"Äußerst befremdend"
Luftfahrt: Versicherer kündigten Haftpflichtklauseln

Die Deutsche Lufthansa AG, Frankfurt/Köln, hat am Freitag bestätigt, dass die Haftpflichtdeckungen für Krieg und Terror in den Verträgen durch die Versicherer gekündigt worden sind. Die Fluggesellschaften haben gegen diese Risiken nach Ablauf der Kündigungsfrist (eine Woche) keine Deckung mehr.

dpa HAMBURG. Die überraschende Kündigung der Versicherungsverträge für das Risiko "Krieg und Terroranschläge" hat am Freitag bei den Fluggesellschaften Irritationen und Ärger ausgelöst. Teilweise werden bereits für die kommenden Woche Flugausfälle nicht ausgeschlossen, da einige der Versicherungspolicen schon am Montag auslaufen.

Nach den Terroranschlägen in den USA verlangen die Versicherungen jetzt Prämien, die nach Angaben der Organisation der europäischen Airlines (AEA) das 15fache der alten übersteigen. Gleichzeitig soll die Deckungssumme für so genannte Drittschäden aus Krieg oder Terroranschlägen nur noch 50 Mill. $ statt bisher 1 Milliarde $ betragen.

Die Fluggesellschaften hoffen nun auf die Hilfe der Regierungen, die mit einer Staatshaftung zumindest zeitweise das Risiko abfedern soll. Berlin setzt dabei auf eine Lösung im EU-Rahmen. Auch für die Bundesregierung sei die Information über die Aufkündigung der Verträge "sehr überraschend" gewesen, sagte ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin. Mögliche direkte Hilfen für die betroffenen Unternehmen deutete ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums an, aber erst nach Prüfungen im EU-Rahmen. Auf EU-Ebene soll am Wochenende über dies Thema beraten werden.

Unterdessen geht Lufthansa-Chef Jürgen Weber davon aus, dass die europäischen Staaten von Montag an die Haftung für eventuelle Schäden der Airlines an Dritten übernehmen werden. "Das kostet den Staat kein Geld. Sollte er wirklich haften müssen, weil es zu großen Schäden kommt, dann sieht die Welt sowieso ganz anders aus," sagte Weber in einem Gespräch der Tageszeitung "Die Welt" (Samstagausgabe). Er kritisierte die Versicherungsgesellschaften scharf. Sie hätten die Verträge äußerst kurzfristig gekündigt und damit ihre Probleme auf die Luftfahrtindustrie abgewälzt.

Die Versicherungen für die deutschen Luftfahrtgesellschaften bleiben zunächst weiter in Kraft. Darauf hat der Deutsche Luftpool hingewiesen. Beim Passus für Kriegs- und kriegsähnliche Ereignisse müssten die Konditionen aber angepasst werden, sagte Geschäftsführer Wolfgang Schatz. Für Passagiere und Flugzeuge bestehe weiter Versicherungsschutz. Der Luftpool - ein Zusammenschluss mehrerer Versicherungsgesellschaften - sei zuversichtlich, dass es im Laufe der nächsten Tage Lösungen geben werde.

Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der deutschen Luftfahrtunternehmen (ADL), Detlef Winter sagte in Bonn: "Wir brauchen eine Erklärung der Bundesregierung, dass sie für eine begrenzte Zeit diese Schäden übernehmen würde". Sollte die Bundesregierung nicht in die Bresche springen, sei es Sache der Fluggesellschaften zu entscheiden, ob sie ihre Maschinen starten lassen.

Die niederländische Fluggesellschaft KLM konnte am Freitag nicht ausschließen, dass ihre Flugzeuge von Montagabend 24.00 Uhr nicht mehr fliegen werden. Dies sagte ein KLM-Sprecher in Amsterdam. Eine Sprecherin von British Airways sagte am Freitag lediglich: "Wir reden mit den Versicherungsunternehmen über die Lage. Wir sind uns ihrer Sorgen bewusst."

Die Lufthansa-Tochter Eurowings bestätigte am Freitag die Kündigung der Vertragsklausel zu Kriegs-Risiken. "Wir haben kein Verständnis für die neuen Angebote. Sie sind hoffentlich nicht das letzte Wort", sagte Eurowings-Sprecher Martin Mönninghoff. Der Düsseldorfer Ferienflieger LTU hat nach eigenen Angaben ebenfalls eine Kündigung erhalten. Das Unternehmen werde die neuen Bedingungen der Versicherer akzeptieren. "Wir werden auf jeden Fall weiter fliegen", sagte Pressesprecher Marco Dadomo.

Unterdessen haben sich das Weiße Haus und der Kongress wegen der Folgen der Terroranschläge in den USA auf ein Hilfspaket von insgesamt 15 Mrd. $ für die US-Airlines geeinigt, berichteten US-Medien am Freitag. Daneben wolle US-Präsident George W. Bush den Airlines für 180 Tage eine "Terror-Abdeckung" gewähren, um Zeit zu gewinnen, bis sich die Lage stabilisiere.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%