Ärger über Zwangsarbeiter-Anwälte
Zwangsarbeiter in 25 Ländern erhalten Zahlungen

Erleichtert, aber auch empört über den langwierigen Entschädigungsprozess und die hohen Anwaltshonorare haben die ersten von rund 10 000 jüdischen Ex-Zwangsarbeitern ihre Zahlung aus dem deutschen Stiftungsfonds erhalten.

dpa NEW YORK/ BERLIN/PRAG. "Dies ist kein Grund zum Feiern, zum Gratulieren oder Danken", sagte Israel Singer, Vorsitzender der für die Entschädigung von Juden zuständigen Kommission bei der offiziellen Übergabe der Schecks am Dienstagabend in New York.

Die Jewish Claims Conference (JCC) ist damit beauftragt, Juden in 25 Ländern für ihre erzwungene Arbeit in Konzentrationslagern, Gettos oder der deutschen Industrie während der NS-Zeit zu entschädigen. Die Zahlungen liegen je nach Härte der damaligen Bedingungen zwischen 14 000 und und 5 000 DM.

«Nach all diesen Jahren habe ich jetzt das Gefühl, wenigstens für die geleistete Arbeit bezahlt zu werden», sagte der ehemalige Zwangsarbeiter Aaron Krell bei der JCC-Veranstaltung in New York. Der Stiftungsvorsitzende und deutsche UN-Botschafter, Dieter Kastrup, verwies darauf, dass "ein wichtiges Kapitel geschlossen" sei.

Kritik an hohen Anwälte-Honoraren

Heftige Kritik übte der JCC-Vizepräsident Roman Kent an den aus seiner Sicht überzogenen Honoraren der Zwangsarbeiter-Anwälte. Kent nannte die Forderungen der Anwälte "obszön". "Hier geht es nicht um Recht, sondern um Moral. Nichtsdestotrotz werden die Anwälte zu Millionären. Ich schäme mich, an den Verhandlungen (mit ihnen) beteiligt gewesen zu sein. Der einzige Trost ist, dass wenigstens diese Überlebenden noch erfahren, dass es moralische Gerechtigkeit gibt".

Die 51 an dem Prozess beteiligten Anwälte in München, New York und Washington erhalten insgesamt 118 Mill. DM (52 Mill. $), in Einzelbeträgen bis zu 34,5 Mill. DM (15 Mill. $). In Prag gab am Mittwoch der tschechische Regierungsbeauftragte Jiri Sitler zu, einige dieser Summen seien "tatsächlich relativ hoch". "Es gibt aber positive Beispiele wie die Anwälte der Opferverbände aus Ost- und Mitteleuropa", die "im Interesse der Sache" auf einen Teil ihrer Honorare verzichteten.

Tschechien erhält als erstes Land Entschädigungszahlungen

Sitler warnte davor, nach den Verhandlungen einen Konflikt auf dem Rücken der Opferanwälte auszutragen. "Man sollte nicht vergessen, dass auch große Juristenteams für die deutsche Industrie gearbeitet haben." Diese Anwälte seien sicher ebenfalls gut bezahlt worden, betonte Sitler. Als erstes Land hatte Tschechien am Dienstag mit der Auszahlung von Entschädigungen an 10 000 ehemalige NS-Zwangsarbeiter begonnen.

Nach dem Beginn der Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern sieht der Bundesbeauftragte Otto Graf Lambsdorff seine Arbeit für die Nazi-Opfer als erledigt an. Er könne seinen Auftrag in der kommenden Woche zurückgeben, sagte Lambsdorff am Dienstag in Budapest bei einer Bilanz seiner zweijährigen Tätigkeit im Auftrag von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Antragsfrist bis Ende 2001 verlängert

Die Bundesstiftung hatte am Freitag eine erste Abschlagszahlung von rund 210 Mill. DM (107 Mill. ?) an drei Partner- Organisationen überwiesen, 56 Mill. DM davon an den deutsch- tschechischen Zukunftsfonds. In Tschechien wurde eine erste Rate an 2 500 ehemalige KZ-Insassen und an 7 500 der ältesten NS-Opfer gezahlt. Je nach Zugehörigkeit zu einer Opfergruppe erhalten die ehemaligen Zwangsarbeiter aus dem von Staat und Wirtschaft gespeisten 10- Mrd.-DM-Fonds 5 000 bis 15 000 DM.

Die schon einmal auf den 11. August verlängerte Antragsfrist für die Zwangsarbeiter-Entschädigung wird nun voraussichtlich bis Ende 2001 verlängert. Darauf hatten sich die Fraktionen des Bundestages verständigt. Der Bundestag wird wahrscheinlich schon in der nächsten Woche die notwendige Änderung im Stiftungsgesetz beschließen.

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