen Kursschwäche.



Der Biotechnologie-Bereich erfreute sich heute weder bei Analysten noch bei Anlegern großer Beliebtheit. Nach der Talfahrt von Cell Pathways, die gestern rund 70 Prozent an Wert eingebüßt haben, scheinen sich die Anleger an das hohe Risiko bei einer Anlage in Biotechnologie-Titel erinnert zu haben. Immunex, einer der großen Biotech-Titel und mit einem KGV von weit über 200 bewertet, notiert heute deutlich im Minus. Auch Biogen verliert leicht an Wert. Prudential Securities hat den Titel lediglich zum "Halten" empfohlen. Auch Affymetrix notiert deutlich im Minus. Merrill Lynch hat den Anbieter von Software zur Entschlüsselung der menschlichen Erbinformationen, erstmals eingestuft und lediglich mit einem Kursziel von 67 Dollar als neutral bewertet. Weiter auf Talfahrt ebenfalls der Biotechnologie-Konzern Gliatech, der zugegeben hat, eine Studie zur Erforschung des Medikaments "Adcon-L" - ein Gel zur besseren Verheilung von Narben - teilweise nicht vorschriftgemäß ausgeführt zu haben.



Rieseneinbußen musste auch Jeans Designer Guess hinnehmen. Der Wert halbierte sich, nachdem auch der Kleidungskonzern seine Anleger warnte, die Gewinne aus dem dritten Quartal könnten um zehn Cents pro Aktie geringer ausfallen, als von Analysten prognostiziert.

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