Adhoc
Wir brauchen mutige Manager mit Ecken und Kanten

Wehe, die auf Windschnittigkeit getrimmten Controller werden zum Muster für den neuen CEO! Gerade in den schwierigen Zeiten, die vor uns liegen, sind identitätsstiftende Persönlichkeiten gefragt.
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Es kommt auf die Persönlichkeit an, hat Axel Heitmann, der Chef von Lanxess gesagt, als er kürzlich vom Econ-Verlag die Auszeichnung "Persönlichkeit des Jahres" verliehen bekam. Über die Schwemme derartiger Auszeichnungen soll an anderer Stelle gestritten werden, Heitmann hat seine These in jedem Fall provokant formuliert: Denn ausgerechnet Persönlichkeit stehe im alltäglichen Geschäft nicht hoch im Kurs.

Nun, die Persönlichkeit Heitmann erschließt sich erst bei genauerem Hinsehen. Auf den ersten Blick wirkt der Manager scheu wie ein nordischer Sparkassendirektor - was zweifelsohne seiner hanseatischen Herkunft geschuldet ist. Andererseits - und das ist entscheidend - der Chef von Lanxess ist ein Kapitän mit Kanten, die Kollegen können ein Lied davon singen.

Seiner mit vornehmer Art vorgetragenen Erfolgsgeschichte verdankt es Heitmann, dass er derzeit gefragt ist wie kaum ein Unternehmenslenker. Zurückhaltung ist chic, die Glaubwürdigkeit der Managerkaste hat schwer gelitten, lautstark auftretende Führungspersönlichkeiten sind aus der Mode, da sich die Republik über jede noch so kleine Bonuszahlung echauffiert als wäre es eine Staatsaffäre.

So ist die Gefahr groß, dass eine Ära der gesichtslosen Gestalten anbricht, deren Vorbild der Typ des in immer gleich dunkles Tuch gekleideten Jünglings sein könnte, wie er morgens kurz vor neun über die Unternehmen herfällt, deren Beratungsaufträge ihr Senior ergattert hat. "Die sehen ja aus wie geklont", sagte jüngst ein Zeitgenosse, nachdem er einer solchen Truppe versehentlich in die Arme gelaufen war. Die äußerliche Austauschbarkeit der Consultants mag für die Beratungsunternehmen gute Gründe haben. Doch darf sie nicht zum Vorbild für die Besetzung der Chefetagen werden. Dort findet sich heute schon genug Personal, das in namhaften Beratungen groß geworden ist. Wehe, die auf Windschnittigkeit getrimmten Controller werden zum Muster für den neuen CEO.

Denn gerade in den kommenden, komplizierten Jahren werden wir Männer und Frauen mit Kanten brauchen, Persönlichkeiten, die bereit sind, im Sturm gerade zu stehen. "Ich will mein Bild nicht in jeder Regionalzeitung sehen", sagte einst ein CEO, der seinem Konzern gerade einen an die Wurzeln gehenden Umbau verordnet hatte. Brav setzen seine Kommunikatoren die Weisung um, die Verantwortung für den Umbau bekam der Deutschland-Chef in die Schuhe geschoben. Nie ging die Strategie der organisierten Verantwortungslosigkeit mehr daneben, es dauerte nicht lange, und der CEO, bis dahin weit gehend unbekannt, fand sich auf dem Boulevard wieder.

Es kommt jetzt nicht drauf an, sich im richtigen Augenblick zu ducken. Gefragt sind mutige Gestalten, Manager, die willens sind, für ihre Entscheidungen gerade zu stehen, ihre Interessen zu verteidigen. Das macht doch den Erfolg vieler Eigentümer-Unternehmer aus: Sie haben Ecken und manchmal Macken, aber sie prägen und stiften damit Identität - und die ist gerade in schwieriger Zeit überlebenswichtig.

Quelle: Pablo Castagnola
Christoph Hardt
Handelsblatt / Ressortleiter
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