Aeroflot-Büro aus Protest gegen Tschetschenien-Krieg besetzt
Hoffnung auf bessere Zusammenarbeit bei EU-Russland-Gipfel

Am Montagmorgen begann in Paris ein Treffen der Europäischen Union und Russland. Dabei soll es unter anderem um verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen.

afp PARIS. Mit der Hoffnung auf eine bessere Zusammenarbeit hat am Montagmorgen in Paris ein Gipfeltreffen der Europäischen Union und Russlands begonnen. Erstmals seit seiner Wahl im März besuchte der russische Präsident Wladimir Putin die französische Hauptstadt, wo er vom derzeitigen EU-Ratspräsidenten, Frankreichs Präsident Jacques Chirac, und EU-Kommissionspräsident Romano Prodi im Elysée-Palast empfangen wurde. Putin hatte in einem am Sonntag ausgestrahlten Interview eine spürbare Annäherung Russlands an die EU nicht ausgeschlossen. Er halte "in einem bestimmten Stadium" einen "Integrations-Charakter" in den Beziehungen zwischen der EU und Russland für möglich, sagte Putin. Bei dem Pariser Gipfel sollte es auch um verstärkte wirtschaftliche Zusammenarbeit gehen. Geplant sind zusätzliche Gaslieferungen Russlands nach Zentral- und Westeuropa.

Das Büro der russischen Fluggesellschaft Aeroflot auf den Pariser Champs-Elysées wurde am Montagmorgen aus Protest gegen den Tschetschenien-Krieg kurzfristig besetzt. Der "Ausrottungskrieg" der russischen Einheiten in der Kaukasus-Republik müsse beendet werden, forderte der Sprecher der Besetzer-Gruppe, Alain Berg. Die französische Polizei beendete die friedliche Besetzung und stellte die Personalien der zehn Teilnehmer fest, unter denen sich auch Mitglieder der Menschenrechtsorganisation Amnesty International (ai) befanden.

Demonstration gegen Tschetschenien-Krieg

Vor der Ankunft Putins hatten 550 Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu einer Demonstration aufgerufen, mit der am Montagabend in Paris gegen den Tschetschenien-Krieg protestiert werden sollte. "Wir weisen ein kurzfristiges Kalkül zurück, welches das Martyrium eines Volkes mit Schweigen übergeht und die von Herrn Prodi verhandelte Ölübereinkunft feiert", heißt es in dem am Freitag veröffentlichten Appell. Zu den Unterzeichnern gehören der deutsche Historiker Heinrich-August Winkler und der europäische Grünen-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit, außerdem die französische Schauspielerin Isabelle Adjani, der Komponist Pierre Boulez und der Philosoph André Glucksmann.

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