Ära Schinzler geht zu Ende
Münchener Rück-Aktionäre ziehen kritische Bilanz

Die Aktionäre der Münchener Rück haben auf der letzten Hauptversammlung von Hans-Jürgen Schinzler als Vorstandschef eine kritische Bilanz seiner Ära gezogen. "Wir haben alle Höhen und Tiefen des Aktionärslebens in ihrer Amtszeit erlebt", sagte Klaus Schneider von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) am Mittwoch in München.

HB/dpa MÜNCHEN. Er und andere Anteilseigner bemängelten auch strategische Fehlentscheidungen, die zum dramatischen Kursverfall der Münchener Rück-Aktie mit beigetragen hätten. Insgesamt kam Schinzler aber vergleichsweise glimpflich davon. Es gab auch Beifall für das Lebenswerk des zurückhaltenden 62-Jährigen, der seit fast 35 Jahren in Diensten des weltgrößten Rückversicherers steht.

Schinzler will Ende des Jahres in den Aufsichtsrat wechseln. Aktionärsschützern stößt dabei insbesondere auf, dass er dort sofort den Vorsitz übernehmen will. Dieser in Deutschland durchaus übliche Automatismus stand in den vergangenen Monaten schon bei HypoVereinsbank und Allianz im Kreuzfeuer der Kritik, weil Albrecht Schmidt und Henning Schulte-Noelle ebenfalls ihre Nachfolger von höchster Stelle kontrollieren wollen. "Es sollte mit dem Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden ein Schnitt gemacht werden", sagte Schneider.

Ähnlich äußerten sich Vertreter der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der großen Fondsgesellschaften. Nach ihrer Einschätzung ist es für den neuen Vorstandschef schwieriger, Fehlentscheidungen seines Vorgängers zu revidieren, wenn dieser den Chefposten im Kontrollgremium innehat.

Schinzler erkannte an: "Ich habe großes Verständnis, dass sie den Wechsel mit Skepsis begleiten." Sein Nachfolger Nikolaus von Bomhard sei aber Manns genug, eigene Entscheidungen zu treffen. Er werde sich auch nicht dagegen sperren, wenn Schritte aus der Ära Schinzler rückgängig gemacht werden sollten.

Schinzler hat den Konzern in den vergangenen Jahren entscheidend geprägt. Unter seiner Führung wurde aus vielen kleineren Beteiligungen die zweitgrößte deutsche Erstversicherungs-Gruppe Ergo geschmiedet. Im Sinne eines Allfinanz-Konzepts übernahm die Münchener Rück zudem mehr als 25 Prozent an der Hypo-Vereinsbank und setzte ihre Auslandsexpansion fort. "Sie haben aus einem eher verschlafenen, nationalen Rückversicherer einen Global Player gemacht", sagte DSW - Sprecherin Daniela Bergdolt.

Allerdings tritt Nachfolger Bomhard keinen leichten Job an. Schinzler räumte Fehleinschätzungen bei der Anlage-Strategie ein. "Wir haben nicht gesehen, dass der Kursverfall derart dramatisch ist", sagte er. Die Folge waren milliardenschwere Abschreibungen, die den Gewinn des Rückversicherers auch noch in diesem Jahr massiv drücken werden. Zudem erwies sich die Übernahme der American Re bisher als Milliardengrab. Dass die Beteiligung an der Hypo-Vereinsbank wieder reduziert wird, deutete auch Schinzler bereits an. SdK-Sprecher Schneider sagte denn auch zu dem scheidenden Vorstandschef: "Ihr Nachfolger muss sich mit einigen Baustellen beschäftigen."

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