Activest und Cominvest
Fondsgesellschaften stehen vor Fusion

An der Spitze von Hypo-Vereinsbank und Commerzbank gibt es Befürworter einer Fusion der Fondstöchter Activest und Cominvest. Experten rechnen damit, dass einige unter den deutschen Fondsgesellschaften nicht überleben. Am Markt gilt die zum Münchener Rück-Konzern gehörende Meag als möglicher Aufkäufer.

FRANKFURT/M. Die Konsolidierung in der deutschen Fondslandschaft steht bevor: Als erste Kandidaten für einen Zusammenschluss unter Investmentgesellschaften gelten die Hypo-Vereinsbank-Tochter Activest sowie die zur Commerzbank gehörende Cominvest - allein schon deshalb, weil ihre Mutterhäuser als Fusionskandidaten gehandelt werden.

Nach Informationen des Handelsblatts gibt es an der Spitze beider Banken Befürworter einer solchen Fusion der Fondsgesellschaften. "Derzeit steht meines Wissens in der Investmentbranche keine Fusion auf der Tagesordnung", sagte Andreas Wölfer, Aufsichtsratschef der Activest und Bereichsvorstand der Hypo-Vereinsbank (HVB), in einem Gespräch mit dieser Zeitung: "Wir leben in einer schnelllebigen Zeit. Niemand weiß heute, was in zwei oder drei Jahren ist." Die Activest stehe jedem Zusammenschluss "sehr selbstbewusst gegenüber". Aktuell werde aber nicht konkret mit der Activest verhandelt, sagte ein Sprecher der Cominvest.

Laut Experten würden sich Activest und Cominvest gut ergänzen. Im Publikumsfondsgeschäft haben beide gute Vertriebskanäle. Bei den institutionellen Kunden hat die Activest auf Grund ihrer besseren Abwicklungssysteme die Nase vorn. Im vergangenen Jahr lag sie bei den Spezialfonds mit Nettomittelzuflüssen in Höhe von 8,7 Mrd. Euro auf Platz eins aller Anbieter in Deutschland. Die Cominvest blickt hingegen auf ein schwieriges Geschäftsjahr zurück: Ihr sind 2002 Nettomittel in Höhe von 5,2 Mrd. Euro abgeflossen - als einziger der "großen Sechs", zu denen neben Activest und Cominvest die Häuser DWS, Deka, Union Investment und Allianz Dresdner Asset Management gehören.

Und nun belastet die ungeklärte Zukunft der Mütter Commerzbank und Hypo-Vereinsbank die Verkaufschancen der beiden Kapitalanlagegesellschaften. "Die Zahl der größeren Fondsgesellschaften hängt natürlich von der Zahl der Banken ab", sagt Carsten Wittrock, geschäftsführender Partner bei dem Beratungsunternehmen zeb/asset.management.consult. Die Cominvest, Nummer fünf im deutschen Fondsmarkt, gilt unter den großen deutschen Gesellschaften als die mit der ungewissesten Zukunft. Die ewigen Gerüchte um eine Fusion machten die Lage selbst für die Cominvest-Führung unüberschaubar, sagt ein Branchenexperte: "Die Cominvest tut sich schwer dabei, einzuschätzen, wo die Zukunft hingeht. Dazu sorgt noch die dritte Kostenoffensive für Unsicherheit." Wie auch die ständigen Äußerungen von Klaus-Peter Müller: Der Commerzbank-Chef hatte erst am Donnerstag erklärt, seine Bank sei offen für Fusionen und prüfe mögliche Varianten. Als nahezu einzigen Kandidaten in Deutschland sieht er die HVB.

Die Spekulationen über eine Fusion von Cominvest und Activest fallen in eine Zeit, in der Experten der Branche eine kräftige Konsolidierung vorhersagen. Sie rechnen damit, dass am Markt letztlich nur die ganz Großen und einige Kleine, die profitable Nischen finden, überleben. Der Wettbewerb auf den deutschen Fondsmarkt wird immer härter: Die Gesellschaften leiden unter der schlechten Börsenlage, und viele ausländische Fondsgesellschaften drängen auf den Markt.

Als möglicher Aufkäufer gilt die zum Münchener Rück-Konzern gehörende Meag. Ihr Mutterkonzern ist zwar einer der größten Vermögensverwalter der Welt, doch das Publikumsfondsvermögen lag per Ende Dezember bei lediglich 1,7 Mrd. Euro. Thomas Kabisch, Vorsitzender der Geschäftsführung, wiegelt ab: "Zukäufe stehen auf unserer Prioritätenliste momentan nicht oben. Wir wollen unser Wachstumsziel beim Publikumsvermögen durch organisches Wachstum erreichen." Das soll bis Ende 2005 auf bis zu 5 Mrd. Euro steigen. Bei einer Übernahme komme es Kabisch auch darauf an, ob neue Vertriebskanäle geöffnet würden. Er habe sich zwar nach Kandidaten umgesehen, doch die hätten die Kriterien nicht erfüllt.

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