Adidas-Chef Herbert Hainer: Der Stürmer

Adidas-Chef Herbert Hainer
Der Stürmer

Nach zwei Jahren an der Spitze kann er eine beeindruckende Erfolgsbilanz vorweisen. Hainer treibt Adidas von Rekord zu Rekord - und das mitten in der Konsumflaute.

MÜNCHEN. Herbert Hainer pflegt sein sportliches Image - schneller, höher, weiter. Der 48-jährige Chef des weltweit zweitgrößten Sportartikelherstellers macht seinem Arbeitgeber alle Ehre. Der Linksfüßler lässt sich im Geschäftsbericht in vorbildlicher Schusshaltung beim Fußballspiel abbilden. Er hält sich fit durch Laufen, fährt ausgezeichnet Ski und achtet auch sonst ebenso auf seine Figur wie auf das passende Outfit. "Man muss schon aufs Stockerl wollen", macht der gebürtige Niederbayer aus seinem Ehrgeiz kein Hehl.

Beruflich erklomm er die Spitze vor zwei Jahren. Der damalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus hatte ihn mit der Sanierung des schwächelnden Sportkonzerns betraut. Hainer zeigte Erfolge. Louis Dreyfus ließ den Marketingexperten dann schneller als angekündigt an die Macht.

Der ehemalige Stürmer des Drittligisten SpVgg Landshut wusste in seiner Karriere immer ganz genau, wann er über die ausgestreckten Beine der Gegner springen musste, und notfalls setzte er mal den Ellenbogen ein. Ex-Finanzchef Dean Hawkins umdribbelte er auf seinem Weg nach vorne wie den Schweden Jan Valdemaar, der ebenfalls Ambitionen auf die Kapitänsbinde bei Adidas hatte.

Seit Amtsantritt hat er eine stolze Erfolgsbilanz hingelegt. Mitten in der Konjunkturkrise stürmt Adidas von einem Umsatz- und Ergebnisrekord zum nächsten. Für dieses Jahr hat er gestern auf der Bilanzpressekonferenz weitere Rekorde angekündigt.

Als er anfing, zählte der Konzern noch zu den Wackelkandidaten im Dax. Doch in den vergangenen beiden Jahren war Adidas zweimal hintereinander die beste Aktie im deutschen Top-Index. Hainer wird inzwischen gefeiert wie so manch einer der vom Konzern gesponserten Spitzensportler. Routiniert lächelt er bei Pressekonferenzen in Kameras und lässt sich beim Skifahren fürs Fernsehen filmen.

Das war nicht immer so: Der bodenständige Chef wurde zu Amtsbeginn nicht gerade mit Vorschusslorbeeren überschüttet. Der jugendlich wirkende Manager erschien gegenüber seinem international erfahrenen Vorgänger eher etwas bieder.

Doch Hainer überzeugte durch Leistung und Teamfähigkeit. Seine Tür steht für die Mitarbeiter fast immer offen. Er gilt als fair und auch unterwegs immer erreichbar. Der Vater zweier Töchter hat keine Berührungsängste beim Umgang mit einfachen Mitarbeitern. "Das hat Adidas sicherlich gut getan", sagt ein Mitarbeiter.

Er ist 150 Tage im Jahr unterwegs, vor allem, um zu sehen, was in den Märkten läuft. Sieht er ein Sportgeschäft, zieht es ihn förmlich an. Er prüft dann, wie die Produkte von Adidas und Salomon präsentiert werden. Er bleibt auch als Chef ein Marketingmann durch und durch.

Bisweilen gilt er als etwas ungeduldig. Ziehen seine Leute nicht im gleichen Tempo mit, kann er ungemütlich werden. "Ich bin schon ein Teamplayer, aber irgendwann muss einer mal ins Tor schießen", sagt Hainer, der immer schnell auf den Punkt kommen will. Seine Stürmer-Qualitäten kann er nicht verhehlen. Bei Vergleichen mit dem ewigen Rivalen Puma reagierte er bis vor kurzem sehr dünnhäutig und aggressiv. Inzwischen erkennt er die Erfolge des kleineren Konkurrenten an.

Einziger Vorwurf, den er sich bei Analysten einhandelt: Hainer gehe bei seinen Prognosen nicht ans Limit. Das ficht ihn aber nicht an. Er will lieber alle seine Ziele übertreffen, als einmal die Latte reißen.

Seine Strategie lässt sich mit "Zurück zu den Wurzeln" charakterisieren. Mit technischen Innovationen wie extrem luftdurchlässigen Laufschuhen oder neuen Dämpfungssystemen betont er die Verankerung von Adidas im Spitzensport. Er sieht in der Innovationskraft das Geheimnis, weshalb sich Sportartikelhersteller in der Konsumflaute besser entwickeln als reine Modekonzerne. Hainer will die letzten Reste des biederen Drei-Streifen-Images mit der Modekollektion von Yamamoto ablegen.

Wird Hainer in der Adidas-Domäne Fußball angegriffen, reagiert er kompromisslos. Als Weltmarktführer Nike den FC Bayern München unter Vertrag nehmen wollte, legte er rund 76 Millionen Euro auf den Tisch und beteiligte sich mit zehn Prozent an dem Club.

Spätestens seither unterschätzt niemand mehr den Stürmer aus der niederbayerischen Provinz.

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VITA

Herbert Hainer wird am 3. Juli 1954 im bayerischen Dingolfing geboren - dem Jahr, in dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit Schuhen von Adidas erstmals Weltmeister wird. Der Amateurfußballer studiert Betriebswirtschaft in Landshut. Seine Karriere beginnt er 1979 beim Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. Dann wechselt er vor 15 Jahren in die Sportartikelbranche zu Adidas. Zu der Zeit regiert noch Firmenerbe Horst Dassler. Hainer macht bei der Marke mit den drei Streifen manche Krise mit. Die letzte spült ihn nach oben. 1999 ernennt ihn Adidas-Sanierer Robert Louis-Dreyfus zu seinem Stellvertreter. Hainer räumt auf: Er wirft ein Fünftel der Produkte aus den Regalen, begräbt die Pläne für eine eigene Freizeitmarke und schafft eine klare Vertriebsstruktur. Im März 2001 übernimmt er schließlich den Chefposten.

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