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Äpfel und Birnen

In dem Bestreben, den Vormarsch des Open-Source-Betriebssystems Linux zu stoppen, ist Microsoft sehr phantasiebegabt.

Was hat die Redmonder Softwareschmiede nicht schon alles unternommen, um weiter sein Quasi-Monopol zu verteidigen. Kämpfe vor Gericht wurden ausgetragen, teure Kompromisse geschlossen, hohe Abfindungen gezahlt, Konkurrenten übernommen. Vielleicht klärt sich später auch mal, welche Rolle das größte Softwarehaus der Welt mit dem Vorgehen der kleinen Softwareschmiede SCO zu tun hat. Denn von den Klagen, mit denen SCO ihre Rechte auf bestimmte Programmzeilen im eigentlich ja freien Betriebssystem Linux geltend machen will, profitiert im Grunde nur Microsoft.

Wenn die vor kurzem getroffenen Entscheidungen des Deutschen Bundestages und der Stadt München für Linux die Redmonder Company auch schmerzen, weil dies nicht gerade gut fürs Renommee ist, so kann sie dies durchaus verkraften. Was sind schon 5.000 beziehungsweise 14.000 PC der beiden Behörden gegenüber etwa 135 Millionen PC, für die das Betriebssystems ansonsten jährlich verkauft wird. Die Ausgangsrechnung: auf etwa 90 Prozent der in diesem Jahr knapp 150 Mill. PC, die weltweit abgesetzt werden, steuert die Software von Bill Gates das Zusammenspiel von Hard- und Software.

Aber wenn nun gleichzeitig die Regierungen von Japan, China und Südkorea, nach Alternativen zum beherrschenden MS-Betriebssystem aufrufen, da gewinnt das selbst für Microsoft eine völlig neue Dimension und löst die Alarmglocken aus.

Da kommt eine Studie von Forrester Research und der Giga Information Group gerade gelegen. Die haben herausgefunden, dass Windows Preisvorteile gegenüber Linux hat - langfristig betrachtet. Rechnet mal alles zusammen, was für die Einrichtung eines PC-Arbeitsplatzes an Kosten anfällt, so schneide Windows besser ab. Na ja, die Sache hat dann doch einen Haken: Microsoft hat diese Studie finanziert. Und gäbe es da nicht andere Untersuchen, die genau zum gegenteiligen Ergebnis kommen - finanziert in der Regel von den Protagonisten des Open Source - könnte man es fast glauben.

Nur eins ist sicher: Gäbe es keine Standards, müssten also die Entwickler ihre Programme für eine Vielzahl von Plattformen entwickeln, wäre niemandem geholfen. Bei zwei konkurrierenden Systemen ist das noch kein gravierendes Problem.

An den Studien verdienen somit nur die Analysten, die sie erstellen. Die einen beißen halt in einen Apfel, die anderen in eine Birne. Wem was besser mundet, entscheidet einzig und allein der Geschmack. Wie am Ende bei den beiden konkurrierenden Betriebssystemen.

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