Archiv
Achtung Laptopklau

Eine unangenehme Mode macht sich in São Paulo breit: Notebookklauen. Und die Computer werden nicht im Hotel oder auf Konferenzen gestohlen, wenn niemand zuschaut, sondern auf der Straße vom Motorrad aus und mit der Waffe.

Eine unangenehme Mode macht sich in São Paulo breit: Notebookklauen. Und die Computer werden nicht im Hotel oder auf Konferenzen gestohlen, wenn niemand zuschaut, sondern auf der Straße vom Motorrad aus und mit der Waffe. Allein im Juli registrierte die Polizei in den südlichen Stadtteilen der Stadt 43 Überfälle, bei denen es die Räuber auf tragbare Computer abgesehen hatten. Es dürften aber weit mehr sein, da viele Geschäftsleute die Überfälle gar nicht melden, weil sie auf Reisen sind. Besonders betroffen ist der Stadtflughafen Congonhas sowie die Büroviertel im Süden der Stadt wo die ausländischen Konzerne - auch die deutschen - ihre Filialen haben. Der Mitarbeiter eines deutschen Konzerns wurde vor zwei Wochen erschossen, als er seinen Laptop nicht rausrücken wollte. Die Methode ist immer die gleiche: Jemand informiert über Handy, dass ein Fahrgast mit einem Laptop in ein Taxi steigt. An der nächsten Ecke vor der Ampel oder im Stau halten auf beiden Seiten des Taxis ein oder zwei bewaffnete Motorradfahrer, klopfen mit der Pistole an die Scheibe und verlangen das Notebook. Was kann man tun? Die Taxifahrer empfehlen, das Gerät in den Kofferraum zu legen. Am Flughafen sollte man sein Notebook in den Koffer schieben. Inzwischen ist es üblich, die Laptops in sportliche Rucksäcke zu packen, so als sei man im Anzug auf dem Weg zum Gym. Die Tageszeitung "Folha de São Paulo" bringt einen zweiseitigen Aufmacher darüber, dass immer mehr Geschäftsleute in den Bürovierteln mit bunten Plastikbeuteln wie zum Einkauf auf dem Wochenmarkt zu sehen seien. Als ich gestern nach einem Interviewtermin mit dem Taxifahrer ins Gespräch komme, ob das denn so stimme mit den Laptop-Überfällen oder aufgebauscht würde, dann erzählt er mir, dass er dreimal in den letzten zwei Wochen Fahrgäste von ihm beraubt worden seien. "Ärgerlich ist das", fügt er trocken hinzu , "weil die Räuber mir immer den Schlüssel abnehmen und ich dann stundenlang im Verkehr festsitze, bis der Ersatzschlüssel da ist."

Alexander Busch
Alexander Busch
Handelsblatt / Korrespondent Südamerika
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%