Ähnliche Probleme wie heute der Neue Markt
Beharrlichkeit führte die Nasdaq zum Erfolg

Auch die Geschichte der Nasdaq begann mit Rückschlägen. Die Existenzberechtigung des Neue-Markt-Vorbildes wurde indes nie in Frage gestellt. Konzerne wie Microsoft oder Intel sind nur Beispiele dafür, was die Technologiebörse hervorgebracht hat. Auch am Neuen Markt gibt es solide Firmen mit guten Zukunftsaussichten.

NEW YORK/FRANKFURT/M. Der frühere Präsident der Nasdaq Gordon Macklin erinnert sich an die Anfangszeiten der Nasdaq noch sehr genau. "Wir starteten 1971 mit einem Indexstand von 100, drei Jahre später lag er nur noch bei 56. Die neuen Aktien hatten fast die Hälfte ihres Wertes verloren." Ziemlich hässlich sei die Situation an den Aktienmärkten damals gewesen - ähnlich wie heute. Die Nasdaq fing an, als gerade eine Spekulationsblase bei den Technologiewerten geplatzt war. "Doch aufgegeben hätten wir nie, und die Zeit hat uns recht gegeben", sagt Macklin, der die Nasdaq von ihren Anfängen bis 1987 geführt hat.

Heute ist die Nasdaq trotz der jüngsten Kurseinbrüche der nach Aktienvolumen gemessen größte Handelsplatz der Welt. Die Zahl der gelisteten Unternehmen hat sich auf 5000 erhöht, die Handelsvolumina potenziert: Wurden in den Anfangsjahren weniger als eine Milliarde Aktien pro Jahr gehandelt, sind es heute 1,6 Mrd. Stück am Tag. Technologie-Riesen wie Intel, Microsoft, Apple oder die Telefongesellschaft MCI konnten nur durch die Nasdaq an das Anlegerkapital kommen, das sie zu dem machte, was sie heute sind.

Nasdaq bildet Plattform für US-Technologiedominanz

Wie der Neue Markt hatte auch die Nasdaq turbulente Anfangsjahre: Skandale hat es ebenso gegeben wie System-Zusammenbrüche. Doch die Nasdaq hat sich für junge technologische Pionierunternehmen zum unverzichtbares Forum entwickelt. "Die Nasdaq hat nicht nur Aktienkapital in die Unternehmen geschleust, sie hat überhaupt die öffentliche Aufmerksamkeit auf junge Start-ups gelenkt", ist sich Macklin sicher. Sie habe indirekt dafür gesorgt, dass auch mehr Venture Capital in erfolgversprechende Neugründungen geflossen ist und fließt. Damit habe sie die finanzielle Plattform zur späteren weltweiten Dominanz von US-Unternehmen im High-Tech-Bereich geliefert.

Lange Zeit litt auch die Nasdaq so wie der Neue Markt in der aktuellen Situation unter Imageproblemen. Doch seit große High-Tech-Konzerne auch im Dow Jones Index vertreten sind, ist das vorbei, glaubt Macklin.

Technologiebörsen sind ein Pakt auf die Zukunft

Eine zentrale Handelsplattform ist für Macklin eine Bedingung für den Erfolg. Zum einen ergebe sich dadurch die Möglichkeit, die gelisteten Firmen strenger zu beaufsichtigen, zum anderen fördere sie die Transparenz. Vor der Gründung der Nasdaq sei das gesamte Geschäft mit Nebenwerten in einzelnen Brokerhäusern gelaufen, die wenig über die Preise des anderen wussten. Die Vorteile einer eigenen Technologiebörse liegen für Macklin auf der Hand: "Sie liefert gute Information über die Unternehmen, sorgt für einen fairen Handel und ist ein Pakt mit der Zukunft."

Dass den enormen Chancen, die Aktie eines Erfolgskonzerns der Zukunft zu erwischen, auch ein hohes Ausfallrisiko gegenüber steht, auch das hat die Nasdaq vorexerziert: Ein nicht unerheblicher Teil der Gesellschaften verschwindet Jahr für Jahr vom Kurszettel und wird durch neue Hoffnungswerte ersetzt. Dass die Nasdaq-Indizes in den vergangenen Monaten deutlich weniger gelitten haben als die des Neuen Marktes, ist im wesentlichen auch darin begründet, dass der Neue Markt in seiner Euphoriephase einen bedeutend steileren Anstieg verzeichnet hat. Zusätzlich führte das unglückliche Zusammentreffen aus schlechten Unternehmensmeldungen und schwächelnder Konjunktur nach Ansicht von Wassili Papas, Fondsmanager bei Union Invest, zu dem Einbruch, der aus heutiger Sicht dramatisch ist.

Seit seinen Höchstständen hat aber auch der Nasdaq-Composite-Index rund zwei Drittel eingebüßt. In den USA wird diese Entwicklung nüchterner als hier zu Lande bewertet, nämlich als vorübergehende Baisse. Auch in Deutschland gibt es erste Hinweise auf eine nahe Wende. Michael Fraikin von der Fondsgesellschaft Invesco beobachtet beispielsweise nach leichten Abflüssen im August im September wieder Zuflüsse in seinen Neue-Markt-Fonds. "Die Anleger wollen weiter in diesen Bereich, gehen aber nach schlechten Erfahrungen lieber in Fonds anstatt selbst zu investieren".

Trotz einer Welle von Gewinnwarnungen und dem Absacken von Nemax und Nemax 50 unter die 1 000-Punkte-Marke, halten Experten nichts von einer kompletten Abkehr aus dem Neuen Markt: "Dass im ersten Halbjahr im Nemax 50 immerhin etwa 20 Unternehmen satte Gewinne geschrieben haben und auch für die Zukunft gut aufgestellt sind, darauf wird aktuell überhaupt nicht eingegangen", bemängelt Christian M. Kahler, Neuer-Markt-Stratege bei der DG-Bank. Thiel, Medion, Internationalmedia, Qiagen, Singulus, SAP SI, Pfeiffer Vacuum oder Aixtron seien auch in Zukunft interessante Anlagewerte.

Anleger nutzen zurzeit auch kleine Gewinne zum Verkauf

Momentan überlagert die Verunsicherung der Anleger jedoch auch positive Unternehmensentwicklungen. Zwar gab es in der gerade abgelaufenen Berichtssaison nach einer Aufstellung der DG-Bank im Nemax 50 mehr negative als positive Überraschungen (siehe Tabelle). Doch auch die Aktien der Gesellschaften, die die Planungen übertrafen, stehen auf den Verkaufslisten. Nur: Jedes dritte Unternehmen konnte die Erwartungen auch auf teilweise niedrigem Niveau nicht erfüllen. Geringe Kursgewinne werden auf Grund der schlechten Stimmung schon zum Ausstieg genutzt: "Wenn eine Aktie ein paar Prozent gestiegen ist, wird sofort verkauft. Vor eineinhalb Jahren wurde sofort zugekauft, wenn es ein bisschen nach unten ging", so Fonds-Manager Fraikin. Seine Gesellschaft ist weiter an etwa 100 der 342 am Neuen Markt gelisteten Unternehmen beteiligt, nur 25 davon stammen aus dem Nemax 50. "Wenn die Weltbörsen drehen, bin ich auch für den Neuen Markt wieder optimistisch", verbreitet Fraikin Zuversicht.

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