Äußerungen des französischen Nationalbank-Präsidenten Trichet
Spekulation über Zinssenkung stützt Euro

Zunehmende Spekulationen über eine baldigen Senkung der Leitzinsen in der Euro-Zone haben den Euro am Freitag Händlerangaben zufolge gestützt.

Reuters FRANKFURT. Vor allem die Äußerungen des französischen Nationalbank-Präsidenten Jean-Claude Trichet hätten Hoffnungen auf eine Lockerung der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und davon ausgehend auf eine Stärkung des Wirtschaftswachstums in Europa geweckt. Allerdings sei es noch zu früh, von einer Trendwende zu sprechen, sagten Händler. Nach wie vor herrsche am Markt die Skepsis vor, ob die EZB tatsächlich zur Senkung der Zinsen bereit sei. Die Äußerungen von EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing und Ratsmitglied Jean-Claude Trichet hätten immerhin die Hoffnung aufkommen lassen, dass die Notenbank der Wachstumsverlangsamung entgegenwirken wolle.

Gegen 18.10 Uhr MEZ notierte der Euro mit 0,8926/28 $. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittag in Frankfurt mit 0,8922 $ ermittelt. Die US-Valuta wurde mit 122,70/75 Yen nach 122,93/01 Yen zur Eröffnung in New York gehandelt.

Spürbare Konjunktur-Abkühlung

Angesichts der spürbaren Konjunktur-Abkühlung in der Euro-Zone halten viele Händler und Analysten eine Zinssenkung durch die EZB für geboten. "Mehr als alles andere haben die Spekulationen um eine Zinssenkung durch die EZB dem Euro geholfen," sagte John Beerling von der Wells Fargo Bank in Minneapolis. Die Furcht vor einem Abschwung in Europa hatte am Donnerstag zu einer Verkaufswelle an den Aktienmärkten beigetragen und die Flucht in den Dollar als sichere Anlagewährung beschleunigt.

Händlern zufolge hat EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing bei seinen Äußerungen am Vortag erstmals erkennen lasssen, dass die EZB den Boden für niedrigere Zinsen bereite. Dies habe die Devisenmärkte allerdings noch nicht überzeugt. Issing hatte am Donnerstagabend ungewöhnlich deutlich auf die verschlechterten Konjunkturaussichten in der Euro-Zone hingewiesen und damit die Möglichkeit einer baldigen Zinssenkung angedeutet.

Optimistische EZB-Einschätzung bekräftigt

EZB-Chef Wim Duisenberg hatte dagegen erst am Mittwoch die bisher optimistische Konjunktureinschätzung der EZB und abwartende Haltung der EZB-Geldpolitik bekräftigt. Am Freitag sprach sich auch der österreichische Notenbank-Chef Klaus Liebscher für ein weiteres Zuwarten der EZB aus, nachdem der Finanzminister der Regierung in Wien am Donnerstag gesagt hatte, die Zeit für eine Zinssenkung in der Euro-Zone sei reif.

Der französische Notenbankpräsident Trichet hat unterdessen wie bereits Issing die Inflationsgefahren, die inzwischen das einzige Hindernis für eine Zinssenkung sind, als rückläufig beschrieben. "Während wir noch vor einem oder anderthalb Monaten sehr besorgt waren über die Inflation, sind wir es heute nicht mehr", sagte er dem Radiosender Europe 1.

Vorsichtiger äußerte sich dagegen Bundesbank-Vizepräsident Jürgen Stark. "Es bleiben einige Preisrisiken... Der Ölpreis wirkt nach wie vor durch", sagte Stark.

Die am Freitag veröffentlichten vorläufigen deutschen Inflationsdaten hätten indessen die Wahrscheinlichkeit einer baldigen Zinssenkung in der Euro-Zone erhöht, sagten Analysten. Nach vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamtes ging die Teuerung im März leicht auf 2,5 % von 2,6 % im Februar zurück. Der Anstieg zum Vormonat betrage 0,1 % nach 0,6 % im Februar.

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