Adig: Schlechte statistische Ergebnisse
Erfolg durch Nichtstun

Erfolg durch Nichtstun. Diese Anlagephilosophie findet immer mehr Anhänger. Eine neue Auswertung belegt, dass Indexprodukte vor allem auf längere Sicht erfolgreicher sind als aktiv gemanagte Fonds. Wenn Aktienstrategen ihre Portfolios nach Vorgabe eines Börsen- barometers zusammenstellen, können sie kaum Fehler machen.

HB FRANKFURT/M. Mit zunehmender Anlagedauer schlagen immer weniger Fondsmanager die Index-Messlatte. Das belegt eine aktuelle Analyse der Fondsresearchfirma Feri Trust. Aber welche Schlussfolgerungen der Anleger daraus ziehen sollte, darüber gehen die Meinungen auseinander. Vertreter der amerikanischen State Street Global Advisors, einem der weltweit größten passiven Vermögensverwalter mit 600 Mrd. $ Kundengeldern in diesem Segment, raten wegen der geringen Erfolgsquote aktiver Manager eher zu Indexprodukten. Im Hause der Commerzbank-Fondsgesellschaft Adig, mit 5 Mrd. Marktführer bei Index-Publikumsfonds in Deutschland, spricht man dagegen trotz der statistischen Daten von einer herausragenden Leistung der auf Einzeltitelauswahl vertrauenden Manager.

Unter allen in Deutschland angebotenen Aktienfonds mit Ausrichtung auf europäische und internationale Standardaktien erzielten im Jahresrückblick (per Ende Januar) nur 18,4 % bzw. 23,1 % der Fondsmanager eine höhere Wertentwicklung als die entsprechenden MSCI-Indizes. In der Zehnjahresperspektive sinkt die Quote noch weiter. Bei den Produkten für Engagements an den Schwellenbörsen ist die Erfolgsquote höher.

Baisse ist selten vorhersehbar

Klaus Esswein, Geschäftsführer der deutschen Dependance von State Street Global Advisors, fühlt sich von den Daten bestätigt. Er räumt zwar ein, "dass aktive Manager in bestimmten Börsenphasen und bei gutem Händchen eine gute Chance auf Outperformance haben". Doch in vielen Fällen erweise sich die Vorstellung, der Stratege könne eine Baisse voraussehen, durch gezielte Erhöhung der Barquote Risiken abfedern und auf diese die Verluste im Vergleich zum Index eingrenzen, als bloße Wunschvorstellung. "Das klappt nicht", meint Esswein. Anders sei die geringe Quote der Outperformer in den vergangenen 12 schlechten Börsenmonaten kaum zu erklären.

Informationsvorsprünge sind selten

Adig-Geschäftsführer Friedrich Pfeffer wertet dagegen die scheinbar enttäuschenden Erfolgsquoten der aktiven Manager als "tolle Leistung". Dass die Anteile so hoch seien, hätte er nicht erwartet. Er begründet sein Urteil mit zwei wesentlichen Hürden, die die aktiven Manager zu nehmen hätten. Pfeffer: "Wir sprechen bei den europäischen und internationalen Aktienfonds ja über Märkte, die man als recht effizient bezeichnen würde, bei denen also kaum jemand die Chance haben sollte, auf Dauer Informationsvorsprünge zu erzielen, die er in überdurchschnittliche Anlageergebnisse umwandeln kann." Noch dazu fielen bei den aktiv gemanagten Fonds - im Gegensatz zu Indexfonds - Wertpapierhandelskosten an, die die Wertentwicklung belasteten.

Auswahl nach "Risiko- und Spaßprofil"

Pfeffer beantwortet die Frage, wie der Anleger bei der Wahl zwischen aktiv gemanagtem Fonds und Indexfonds entscheiden sollte, auf ganz eigene Weise: "Nach seinem Risiko- und Spaßprofil." Wer auf Nummer sicher gehen wolle, müsse ein Indexprodukt vorziehen. Dafür beraube sich dieser Anleger aber von vornherein der Chance auf eine überdurchschnittliche Rendite. "Der Mutige mit Spaß an der Geldanlage wird den aktiven Fonds nehmen", sagt der Adig-Mann.

In weniger effizienten Märkten steigt die Erfolgswahrscheinlichkeit des aktiven Managers. Auch das belegen die aktuellen Zahlen. Esswein: "Die Märkte sind weniger transparent, es gibt weniger Analysten; da kann ein Einzelner eher Informationsvorsprünge herausarbeiten."

Unabhängig von der Bewertung der aktuellen Ergebnisse ist das Management von Aktienanlagen auf Indexbasis in Deutschland auf dem Vormarsch. Im Jahr 1999 lag die Quote der Aktien-Indexfonds am gesamten Aktienfondsvermögen laut dem heimischen Fondsverband bei 4,8 % Im vergangenen Jahr stieg dieser Anteil auf 7,5 %, entsprechend 12,9 Mrd. Euro. Dennoch gibt es großen Aufholbedarf. In Amerika liegen die Vergleichsquoten weit höher.

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