Ackermann plant Aktienrückkauf
Deutsche Bank baut weitere Stellen ab

Josef Ackermann, ab 22. Mai Vorstandssprecher der Deutschen Bank, krempelt die Ärmel hoch: Ein Aktienrückkaufprogramm soll den Kurs nach oben bringen, Rand-Geschäftfelder will er abstoßen und die Privatkundensparte wird zusammengeführt. Der Kurswechsel ist bitter nötig, denn die Ertragslage des Branchenprimus ist dürftig.

fs/po FRANKFURT/LONDON. Die Deutsche Bank geht davon aus, dass im Konzern mehr Stellen abgebaut werden als bisher angekündigt. Bislang hatte es geheißen, die Bank werde insgesamt 9 200 Stellen kappen. Im Umfeld der Bank geht man davon aus, dass deutlich mehr Stellen wegfallen, insgesamt aber "weniger als doppelt so viele".

Ein Teil des Stellenabbaus sei auf die am Montag mit dem Quartalsbericht angekündigte Reduzierung auf die Kernbereiche zurückzuführen, hieß es aus der Bank. So prüfe die Bank "strategische Alternativen" für einen großen Teil der Geschäftsfelder Wertpapierdienstleistungen und passives Asset Management, also Kooperationen oder eine Abspaltung. Allein der Bereich Wertpapierdienstleistungen umfasst 4 000 bis 5 000 Angestellte. Die Deutsche Bank legte ein gegenüber dem Vorjahr um fast 40 % verbessertes Ergebnis für das erste Quartal 2002 vor (Vorsteuerergebnis: 1,3 Mrd. ). Daneben präsentierte sie ein Programm zur Konzentration auf die Kerngeschäftsfelder und die Optimierung des Privatkundengeschäfts.

Die Deutsche Bank will sich beschleunigt von ihren Industriebeteiligungen trennen und das frei werdende Kapital für Aktienrückkäufe nutzen. Die dafür notwendige Ermächtigung soll auf der Hauptversammlung am 22. Mai von den Aktionären eingeholt werden.

Das Aktienrückkaufsprogramm ist Teil der künftigen Strategie des designierten Vorstandssprechers Josef Ackermann. Der Schweizer will den Marktwert in den kommenden zwei Jahren von gegenwärtig rund 43 Mrd. Euro auf 100 Mrd. Euro nach oben bringen. "Aktienrückkäufe stellen ein positives Element für den Kurs dar", meint Dieter Hein, Analyst des Crédit Lyonnais. Bis zu 10 % eigene Aktien könne die Deutsche Bank zurückkaufen, heißt es im Markt. Ob die Aktien gehalten werden, um als Akquisitionswährung eingesetzt zu werden, oder eingezogen und vernichtet werden, um die Aktienanzahl zu reduzieren, ist noch offen. Am Montag reagierte die Börse allerdings mit deutlichen Abschlägen.

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Daneben versucht Ackermann vor allem die Sparte Privatkunden und Vermögensverwaltung (PCAM) auf Vordermann zu bringen. Zu diesem Zweck sollen die Aktivitäten für Privat- und Geschäftskunden unter der Marke Deutsche Bank unter einheitlicher Führung gebündelt werden. Die betrifft die erst vor zwei Jahren ausgegliederte Deutsche Bank 24, das Geschäft mit vermögenden Privatkunden (Private Banking), den Onlinebroker Maxblue sowie kleinere Firmenkunden, die bislang von der Investment-Banking- und Firmenkundensparte (CIB) betreut wurden. Zudem wurde das verlustträchtige US-Geschäft der Tochter Deutsche Banc Alex. Brown Private Clients Services aus dem Unternehmensbereich Private Banking in die Firmenkundensparte verschoben.

Während die Aktivitäten in Italien und Spanien recht erfreulich verlaufen, strukturiert der deutsche Branchenprimus Frankreich um. Die Deutsche Bank bestätigte, dass mit der französischen Bank CCF Gespräche über den Verkauf der Filialen der Banque Worms, die außerhalb von Paris liegen, geführt würden. Ein Komplettverkauf stünde allerdings nicht zur Debatte, so ein Sprecher.

Im ersten Quartal verzeichnete PCAM einen Vorsteuerverlust in Höhe von 85 Mill. Euro. Dies ist im wesentlichen auf die hier verbuchten Restrukturierungsaufwendungen für den Personalabbau zurückzuführen. Von den 9 200 Stellen, die bis Ende 2003 abgebaut werden sollen, entfallen 5 900 Stellen auf das Privatkundengeschäft und die Vermögensverwaltung.

Insgesamt erzielte die Deutsche Bank im ersten Quartal einen Gewinn vor Steuern von 1,27 Mrd. Euro, der um 39 % über dem Ergebnis des Vorjahresquartals liegt. Damit liegt das Ergebnis weitestgehend im Rahmen der Erwartungen von Analysten. Allerdings ist der Abschluss durch einige Sonderfaktoren verzerrt. "Beim Ergebnis der Deutschen Bank muss man genauer hinsehen", sagte Analyst Dieter Hein vom Credit Lyonnais. Unter Berücksichtigung der im ersten Quartal 2001 angefallenen Goodwill-Abschreibungen in Höhe von 214 Mill. Euro, die der besseren Vergleichbarkeit willen herausgerechnet werden müssten, und der Beteiligungverkäufe, errechnete er vor Steuern ein Minus von 76 %. "Operativ ist die Deutsche Bank nicht gut gelaufen, das zeigt auch die niedrige Steuerposition", so Hein. Der Verkauf von Münchener Rück - und Allianz-Anteilen in den ersten drei Monaten hat rund 835 Mill. Euro in die Kassen gespült, 66 % der gesamten Erträge.

Besondere Aufmerksamkeit schenkt Ackermann der Reduzierung der Kosten und der Steigerung der Rentabilität. Bis 2003 sollen 2 Mrd. Euro eingespart werden. Chief Financial Officer Clemens Börsig sagte vor Analysten, dass 40 % davon bereits in diesem Jahr erreicht würden. Er nannte die Kosten-Einsparungen von knapp 14 % auf rund 6 Mrd. Euro im ersten Quartal "ermutigend", blieb jedoch eine Aussage darüber schuldig, wie stark bestimmte Kosten wie die Boni gekürzt wurden. Die Aufwand-/Ertragsrealtion soll bis 2003 auf 65 % sinken. Im ersten Quartal mußte die Deutsche Bank noch 75 Euro aufwenden, um 100 Euro zu verdienen. Die beiden Sparten CIB (80 %) und PCAM (91 %) sind allerdings weit von diesem Ziel entfernt. Auch die Eigenkapitalrendite liegt mit 5,9 % weit unter dem Konzernziel von 15 % nach Steuern.

Die Risikovorsorge ist mit 270 Mill. Euro zwar unter dem Rekordwert von 556 Mill. Euro des vierten Quartals 2001, ist aber unverändert hoch. Analysten erwarten, das die Risikovorsorge auch in diesem Jahr 1 Mrd. Euro deutlich übersteigen werde.

Quelle: Handelsblatt

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