Ad Hoc
Hand in Hand mit der IG Metall ins Ausland

Die Gewerkschaften haben Weitsicht bewiesen. Aber auf Dauer werden sie nicht verhindern können, dass dem Umsatz auch die Produktion folgt.
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Daimler hat sich mit dem Betriebsrat verständigt: Obwohl die Produktion der C-Klasse partiell nach Amerika geht, gibt es im Hauptwerk Sindelfingen bis 2019 betriebsbedingt keine Kündigungen. Volkswagen hat sich mit Suzuki verständigt, 19,9 Prozent am japanischen Kleinwagenbauer zu übernehmen. Das waren die großen Autogeschichten der letzten Woche. Und sie haben mehr miteinander zu tun, als auf den ersten Blick sichtbar ist.

Daimler und Sindelfingen, das ist ein besonderes Verhältnis, hier ist der rheinische Kapitalismus in seiner luxuriös schwäbischen Ausprägung vorgelebt worden. Nun, in der größten Branchenkrise der Zeit, die Daimler dank hausgemachter Probleme besonders hart getroffen hat, ist das Modell Sindelfingen in die Existenzkrise geraten. Auf den letzten Drücker ist es vorige Woche gerettet worden. Noch einmal hat die Gewerkschaft den Betriebsfrieden retten können, vorerst.

In Sindelfingen hat sich gezeigt, dass die Mitbestimmung trotz aller schmerzhaften Zugeständnisse gestärkt aus der Krise hervorgegangen ist. Mag der Fall Opel mit seinem tragischen Helden Klaus Franz auch einen Sonderfall darstellen, es besteht kein Zweifel, dass die Gewerkschaften zu den Krisengewinnern zählen. Sie mischen mit wie lange nicht, das gilt für Daimler, für Porsche und VW, aber auch für andere Firmen, deren Betriebsvereinbarungen nicht für Schlagzeilen taugen.

Dass die Mitbestimmungsfunktionäre dabei hohes Verantwortungsbewusstsein bewiesen haben, stand schon an anderer Stelle zu lesen. Fakt ist, dass sich gerade die IG Metall sensibel für die besonderen Herausforderungen des Krisenjahres 2009 gezeigt hat. Auch deshalb ist Deutschland zu einem Musterknaben in Europa geworden. Amerikaner, Spanier und Franzosen nehmen Beispiel an den deutschen Maßnahmen, mit denen wir Beschäftigung gesichert haben.

Und was hat das mit Suzuki zu tun? Volkswagen ist der IG-Metall-Konzern schlechthin. Die Beteiligung an den Werken des leutseligen Herrn Osamu Suzuki hat augenfällig gemacht, dass der Weg der Internationalisierung gerade für VW unaufhaltsam ist. Wir müssen uns klar darüber sein, dass "deutsche" Autos, wie es der Münchener Logistikexperte Horst Wildemann sagt, im Prinzip an jeder Stelle dieser Welt gebaut werden können. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass jede Beschäftigungsgarantie, mag sie für Sindelfingen oder Wolfsburg vereinbart sein, nur eine begrenzte Halbwertszeit hat.

Die Diskrepanz zwischen international erzielten Umsätzen und nationaler Wertschöpfung ist nicht nur in der deutschen Autoindustrie gewaltig. Der Druck auf den Dollar hat daher den Zwang, Produktion zu verlagern, nur noch verschärft. Mitbestimmer und Unternehmenslenker müssen sich bewusst sein, dass nicht nur auf das Modell Sindelfingen in den kommenden Jahren weitere schwere Prüfungen zukommen.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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