Äußerungen des französischen Finanzministers
Konjunkturdaten drücken Euro unter 0,85 Dollar

Die Gemeinschaftwährung baute ihre Verluste aus, was Händler auf Äußerungen des französischen Finanzministers Fabius zur Konjunkturentwicklung seines Landes zurückführten.

Reuters FRANKFURT. Der Euro ist am Mittwoch nach schwachen Konjunkturdaten für Deutschland und Frankreich wieder unter die Marke von 0,85 Dollar gefallen. Der Euro baute seine Verluste am Nachmittag aus, was Händler auf Äußerungen des französischen Finanzministers Laurent Fabius zur Konjunkturentwicklung seines Landes zurückführten. Fabius hatte am Nachmittag gesagt, er sehe das französische Wirtschaftswachstum für 2001 nahe 2,7 Prozent.

Die kürzlich bereits nach unten revidierte Wachstumsprognose der Regierung in Paris lautet auf 2,7 bis 3,1 Prozent. Händlern zufolge wurde der Euro-Kursverfall durch anhaltende Spekulationen über mögliche Zentralbank-Interventionen zugunsten der Gemeinschaftswährung gebremst. In den Mittelpunkt des Interesses rückte Händlern zufolge zunehmend die EZB-Zinssitzung am Donnerstag.

Händlern zufolge hatten sich die Daten aus dem Dienstleistungssektor belastend auf den Euro ausgewirkt. Die Forschungsgruppe NTC, die den Index für Reuters ermittelt, teilte mit, der Reuters-Service-Index für Deutschland sei mit 49,8 (April: 51,5) Punkten im Mai erstmals seit April 1999 unter die 50-Punkte-Marke gefallen. Der entsprechende französische Index war im Mai auf ein Rekordtief abgerutscht. "Nachdem sich alles etwas beruhigt hat, wird den heutigen Daten mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Das bestärkt die negative Stimmung in Bezug auf den Euro", sagte Jeremy Hawkins, Volkswirt bei der Bank of America in London.

Zu den Fabius-Äußerungen sagte Andrew Petti vom Haus Ruesch International, diese hätten dem Euro nicht geholfen: "Ich glaube, er hat noch etwas mehr Spielraum nach unten." Frankreich sei mit Deutschland die größte europäische Volkswirtschaft, "und jedesmal, wenn es einen Schluckauf gibt, werden die Leute nervös." Fabius hatte gesagt, das wirtschaftliche Wachstum in den USA habe sich unerwartet deutlich verlangsamt, worunter Volkswirtschaften auf der ganzen Welt zu leiden hätten. Er fügte jedoch hinzu, von dieser Entwicklung sei die französische Wirtschaft noch weniger stark betroffen als die anderer Staaten.

Gegen 18.30 Uhr MEZ wurde die Währung mit 0,8470/72 gehandelt, nachdem die EZB den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8543 Dollar festgestellt hatte. Die US-Valuta notierte mit 120,26/29 nach einer New Yorker Eröffnung mit 120,60/68 (120,37/45) Yen.

Von der Zinssitzung der EZB erhoffen sich die Marktteilnehmer Aufschluss über die künftige Geldpolitik der Zentralbank und mögliche Interventionen am Devisenmarkt. Nach überwiegender Einschätzung von Analysten wird die EZB die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag wegen der gestiegenen Inflation noch unverändert lassen. Doch könnte EZB-Chef Wim Duisenberg Analysten zufolge die Märkte allmählich auf eine Zinssenkung in den nächsten Wochen vorbereiten, da die Teuerung mittelfristig zurückgehe. Die EZB wird den Zinsentscheid am Donnerstag gegen 13.45 Uhr MEZ bekannt geben. Wie nach jeder ersten Sitzung im Monats wird Duisenberg den Beschluss ab 14.30 Uhr MEZ vor der Presse erläutern.

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