Änderungen in Planung
Ab Montag gilt neues Börsengesetz

Änderungen im Börsengesetz werden künftig die Stellung der Börsen in Deutschland gegenüber den bei ihnen gelisteten Unternehmen stärken. Durch die am Montag in Kraft tretenden Änderungen erhält die Deutsche Börse als Betreiberin der Frankfurter Wertpapierbörse (FWB) erstmals die Möglichkeit, Aktienmarktsegmente wie den Neuen Markt in der Börsenordnung zu verankern.

Reuters FRANKFURT. Unternehmen an solchen Segmenten würden damit öffentlich-rechtlich und nicht privatrechtlich fixierten Verpflichtungen unterliegen, die nach Ansicht von Rechtsexperten weniger leicht angreifbar sind. Zuletzt hatten sich Firmen des weitgehend privatrechtlich organisierten Neuen Marktes vor Gericht erfolgreich gegen die so genannte "Penny-Stock-Regel" gewehrt, die unter anderem einen Ausschluss der Unternehmen bei Kursen unter einem Euro vorsieht. "Wir prüfen derzeit unsere Möglichkeiten und diskutieren mit Marktteilnehmern", sagte eine Sprecherin der Börse mit Blick auf Veränderungen des Börsengesetzes.

Anlegerschutz stärken

Die Änderungen im Börsengesetz sind Teil des 4. Finanzmarktförderungsgesetzes, mit dem der Gesetzgeber unter anderem den Anlegerschutz stärken sowie die Berichtspflichten der Firmen verschärfen will. Beispielsweise müssen Unternehmensvorstände und Aufsichtsratsmitglieder sowie deren enge Verwandte ab Montag Käufe und Verkäufe von Aktien des entsprechenden Unternehmens veröffentlichen. Eine ähnliche Regelung gilt bislang nur für Unternehmen des Neuen Marktes.

Neue Aktienmarkt-Segmentierung in Arbeit

In Vorgriff auf die Neuregelung arbeitet die Deutsche Börse nach früheren Angaben von Vorstandsmitglied Volker Potthoff gemeinsam mit Markteilnehmern an einem Aktiensegment mit international vergleichbaren Zulassungsstandards unter dem Arbeitstitel "Xetra Prime". Dessen Regelwerk werde sich an dem Reglement des Neuen Marktes orientieren, der nicht zur Disposition stehe, hieß es damals. Zuvor waren Forderungen laut geworden, das Wachstumssegment wegen seines angeschlagenen Rufes völlig neu zu fassen oder umzubenennen.

Es sei daran gedacht, dass die bekannten Indizes wie Dax, MDax, Nemax oder SDax unter "Xetra Prime" fallen sollen, hatte es am Rande der Hauptversammlung im Mai geheißen. Die Einführung der neuen Segmentierung ist nach Börsenangaben Anfang 2003 denkbar. Die Entscheidung obliegt dem Börsenrat, der das nächste Mal im Oktober tagt. Neben "Xetra Prime" soll es den Angaben zufolge auch weiter ein Einstiegssegment mit niedrigeren Barrieren für börsenwillige Unternehmen geben. Unter Experten wird spekuliert, die Zulassung zu Xetra Prime könnte auch eine Mindestmarktkapitalisierung beinhalten, so dass das viel diskutierte Problem der "Penny-Stocks" damit weitgehend gelöst sei.

Vom Standard zum Auslaufmodell

Ab Montag wird es auf Grund der gesetzlichen Neuregelung keine amtliche Kursfeststellung mehr geben, wodurch die Funktion des seit 100 Jahren existierenden Amtlichen Kursmaklers entfallen wird. Der "Amtliche Handel" wird daher in "Amtlicher Markt" umbenannt. Außerdem wird nach einer dreijährigen Übergangsfrist die Pflicht der Börsen, einen Präsenzhandel vorzuhalten, entfallen. Dies könnte das Ende des Parketthandels bedeuten, zumal bereits heute mehr als 98 Prozent der inländischen Aktien über das elektronische Handelsystem der Deutschen Börse Xetra laufen. Selbst Börsenmakler wie Bruno Kling, Gründer und Vorstand der Kling, Jelko Wertpapierhandelsbank (KJW), hatten das Parkett, ursprünglich das Synonym für Börsenhandel schlechthin, kürzlich als "Auslaufmodell" bezeichnet.

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