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Ärzte bestätigen Giftanschlag auf Juschtschenko mit Dioxin

Auf den ukrainischen Oppositionsführer Viktor Juschtschenko (50) ist nach Angaben seiner Wiener Ärzte im Wahlkampf tatsächlich ein Giftanschlag mit Dioxin verübt worden.

dpa WIEN/KIEW/MOSKAU. Auf den ukrainischen Oppositionsführer Viktor Juschtschenko (50) ist nach Angaben seiner Wiener Ärzte im Wahlkampf tatsächlich ein Giftanschlag mit Dioxin verübt worden.

"Wir schließen ab mit der Zusatzdiagnose "Verdacht auf Fremdverschulden"", sagte der Leiter der Privatklinik Rudolfinerhaus, Professor Michael Zimpfer, am Samstag in Wien zu der schweren Erkrankung vom September. Die Generalstaatsanwaltschaft in Kiew nahm ihre Ermittlungen wieder auf. Ermittelt werde wegen "versuchten Mordes". Juschtschenko gilt als Favorit bei der Wiederholung der Stichwahl um das Präsidentenamt in der Ukraine am 26. Dezember.

Der bis heute von seiner Erkrankung schwer gezeichnete Juschtschenko dankte bei seinem Aufenthalt am Wochenende in Wien seinen Ärzten. "Ich bin sehr froh, dass ich noch lebe in dieser Welt", betonte Juschtschenko, der noch am Sonntagabend in Kiew zurückerwartet wurde. Der Oppositionspolitiker war nach einem Abendessen mit dem Chef des ukrainischen Geheimdienstes, Igor Smeschko, Anfang September zusammengebrochen. Es gibt bislang keine konkreten Beweise für eine Beteiligung des Geheimdienstes. Die Ärzte vermuten, dass Juschtschenko das Gift in das Essen oder in ein Getränk gemischt wurde.

Über Monate hatten Zimpfer und dessen Kollege Nikolai Korpan die zunächst rätselhafte Erkrankung Juschtschenkos untersucht. Die Dioxin-Vergiftung habe zu einem "bisher einmaligen Krankheitsbild" geführt. In Blut und Gewebe des Patienten habe man "mindestens das Tausendfache der normalen Konzentration" an Dioxin gefunden. Das Gift lasse sich zum Beispiel leicht in einer mit Sahne abgebundenen Suppe "verpacken", hieß es.

Juschtschenko hatte von Anfang an den Verdacht geäußert, er sei vergiftet worden, um ihn politisch auszuschalten. Er war am 10. September in die Wiener Klinik gebracht worden, wo er mehr als drei Wochen unter strengen Sicherheitsvorkehrungen behandelt wurde. Sein Gesicht ist seither von Narben entstellt.

Im Wahlkampf hatten die alte Staatsmacht und dessen Kandidat, der bisherige Regierungschef Viktor Janukowitsch, dem Oppositionsführer vorgeworfen, er habe eine Vergiftung lediglich simuliert. Die Staatsmedien kolportierten, der fünffache Familienvater habe sich mit Sushi den Magen verdorben. Die Generalstaatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen zwischenzeitlich mit dem Hinweis ein, Juschtschenko sei an einer Herpes-Infektion erkrankt. Einen Tag vor der abschließenden Dioxin-Diagnose war Juschtschenko von seinem Kontrahenten Janukowitsch noch als "Feigling und Schwätzer" bezeichnet worden.

In der Ukraine lief die heiße Phase des Wahlkampfes zur Stichwahl um das Präsidentenamt am 26. Dezember zunächst ohne Juschtschenko an. Der Kandidat Janukowitsch warf im Fernsehen seinem Widersacher finanzielle Unterstützung aus dem Westen vor. "Die lange Vorbereitung vor der Wahl hat sich heute ausgezahlt mit den ausländischen und amerikanischen Fonds", sagte Janukowitsch, der am Wochenende vor Wählern in seinen Hochburgen im Osten des Landes sprach.

Auch Juschtschenko werde sich nach seiner Rückkehr auf die Ostukraine konzentrieren, sagte die Oppositionspolitikerin Julia Timoschenko der Kiewer Wochenzeitung "Serkalo Nedeli". "Er wird in die Gebiete im Osten und Süden reisen, in denen es (bei der letzten Abstimmung am 21. November) die schlimmsten Fälschungen gab", kündigte Timoschenko an.

Der amtierende ukrainische Präsident Leonid Kutschma sicherte dem US-Diplomaten Richard Holbrooke zu, er tue alles für einen Erfolg der Wahl am 26. Dezember. "Die Macht wird sofort nach Bekanntgabe des Resultats friedlich übergeben" sagte er. Juschtschenko stellte in einem Interview der "Financial Times" für den Fall seines Sieges ein Programm für eine schrittweise Annäherung der Ukraine an die Europäische Union (EU) bis hin zu einer Mitgliedschaft vor.

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