Änderung der Rechnungslegungs-Regeln verschleiern wahren Zustand der Versicherung
Assekurata: Mehr Transparenz bei Bilanzen der Lebensversicherer

Es scheint sich ein Teufelskreis in der Lebensversicherung anzubahnen: Gesellschaften, die schwach auf der Brust sind, halten aus Wettbewerbsgründen an überhöhten Gewinnzusagen für die Versicherten fest und gefährden dadurch zusätzlich ihre finanzielle Situation. Das ermöglichen neue Bewertungsvorschriften für Wertpapiere, ohne dass der Verbraucher die Chance habe, dieses gefährliche Spiel zu durchschauen.

rl KÖLN. Davon sind Kölner Professoren und die Assekuranz Rating-Agentur Assekurata überzeugt. Sie fordern daher von Finanzminister Hans Eichel, dass er die Bilanzerleichterungen für Versicherer zumindest mit höheren Transparenzansprüchen verknüpft. Dafür sprechen sich auch die Wirtschaftsprüfer aus.

Hintergrund: Die Versicherer haben bei der Regierung mehr Spielraum für die Bewertung ihrer Wertpapiere durchgesetzt. Rückwirkend zum 30. September 2001 soll demnächst § 341b im Handelsgesetzbuch geändert werden. Diese Vorschrift sah bislang vor, dass jeder Kursverlust sofort abgeschrieben werden muss. Künftig soll es analog zu den Vorschriften für Banken ein Wahlrecht geben, mit der Folge, dass nur als dauerhaft angesehene Kursverluste abgeschrieben werden müssen. Abschreibungen schmälern den Ertrag.

Prof. Oskar Goecke, Köln, befürchtet nun, dass Versicherer auf Abschreibungen verzichten könnten, um die Gewinnbeteiligung hoch zu halten. Diese sei im Wettbewerb um Riester-Verträge ein wichtiges Vertriebsargument.

"Neue Anpassungsrunde absehbar"

Auch Assekurata-Geschäftsführer Reiner Will sorgt sich, dass notwendige Korrekturen bei Renditeversprechen unterbleiben. Im Zweifel gebe eine Gesellschaft Prognosen ab, die sie nicht einhalten könne. "Eine neue Anpassungsrunde ist daher absehbar", meint Will.

Übertriebene Feinjustierung der Anlageergebnisse gefährde den Ruf der gesamten Branche. Dass die Versicherer sich in dieser Situation nicht gern in die Bücher schauen lassen, spürt Assekurata bei der täglichen Arbeit: Die Lebensversicherer scheuen derzeit Folgeratings.

Das Argument, mit der neuen Bilanz-Regeln würden Versicherer Banken gleich gestellt, ist für Prof. Hans-Peter Mehring von der Fachhochschule Köln nicht stichhaltig. Banken hätten mit 3,4 % der Bilanzsumme viel weniger Aktien als Versicherer mit etwa 20 % ihrer Anlagen. Außerdem dienten sie nicht der Absicherung der Bankgeschäfte.

Die Versicherer begründen die Neuregelung ferner mit der Annäherung an internationale Bilanzierungsregeln. Dort seien Wertänderungen jedoch nachvollziehbar, kontert Mehring. Daher sollte detaillierte Zeitwertangaben zur Pflicht werden und die "stillen Defizite" offen ausgewiesen werden.

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