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Adphos-Aktie bricht nach Prognosekorrektur ein

Die Aktie der am Neuen Markt gelisteten Advanced Photonics AG (Adphos) ist um nahezu zwei Drittel eingebrochen, nachdem der Anbieter von thermischer Prozesstechnologie seine Erwartungen für 2001 drastisch gesenkt hat.

rtr BRUCKMÜHL. Der für den Vertrieb zuständige Vorstandschef John Heugle habe wegen "unüberbrückbarer unterschiedlicher Auffassungen" über die Entwicklung des Lizenzgeschäfts sein Amt nieder gelegt, sagte Finanzvorstand Frank Schoeck am Montag in Bruckmühl.

Statt acht lukrativen Lizenzverträgen erwartet Adphos in diesem Jahr nur noch zwei oder drei weitere. Die Adphos-Papiere fielen zeitweise um über 66 % auf ein neues Allzeittief von 8,72 Euro. Ende Oktober 2000 hatten die Papiere noch 71 Euro gekostet.

Statt eines Umsatzes von 19,89 Mill. Euro rechne Adphos für das laufende Jahr nun nur noch mit 11,47 (Vorjahr: 8,79) Mill. Euro, teilte das Unternehmen weiter mit. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) würden 0,37 Mill. Euro Verlust statt eines Gewinns von 4,93 Mill. Euro erwartet. Auf eine Prognose für 2002 wollte sich Schoeck nicht festlegen. Die Planung werde erst im dritten Quartal gemacht. In den ersten drei Monaten 2001 habe der Umsatz mit 1,51 (1,16) Mill. Euro unter den eigenen Erwartungen gelegen. Der Verlust blieb mit 0,86 (0,87) Mill. Euro gegenüber dem Vorjahr nahezu konstant. Die Produkte von Adphos kämen im Markt langsamer an als gedacht, sagte Schoeck. Die Entscheidungswege bei Großkonzernen, die das Unternehmen als Kunden gewinnen wolle, seien länger als erwartet. "Wir hatten zeitlich einfach andere Vorstellungen über das Lizenzgeschäft", erklärte der Finanzchef die Trennung von Heugle. Schoeck warf ihm strategische Fehleinschätzungen über die Marktdurchdringung vor. Der Aufsichtsrat werde kurzfristig einen Nachfolger bestimmen.

Mit einer Tochter des niederländischen Chemieriesen Akzo Nobel habe Adphos für eine elektrolytische Anwendung seinen dritten Lizenzvertrag vereinbart. Die angestrebten acht Verträge im laufenden Jahr seien aus heutiger Sicht aber nicht zu erreichen, so Schoeck. Die Umsatzerwartungen für das als weit lukrativer angesehene Lizenzgeschäft seien auf 1,9 Mill. Euro von zuvor 6,4 Mill. Euro nach unten korrigiert worden. Noch im März hatte Schoeck gesagt, Adphos sei auf einem gutem Weg, seine Erwartungen zu erfüllen. Die für das zweite Quartal geplante Übernahme eines US-Unternehmens als zusätzlichem Vertriebskanal sei verschoben worden, sagte der Finanzchef. Stattdessen stehe das operative Geschäft im Mittelpunkt. "Wir haben in den vergangenen Monaten nicht die richtigen Prioritäten gesetzt", sagte Schoeck in einer Telefonkonferenz. Die Entwicklungsarbeit sei vernachlässigt worden. Einschnitte beim Personal seien nicht geplant. Die NIR-Technologie, die mit Fast-Infrarot-Strahlen thermische Prozesse verkürzt, habe sich bewährt, betonte er.

Die Adphos-Aktie erholte sich von ihrem neuen Allzeittief im weiteren Handelsverlauf nur leicht. Bis gegen 12.00 Uhr MESZ lagen die Papiere rund 64,6 % im Minus bei 9,12 Euro. Händler führten den Kurssturz auf die enttäuschenden Quartalszahlen und die revidierten Prognosen für das Gesamtjahr zurück. Nach den schwachen Quartalszahlen und den gesenkten Prognosen für 2001 werde auf breiter Front verkauft, sagte ein Händler und fügte hin, die Umsätze seien "gigantisch".

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