Änderung der Wahlkampfstrategie
PDS sucht Ausweg aus Gysi-GAU

Parteichefin Gabi Zimmer räumte ein, dass sich die PDS durch die Affäre Gysis und seinen Rückzug in einer "blöden Situation" befinde. Die Partei müsse sich jetzt "zusammenreißen".

ddp/HB BERLIN. Nach dem Rücktritt des PDS-Aushängeschildes Gregor Gysi (PDS) vom Amt des Berliner Wirtschaftssenators will die PDS mit einer veränderten Wahlkampfstrategie den Wiedereinzug in den Bundestag sichern. Vorstand und Wahlkampfleitung wollten am Vormittag über die Konsequenzen für den Wahlkampf nach dem Rücktritt Gysis beraten.

Zimmer betonte, die Partei habe mit Gysi im Wahlkampf gerechnet. Nun müsse sich die PDS Gedanken machen, worauf sie "nun stärker setzt". Der stellvertretende Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter (PDS) forderte, die PDS müsse ihre Wahlkampfstrategie neu ordnen. Nach seiner Einschätzung steht die PDS derzeit "unter Schock". Holter warnte, es wäre "schlimm", wenn der PDS die parlamentarische Bühne im Bund verloren ginge und nur die Regierungsbeteiligungen in Schwerin und Berlin übrig blieben. PDS-Fraktionschef Roland Claus ging dennoch davon aus, dass sich Gysi "aktiv" in den PDS-Wahlkampf einschalten wird.

Falls die PDS bei der Bundestagswahl am 22. September nicht den Wiedereinzug schafft, steigen die Chancen einer möglichen gelb-schwarzen Koalition auf eine Mehrheit erheblich. Bereits in einer am vergangenen Mittwoch veröffentlichten Forsa-Umfrage kämen CDU/CSU und FDP zusammen auf 51 Prozent der Wählerstimmen. In dieser Umfrage erreicht die PDS noch fünf Prozent. Die Union kommt auf 42 Prozent, die FDP neun Prozent. Die SPD schafft demnach 35 Prozent, die Grünen blieben bei sechs Prozent.

Die Union bezweifelt derweil, dass die PDS nach dem Rücktritt Gysis den Wiedereinzug in den Bundestag schafft. Unions-Fraktionschef Friedrich Merz (CDU) sagte, die PDS habe mit Gysi ihre "Galionsfigur" und den "Meister aller Talkshows" verloren. Merz nannte zuleich die Bonusmeilenaffäre Gysis als vorgeschobenen Rückrittsgrund. Gysi habe als Wirtschaftssenator "erkennbar keine Freude" und auch keinen Erfolg gehabt. PDS-Chefin Zimmer widersprach, Gysi habe "schwierige Situationen immer als Herausforderung begriffen". Für den Leiter der Stasi-Gedenkstätte Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, ist mit dem Rücktritt von Gysi der Untergang der PDS eingeläutet. Gysis Schritt sei der "Anfang vom Ende der PDS", sagte Knabe.

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