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Ärzte stehen unter Korruptionsverdacht

Bundesweit stehen Mediziner in Krankenhäusern unter dem Verdacht, von Pharmakonzernen Geld erhalten zu haben, wenn sie bestimmte Medikamente verabreichen.

dpa MÜNCHEN/BIELEFELD. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) hat eine umgehende Aufklärung des Bestechungsskandals mit bis zu 1000 verdächtigten Krankenhaus-Ärzten gefordert. "Alle Fälle müssen strikt aufgeklärt werden", sagte Schmidt der "Bild am Sonntag". Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit gegen Ärzte aus ganz Deutschland wegen illegaler Zuwendungen in Millionenhöhe. Bisher seien rund 1000 Verfahren gegen Mediziner an mehreren 100 Kliniken im gesamten Bundesgebiet eingeleitet worden, bestätigte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München I einen entsprechenden Bericht des Bielefelder "Westfalenblatts".

"Der Vorgang zeigt, wie wichtig es ist, Medikamente auf Grund ihrer tatsächlichen Wirkstoffe und nicht wegen ihres Namens zu verordnen. Genau dafür haben wir das Ausgaben-Begrenzungsgesetz geschaffen", sagte Schmidt. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen die in Verdacht geratenen Ärzte für die Verwendung bestimmter Medikamente vor allem in den Jahren von 1997 bis 1999 vom Pharmakonzern Smiths Kline Beecham Geld und andere Zuwendungen erhalten haben. "Es sind überwiegend Beträge zwischen 1000 und 3000 DM, in Einzelfällen aber auch 30 000 bis 40 000 DM", zitiert die "Bild am Sonntag" den Bochumer Oberstaatsanwalt Bernd Bieniossek.

Nach Informationen des "Westfalenblatts" hat sich der Münchner Konzern inzwischen mit dem Hamburger Konzern Glaxo zusammengeschlossen und trägt nun den Namen Glaxo Smiths Kline. Auch gegen Verantwortliche dieses Unternehmens werde wegen Bestechung ermittelt. Der Leitende Oberstaatsanwalt Manfred Wick bestätigte der dpa in München, dass in dem "großen Komplex" Ermittlungen eingeleitet worden seien. Teilweise seien die Ermittlungsverfahren bereits an die zuständigen Staatsanwaltschaften vor Ort weitergeleitet worden. "Wir sind dabei, das alles abzuarbeiten." Den Krankenhaus-Ärzten wird nach Angaben der Zeitung Vorteilsannahme und Bestechlichkeit vorgeworfen.

Der Sprecher der DAK Niedersachsen/Bremen, Frank Miklis, kündigte unterdessen Schadenersatzforderungen an. "Wir werden auf jeden Fall Regressansprüche stellen. Wir werden auch selbst gegen die betroffenen Ärzte ermitteln", sagte Miklis der "Bild am Sonntag". Der ehemalige Präsident der Berliner Ärztekammer, Ellis Huber, sagte der Zeitung: "Ein Drittel der Ärzte ist zynisch-gewissenlos orientiert, ein Drittel hält sich an die ethischen Grundsätze, ein Drittel schwankt irgendwo dazwischen." In diesem System seien moralische Prinzipien abhanden gekommen. Die Macht der Marketingleute habe die Macht der Forscher und Mediziner überwuchert.

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