Ähnliche Trends in USA und Deutschland
Immer mehr Fonds werden geschlossen

Die Konzentration in der Finanzbranche und die jüngste Börsenbaisse hinterlassen ihre Spuren in der internationalen Investmentbranche: In den ersten drei Monaten 2003 wurden in Deutschland nach Branchenangaben insgesamt 78 Investmentfonds wegen Kapitalvernichtung oder Unrentabilität geschlossen oder mit anderen zusammengelegt. Das sind mehr als in den jeweiligen Gesamtjahren 1998 bis 2002.

HB/Bloomberg/Reuters DÜSSELDORF/NEW YORK. In den USA wurden im ersten Quartal 179 Investmentfonds geschlossen oder zusammengelegt - 34 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Vergangene Woche traf es zwei Technologiefonds von Amerindo Investments. Nach drei Jahren Baisse und Kapitalabflüssen war ihr Anlagekapital auf unter 5 Mill. $ geschrumpft. Sie hatten in vermeintlich aufstrebende Firmen investiert.

Auch in Deutschland sind nach Aussage von Andreas Fink, Sprecher des Bundesverbandes Investment und Asset Management (BVI) in Frankfurt, Fonds geschlossen worden, da Aktien, in die sie investiert waren, an Wert verloren hatten. Mittelabflüsse verzeichneten den BVI-Angaben zufolge im ersten Quartal vor allem aus Aktienfonds mit - 738 Mill. . Unter den Branchenfonds ragten Finanzwerte- Fonds mit - 147 Mill. hervor, gefolgt von Telekom-Fonds mit - 133 Mill. und Biotech-Fonds mit - 128 Mill.

Als Hauptgrund für die Fondsschließungen nannte Fink allerdings die Fusion von Allianz und Dresdner Bank im Jahr 2002. Dies habe dazu geführt, dass nun etwa 30 bis 40 Fonds zusammengelegt oder geschlossen worden seien. Und die Deutsche-Bank-Tochter DWS habe nach der Übernahme der Fondstochter Franken Invest der SchmidtBank und der Zürich Invest 40 bis 50 Fonds aufgelöst. Im übrigen habe die Zahl der Fonds insgesamt weiter auf 2 489 zugenommen, sagte Fink.

Analysten zufolge liegt die kritische Schwelle für einen Fonds bei 100 Mill. $ Anlagekapital. Die Zahl der US-Fonds, deren Volumen darunter sank, stieg in den vergangenen drei Jahren um 30 % auf 2 750. Auf diese Portefeuilles entfällt bereits fast die Hälfte der vom Analysehaus Morningstar beobachteten Fonds.

Der Bärenmarkt war eine "zweifache Attacke" auf die Fonds, fügt Russ Kinnel, Leiter Fondsanalyse bei Morningstar hinzu. Die Kursverluste haben den Wert der Anlagen geschmälert und Investoren dazu bewegt, Fondsanteile abzustoßen. Doch nicht allen Fonds mit einem Anlagekapital unter 100 Mill. $ drohe das Aus, sagen Analysten. Gesellschaften mit großen, profitablen Fonds können Verluste kleinerer verkraften.

Die Zunahme der Fonds, deren Kapital unter 100 Mill. $ sank, wurde dadurch beschleunigt, dass neues Kapital zunehmend zu einigen wenigen Fondshäusern fließt. Im vergangenen Jahr zogen laut Financial Research Corp. drei Fonds-Familien - American Funds, Vanguard Group und Pacific Investment Management Co. - 70 % der Netto-Neuinvestments an.

Hat sich in den 90er-Jahren die Zahl der Investmentfonds, die in Aktien oder Anleihen investieren, fast verdreifacht, gibt es nun zu viele Fonds für zu wenig Kapital etwa im Technologiebereich. Wenn das Tempo der Schließungen anhält, wird es laut Experten in einigen Jahren deutlich weniger Fonds geben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%