Äffare um riskante Geschäfte
WestLB-Arbeitnehmer gehen in die Offensive

Die in die Kritik geratene Bank soll ihre internationale Strategie beibehalten, fordert der Betriebsratsvorsitzende.

DÜSSELDORF. Die Arbeitnehmervertreter der WestLB gehen bei der Neuausrichtung des Instituts in die Offensive. "Die WestLB muss eine international tätige Bank bleiben", fordert der Gesamtbetriebsratsvorsitzende und Aufsichtsrat Gerd-Uwe Löschmann, der auch Aufsichtsrat ist, gegenüber dem Handelsblatt "Ohne eine starke Internationalität rennen wir in eine Sackgasse." Und auch im Eigentümerlager - neben dem Land NRW, die Landschafts- und Sparkassenverbände - herrscht mittlerweile weitgehend Einigkeit, dass die Bank nicht zu einem regionalpolitischen Institut zurecht gestutzt werden darf. Dies sei die Mehrheitsmeinung bei den Treffen des Risiko- und Kreditausschuss vergangenen Mittwoch gewesen.

Die Internationalität der Bank müsse auch durch die Auswahl des neuen WestLB-Chefs deutlich gemacht werden, sagte Löschmann. "Die richtige Wahl ist besser, als die schnellste Wahl." Vorstellbar sei, dass ein Interimschef bestellt werde. Die Arbeitnehmervertreter haben eine entscheidende Stimme bei der Neuausrichtung der WestLB; sie stellen im Aufsichtsrat die Hälfte der 20 Mitglieder.

Eine stärkere Berücksichtigung von Sparkasseninteressen sei sicher nicht nur in der WestLB-Ausrichtung, sondern auch im Vorstand wichtig. "Gleichwohl gehören in den Vorstand neue Banker mit internationaler Reputation."

In den vergangenen Monaten hatten sich wichtige Sparkassenchefs immer wieder über die mangelnde Sensibilität des Ex-WestLB-Chefs Jürgen Sengera im Umgang mit den Instituten beklagt. Unzufrieden sind viele Sparkassenmanager auch mit Robert Restani, dem für Sparkassenbelange zuständigen WestLB - Vorstandsmitglied. "Er ist angezählt," heißt es in Sparkassenkreisen. Da auch Risikovorstand Adolf Frank nach dem Auslaufen seines Vertrages Ende April 2004 ausscheiden wird, hält die Bank gleich nach einem Vorstandsquartett Ausschau.

In den vergangenen Tagen waren eine Reihe von Top- Sparkassen-Managern für den WestLB-Vorstandvorsitz gehandelt worden. Abgewunken hat bereits der Chef der Kreissparkasse Köln, Hans Peter Krämer. "Kein Kommentar", sagte eine Sprecherin der Stadtsparkasse Köln zu einem Wechsel ihres Chefs, Gustav Adolf Schröder, zur WestLB.

Konsequenzen hat das Desaster bei dem britischen Fernsehverleiher Box Clever für die Wirtschaftsprüfer von PWC; ihr Mandat wird Ernst & Young wahrnehmen, heißt es in WestLB-Kreisen. Ernst & Young hat den Sonderprüfbericht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erstellt.

Spekulationen, die BaFin habe der WestLB eine Frist für Konsequenzen aus dem Prüfbericht bis zum morgigen Freitag gesetzt, sind nach Informationen des Handelsblattes falsch.

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