Ad Scheepbouwer verpasst dem Telekomkonzern KPN eine neue Struktur
Der neue Chef bringt KPN auf Kurs

Ad Scheepbouwer stellt beim niederländischen Telekomkonzern KPN alles auf den Prüfstand. Vor allem die hohen Schulden aus dem Erwerb der UMTS-Lizenzen sollen gedrückt werden.

DEN HAAG. Auf den Gängen in der Führungsetage des KPN-Hauptquartiers ist es mäuschenstill, viele Büros wirken wie ausgestorben. "Die haben alle Personalgespräche", flüstert ein Mitarbeiter. Nicht nur bei der Belegschaft - auch im Management des niederländischen Telekomkonzerns geht die Angst um.

Ausgelöst hat sie Ad Scheepbouwer. Seit November sitzt der als harter Sanierer bei der niederländischen Post bekannte Manager im KPN-Chefsessel: Er schafft Firmenwagen ab, kürzt Spesenkonten, auch das Kantinenessen wird teurer. Die Zahl der zu streichenden Stellen hat er von 4 800 auf 5 200 erhöht, davon werden 2 900 Mitarbeiter entlassen, der Rest geht in Altersteilzeit. "Scheepbouwer stellt alles auf den Prüfstand, ihm ist nichts heilig", erzählt ein KPN-Angestellter, "die Stimmung ist eisig".

Das ist ganz im Sinne des neuen Chefs, denn der will mit den gemütlichen bürokratischen Strukturen im einstigen Staatskonzern aufräumen. KPN drücken 22 Mrd. Euro Schulden bei einem Ergebnis vor Steuern, Abschreibungen und Zinsen von voraussichtlich 3,6 Mrd. Euro Ende vergangenen Jahres. Der Konzern leidet vor allem unter den Kosten für die milliardenteure deutsche UMTS-Lizenz der Tochter E-Plus.

Kapitalerhöhung soll Schulden drücken

Der 57 Jahre alte Scheepbouwer will KPN wieder auf einen profitablen Weg bringen. "Die Basis dafür ist gelegt", sagt er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Der neue Konzernchef hat neue Aktien im Wert von 5 Mrd. Euro an der Börse platziert. Die Kapitalerhöhung sowie Verkäufe von Beteiligungen sollen die Schulden bis Ende dieses Jahres auf etwa 14 Mrd. Euro drücken.

Scheepbouwer hat dem Unternehmen eine neue Struktur verpasst, die sich vor allem an einem orientiert: Effizienz. Aus vier Geschäftsbereichen wurden drei, die sich in weitere Segmente gliedern. Jedes hat klare Umsatz- und Ergebnisziele. "Die Änderung der Firmenpolitik hatte natürlich einen Schockeffekt", sagt Scheepbouwer und sieht dabei ganz zufrieden aus. Früher sei KPN ein Konzern gewesen, der vieles verziehen habe. Das hat er geändert. Schließlich soll KPN schlank und schön werden. Denn in etwa fünf Jahren wird die Mobilfunksparte der Niederländer seiner Meinung nach vermutlich nicht mehr alleine stehen.

Analysten stoßen in das gleiche Horn. KPN sei auf Dauer viel zu klein, um als selbstständiges Unternehmen zu bestehen. Zunächst habe Scheepbouwer aber eine wichtige Hürde geschafft: Der Konzern stehe nicht mehr am Abgrund, heißt es in einer Studie von UBS Warburg. Analysten verlangen von der neuen Konzernführung aber noch weiter reichende Schritte: KPN solle es der British Telecom gleich tun, die Mobilsparte in die Selbstständigkeit entlassen und sich stärker im Festnetzgeschäft engagieren, der Cash-Cow des Konzerns.

In Scheepbouwers Augen ging British Telecom den falschen Weg: "Die Ausgliederung des Mobilfunks hat keine zusätzlichen Werte geschaffen." Ein Börsengang von KPN Mobile komme daher zur Zeit nicht in Frage. Ein Verkauf der deutschen Tochter E-Plus, ist für Scheepbouwer kein Thema: "Das Unternehmen hat großes Potenzial."

Hohe Investitionen für UMTS

Doch das setzt erst einmal hohe Investitionen in den neuen Mobilfunkübertragungsstandard UMTS voraus. Die für den Netzaufbau notwendigen Ausgaben bei KPN schätzen Analysten allein in Deutschland auf etwa 3 Mrd. Euro. Im Gleichschritt mit den Wettbewerbern wollen die Niederländer das UMTS-Netz hochziehen: "Wir werden nicht langsamer als die Konkurrenz sein und auch nicht schneller", sagt Scheepbouwer und wischt damit weitere Fragen zum UMTS-Start vom Tisch.

Mit neuen mobilen Datendiensten nach dem Vorbild des in Japan sehr erfolgreichen I-Mode startet E-Plus im März die Generalprobe für UMTS. "Wenn I-Mode nicht angenommen wird, dann hat die gesamte Branche ein großes Problem", sagt Scheepbouwer. Er gibt sich zunächst zurückhaltend: "Wir erwarten bis Ende des Jahres keine gigantischen Kundenzahlen, wir gehen von weniger als einer Million I-Mode-Nutzer in Deutschland aus."

In Scheepbouwers Zukunftsvision hat UMTS vorerst noch einen festen Platz. Ob als Cash-Cow oder als teures Experiment, da will sich der KPN-Chef nicht festlegen: "Wir brauchen ein paar Jahre Erfahrung mit UMTS, um zu wissen, ob wir die Kosten für die Lizenzen einfach abschreiben sollen". Noch sei es dafür aber zu früh.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%